
von
Die Börsen in Asien feiern die Einigung bereits, der Ölpreis gab am Montag deutlich nach. US-Präsident Donald Trump zeigt sich optimistisch - und erklärte mit Blick auf die Blockade des Öltransports durch die Straße von Hormuz: "Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren! Lasst das Öl fließen!"
"Ein Kriegsende hätte positive Auswirkungen auf die Konjunktur", sagt der Ökonom Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung am Münchner Ifo-Institut. "Zunächst würden die Weltmarktpreise für Rohöl und Erdgas sinken, wodurch die Inflationsraten unmittelbar sinken und die Kaufkraft der Verbraucher zurückkehren würde." Sinken würden nach Einschätzung des Wissenschaftlers auch die Kapitalmarkt- und Kreditzinsen, da weitere Erhöhungen der Leitzinsen ausbleiben würden.
Doch wäre der Effekt voraussichtlich kein sofortiger. "Die Ausweitung des Angebots an Rohöl, Erdgas und damit verbundenen Vorprodukten aus der Region des Persischen Golfs auf das Vorkriegsniveau wird wohl noch etwas dauern, da einige Produktionsstätten offenbar beschädigt sind", sagt Wollmershäuser. "Daher werden die Energiepreise wohl nicht unmittelbar auf das Vorkriegsniveau sinken und die Lieferkettenprobleme könnten noch etwas andauern."
Für die Regierungen in Europa zog vor allem der rasante Anstieg der Spritpreise politischen Ärger nach sich. Manche Länder, darunter Österreich, reagierten mit einer Preisbremse.
"Wenn ein Ende des Nahostkriegs dazu führt, dass die Straße von Hormuz wieder frei befahrbar ist und Öltransporte dort reibungslos laufen können, dürfte auch der Ölpreis schrittweise nachgeben", sagt ein Sprecher des ADAC in München. Bis sich jedoch wieder stabile Abläufe entlang der Lieferketten einstellten, werde einige Zeit vergehen. "Umgehende Senkungen der Kraftstoffpreise auf das Niveau vor dem Krieg sind daher nicht zu erwarten, zumal auch Infrastruktur beschädigt oder zerstört wurde, die nicht sofort wieder aufgebaut werden kann."
Die US-Regierung und viele Experten gehen davon aus, dass der Iran die Straße von Hormuz teilweise vermint hat. Wie viele Sprengsätze dort tatsächlich lauern, ist nicht bekannt - aber allein die Angst vor Minen reicht, um die Schifffahrt lahmzulegen. Daher braucht es zunächst einen Einsatz zur Minenräumung, für den unter anderem europäische Staaten schon Vorbereitungen getroffen haben. Erst nach dessen Abschluss wäre eine Rückkehr zum Normalbetrieb von vor dem Krieg wieder denkbar.
In der Zwischenzeit könnte etwa das US-Militär seine Bemühungen verstärken, Schiffe durch die Meerenge zu lotsen. Ein weiteres Problem ist, dass viele Schiffe nach viereinhalb Monaten Iran-Krieg schlicht am falschen Ort sind: Hunderte sitzen noch im Persischen Golf fest, viele fahren inzwischen auf anderen Routen. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb, mit rund 100 bis 150 Schiffen in der Meerenge pro Tag, dürfte noch eine Weile dauern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Einigung zwischen den USA und Iran tatsächlich hält und es nicht zu neuen Kampfhandlungen kommt.
Das hängt nicht nur vom Ende des Iran-Kriegs und dem Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz ab, sondern auch von einem mittlerweile weitgehend aus den Schlagzeilen verschwundenen Konflikt: "Aus globaler Perspektive ist der bedeutendere Faktor (für die Containerschifffahrt) nicht die Hormuz-Krise, sondern die Krise im Roten Meer", meint der dänische Schifffahrtsexperte und -berater Lars Jensen.
Denn die meisten internationalen Reedereien lassen ihre Containerschiffe schon seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Herbst 2023 nicht mehr auf dem kürzesten Seeweg von Ostasien nach Europa durch das Rote Meer und den Suezkanal fahren, sondern auf der viel weiteren Route um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas.
Im Roten Meer bedrohen die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen die Schifffahrt. Da die Umrundung Afrikas einen Umweg von vielen tausend Seemeilen und bis zu zwei Wochen längere Fahrtzeiten bedeutet, sind die Kapazitäten in der Schifffahrt knapp, die Preise hoch. "Eine Lösung der Hormuz-Krise könnte auch die Bühne für eine mögliche Lösung der Krise im Roten Meer bereiten", sagt Jensen. "Das wiederum würde Schiffskapazität in großem Umfang freisetzen und eine Wende am Markt vom derzeitigen Kapazitätsmangel zum Überangebot nach sich ziehen."
Einen Sektor der Weltwirtschaft hat der Iran-Krieg bisher nicht sehr gestört: die internationalen Börsen. In den USA steht der S&P500 - der Leitindex der 500 größten börsennotierten Unternehmen - höher als vor Kriegsbeginn. Der Frankfurter DAX wurde stärker in Mitleidenschaft gezogen und verlor von Ende Februar bis Ende März fast 3.000 Punkte. Doch seither ging es mit einigen Ausschlägen wieder deutlich aufwärts.