Experten erwarten unisono EZB-Zinspause

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Die EZB wird nach der jüngsten Zinserhöhung vom Juni voraussichtlich noch nicht direkt nachlegen. Für die am Donnerstag anstehende geldpolitische Entscheidung erwarten von Reuters befragte Experten unisono, dass der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde stillhalten wird. Entsprechende Signale haben unlängst mehrere Währungshüter gesendet, so auch der deutsche Bundesbankchef Joachim Nagel.

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Doch muss die Europäische Zentralbank aus seiner Sicht weiter wachsam bleiben: Es gilt zu vermeiden, dass der vom wiederaufgeflammten Iran-Krieg befeuerte Anstieg der Energiekosten auf andere Preise übergreift und einen dauerhaften Inflationsschub auslöst.

Ökonomin Ulrike Kastens vom Vermögensverwalter DWS rechnet damit, dass die EZB vorerst noch abwartet: "Ohnehin ist unserer Meinung nach keine Eile geboten." Die Inflation sei bereits im Juni unter die Drei-Prozent-Marke gefallen, was sich aus ihrer Sicht im Juli wiederholen dürfte. Dennoch zeige die aktuelle Volatilität der Energiepreise, dass hinsichtlich der Inflationsrisiken weiterhin Vorsicht geboten sei: "Mit den neuen Projektionen im September rechnen wir mit einer weiteren Zinserhöhung auf 2,50 Prozent." Auch an den Finanzmärkten wird erwartet, dass die EZB im September auf ihrer auswärtigen Ratssitzung in Berlin die Zinszügel zum zweiten Mal in diesem Jahr anzieht. Sie hatte den Leitzins im Juni um einen Viertelpunkt auf 2,25 Prozent angehoben. Mit einer Inflationsrate von zuletzt 2,8 Prozent verfehlen die Währungshüter ihre Zielmarke von 2,0 Prozent deutlich.

Für eine Zinserhöhung spricht aus Sicht von Commerzbank-Ökonom Marco Wagner, dass in den kommenden Monaten noch spürbare indirekte Effekte drohen: "So berichten vor allem im verarbeitenden Gewerbe deutlich mehr Unternehmen als vor Kriegsbeginn, dass sie ihre Absatzpreise erhöhen."

Selbst bei einer weiteren Zinserhöhung würde der Einlagensatz laut Wagner mit dann 2,50 Prozent immer noch im Bereich des neutralen Zinses liegen, also die Wirtschaft der Euro-Zone weder bremsen noch anschieben. Als Kronzeugen für diese Einschätzung zitiert der Experte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, der jüngst die Obergrenze des neutralen Zinses just bei 2,5 Prozent verortete. Das Commerzbank-Research-Team durchkämmt die Reden der EZB-Ratsmitglieder mittels Künstlicher Intelligenz systematisch nach Hinweisen auf mögliche Zinsänderungen. Das Ergebnis: "Unser "ChatECB-Indikator" deutet darauf hin, dass die EZB-Notenbanker derzeit auch bei den nicht mehr ganz so hohen Öl- und Gaspreisen zu einer weiteren Zinserhöhung bereit sind."

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte bereits Ende Juni die Marschrichtung vorgegeben: "Um die Inflation mittelfristig wieder auf unseren Zielwert von zwei Prozent zurückzubringen, werden wir aus heutiger Sicht die Zinsen weiter anheben müssen." Das Ausmaß und der Zeitpunkt weiterer Maßnahmen hingen jedoch davon ab, wie sich der Konflikt in Nahost, die Wirtschaft und die Inflation entwickelten.

Auf der Pressekonferenz in Frankfurt nach dem Zinsbeschluss werden Investoren genau auf Signale achten, wohin die Zentralbank geldpolitisch steuert. Dabei dürfte EZB-Chefin Lagarde auch nach ihren Zukunftsplänen befragt werden. In einem Interview der Zeitung "Les Echos" hatte sie jüngst den Willen zum Absolvieren ihrer vollen Amtszeit betont, einen vorzeitigen Rückzug von ihrem Posten jedoch nicht ausgeschlossen. Die Gerüchteküche um einen vorzeitigen Abgang der 70-Jährigen brodelt bereits länger: Noch im Februar hatte die Französin die Absicht bekräftigt, bis Ende Oktober 2027 auf der Kommandobrücke der Zentralbank bleiben zu wollen. Die "Financial Times" hatte berichtet, Lagarde wolle ihr Amt als EZB-Präsidentin vorzeitig niederlegen, um dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein Mitspracherecht bei der Bestimmung ihrer Nachfolge zu ermöglichen.

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