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Wie nicht anders zu erwarten wird das Geschehen an den Börsen hauptsächlich von der Lage im Nahen Osten beeinflusst. Nach einer neuen gefährlichen Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran und Israel haben die Erzfeinde ihre wechselseitigen Angriffe vorerst wieder eingestellt. Beide Seiten drohten jedoch im Fall von Verstößen gegen ihre jeweiligen Bedingungen mit noch härteren Kämpfen. Zudem hat US-Präsident Donald Trump den Abschluss einer Vereinbarung zur Beendigung des Iran-Kriegs in den nächsten Tagen in Aussicht gestellt.
Konjunkturell sind heute die Augen auf die USA gerichtet. Dort steht am frühen Nachmittag die Handelsbilanz zur Veröffentlichung an. "Es wird weiterhin mit einem deutlichen Fehlbetrag gerechnet. Darauf hatte bereits der Saldo der Warenbilanz hingewiesen", schreiben die Analysten der Helaba in einem Bericht.
"Zwischen Krisenrauschen, geldpolitischen Fragezeichen und der KI-Euphorie als strukturellem Wachstumstreiber fehlt Anlegern derzeit ein verlässliches Navigationssignal. Ohne klare Leitplanken bleibt das Marktumfeld schwer navigierbar", kommentierte Marktexperte Timo Emden die derzeitige Lage.
Halbleiterwerte setzten nach dem jüngsten Rücksetzer zu einer Erholung an. Börsianer vermuten, dass die KI-Fantasie von dem jüngsten Kursrutsch unbeeindruckt bleibt. Bereits am Vorabend hatten US-Branchenwerte schwungvoll zugelegt. An der technologielastigen Börse in Südkorea sprangen die Titel des Branchenriesen SK Hynix am Dienstag um 16 Prozent an. Für die Papiere von Infineon, Aixtron, Suss und PVA Tepla ging es in Europa um bis zu zweieinhalb Prozent aufwärts.
Angekündigte Anleihe-Emissionen belasteten die Aktien von Evonik und K+S . Letztere fielen als MDax-Schlusslicht um 4,0 Prozent nach der Mitteilung, dass der Düngemittelkonzern die Ausgabe einer Wandelanleihe im Nennwert von etwa 300 Millionen Euro plant. Sie unterschritten damit erstmals seit Mitte Jänner wieder die 200-Tage-Linie für den längerfristigen Trend. Die Evonik-Papiere büßten 3,0 ein. Der Großaktionär des Spezialchemiekonzerns, die RAG-Stiftung, will eine neue Umtauschanleihe mit einem Gesamtnennbetrag von rund 375 Millionen Euro begeben, die dann von Investoren in bestehende Stammaktien von Evonik umtauschbar sein soll.
Die Aktien von GSK haben im frühen Handel am Dienstag etwas stärker nachgegeben. Zuletzt verloren sie 2,6 Prozent und näherten sich damit wieder der Unterstützungslinie um 1.800 Pence. Der britische Pharmakonzern baut sein Onkologiegeschäft mit der milliardenschweren Übernahme des US-Biotechunternehmens Nuvalent weiter aus. Der gesamte Wert der Transaktion beläuft sich auf rund 10,6 Milliarden Dollar (9,2 Mrd Euro).
Nach Ansicht der Analysten der Investementplattform Hargreaves Lansdown stärkt GSK mit dem Zukauf seine Stellung im Bereich zielgerichteter Krebstherapien aus und erweitert zugleich seine Wirkstoffpipeline. Das Kaufangebot signalisiere mit einer Prämie von 40 Prozent anhaltende Zuversicht, Übernahmen als Möglichkeit zu verstärktem Wachstum zu nutzen. Dabei bewahre sich GSK das Potenzial für weitere Akquisitionen.
Die Papiere des schweizerischen Duft- und Aromastoffherstelles Givaudan gaben 4,9 Prozent ab. Deutsche Bank Research hat das Kursziel für Givaudan von 3.000 auf 3.300 Franken angehoben und die Aktien von "Hold" auf "Buy" hochgestuft. Die Nachfrage bleibe solide, schrieb Virginie Boucher-Ferte in ihrem am Dienstag vorliegenden Resümee der Consumer Conference der Bank mit Präsentationen von sieben Zutatenherstellern. Am optimistischsten ist die Expertin für Givaudan und Croda, wo sie besonders deutlich vom Ergebniskonsens für das zweite Quartal abweicht.