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Bereits seit 17 Uhr trat ein Platzverbot am Heldenplatz in Kraft - Ziel ist es wie jedes Jahr, Demonstranten und Ballbesucher voneinander fernzuhalten. Die Gegner des von Kritikern als internationales Vernetzungstreffen Rechtsextremer bezeichneten Events versammelten sich bereits am späteren Nachmittag am Startpunkt zweier Demonstrationszüge.
In der Innenstadt und Teilen der Innenstadt-Bezirke kam es zu Verkehrsbehinderungen und Umleitungen des Individualverkehrs. Die Wiener Polizei empfahl bereits im Vorfeld, den Bereich großräumig zu umfahren. Betroffen war auch der öffentliche Verkehr. Die Demonstrationen selbst verliefen bis zum Abend ruhig, gab die Polizei auf APA-Anfrage bekannt.
Gegen 20.30 Uhr traf die FPÖ-Prominenz in der Hofburg ein. Neben Nepp und Rosenkranz wurden u.a. Wiens FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss und der Wiener FPÖ-Landesparteisekretär Lukas Brucker gesichtet, ebenso der ehemalige blaue EU-Mandatar Andreas Mölzer und die frühere Europaabgeordnete und Ex-Stadträtin Ursula Stenzel (ÖVP/FPÖ). Der Wiener Landtagsabgeordnete und Ballorganisator Udo Guggenbichler zeigte sich bei seinem Eintreffen erfreut über den Zuspruch, der Ball sei ausverkauft, sagte er zur APA.
Auf den Straßen lockte wie schon in den vergangenen Jahren auch heuer wieder ein Demo-Aufruf der Plattform "Offensive gegen Rechts" Gegner des Balles in die Innenstadt: "Auf die Straße gegen Burschis & Faschos" lautet das Motto des Protestzuges, der sich ab 17 Uhr vor der Hauptuni Wien sammelte. Die Marschroute führte vom Universitätsring über den Schottenring zur Wipplingerstraße, dann weiter auf den Hohen Markt, die Rotenturmstraße bis zum Stephansplatz. Die Polizei gab keine Schätzung der Teilnehmerzahl bekannt, laut Beobachtern dürften rund eintausend Demonstranten bei dieser Kundgebung dabei gewesen sein.
Die zweite - "Budenbummel" genannte - Kundgebung sammelte sich ab ca. 17.45 Uhr beim Urban-Loritz-Platz. Der Protestmarsch passierte mehrere "Buden" von Burschenschaftern, er ging über die Westbahnstraße zur Zieglergasse, Kandlgasse und Herrmanngasse zur Burggasse, weiter über die Neubaugasse, die Zeltgasse, die Piaristengasse und die Lerchenfelder Straße bis zum Grete-Rehor-Park am Schmerlingplatz.
Insgesamt stehen am Freitag laut der Exekutive mehrere hundert Polizisten aus Wien im Einsatz, die auch Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus den Bundesländern erhalten.
Der Wiener Akademikerball findet seit 2013 unter seinem aktuellen Namen statt. Er gilt als offizieller Nachfolger des WKR-Balls, der davor seit 1952 von Farben tragenden und mehrheitlich schlagenden Hochschulkorporationen ausgerichtet worden war. Mehrheitlich von linker Seite dagegen demonstriert wird schon seit vielen Jahren, wobei es vor allem vor dem Veranstalterwechsel teilweise zu heftigen Protesten gekommen war. In den letzten Jahren wurde es hingegen spürbar ruhiger rund um den Veranstaltungsort, im Vorjahr waren die Proteste laut Exekutive "ohne nennenswerte Zwischenfälle" verlaufen.
In der Hofburg selbst gaben sich die Teilnehmenden zumeist betont gelassen und verurteilten die "gewalttätigen Ausschreitungen" regelmäßig.
Wie zu WKR-Zeiten noch Uni-Rektoren die Festreden hielten, brachen danach neue Zeiten an: So sprach etwa 2018 der einstige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor den versammelten Burschenschaftern und verurteilte dabei sogar Antisemitismus in den eigenen Reihen. Zweimal trat auch der damalige FPÖ-Volksanwalt und nunmehrige Nationalratspräsident Walter Rosenkranz auf, seit letztem Jahr wird die Rede wieder von einem Akademiker gehalten, auch heuer war eine solche Vorgangsweise geplant. Parteichef Herbert Kickl bleibt der Veranstaltung seit jeher fern - er sei kein Ballgeher, hieß es neuerlich aus seinem Büro.
Kritik an der Teilnahme von Nationalratspräsident Rosenkranz kam bereits am Vortag von SPÖ und Grünen: "Der Akademikerball steht seit Jahren für ein Milieu, das deutschnationales und rechtsextremes Gedankengut verharmlost. Wer als Nationalratspräsident eine überparteiliche und verbindende Rolle innehat, darf solchen Veranstaltungen nicht durch seine Anwesenheit Legitimität verleihen", sagte etwa SPÖ-Erinnerungskultur-Sprecherin Sabine Schatz. Die FPÖ wies die Kritik zurück.