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Der durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelöste Energiepreisschock sei noch nicht vorbei. "Er ist noch im System", fügte das EZB-Ratsmitglied in dem Interview hinzu, das am Rande des EZB-Forums im portugiesischen Sintra geführt wurde. Auf die Frage, ob er eine weitere Zinserhöhung für angebracht halte, sagte Nagel, es sei noch zu früh, darüber eine Entscheidung zu treffen.
Auf der nächsten Zinssitzung des EZB-Rats im Juli werde es die Möglichkeit geben, den weiteren geldpolitischen Kurs abzustecken. Nagel verwies zugleich auf die übernächste Sitzung im September, bei der aktualisierte Prognosen des EZB-Stabs zur wirtschaftlichen Lage vorgelegt würden: "Ich werde mir alle Optionen offenhalten." Der Rückgang der Ölpreise sei zwar eine Überraschung, doch bleibe die Lage im Nahen Osten "sehr undurchsichtig".
Auch EZB-Chefin Christine Lagarde hatte dieses Thema am Vorabend zur Eröffnung des EZB-Forums angeschnitten. Sie verwies darauf, dass nach dem zwischenzeitlichen Friedensabkommen von vergangener Woche die Ölpreise auf rund 73 Dollar (64 Euro) je Barrel gesunken seien, nachdem sie im März noch auf fast 120 Dollar je Fass geklettert waren. "Wie lange dieses Abkommen hält, ist jedoch alles andere als sicher", fügte sie hinzu.
Laut EZB-Chefvolkswirt Philip Lane ist trotz des Rückgangs davon auszugehen, dass die Ölpreise noch auf Jahre hinaus auf einem relativ hohen Niveau verharren werden. Dies werde grundsätzlich kostentreibend auf die Wirtschaft wirken, warnte der Ire in einem Interview mit Bloomberg TV.
Der unerwartet schnelle Rückgang der Energiepreise nimmt Insidern zufolge der Euro-Notenbank allerdings vorerst den Druck für eine Zinserhöhung im Juli. Eine kleinere Anhebung im weiteren Jahresverlauf bleibt jedoch wohl ein Thema, wie vier mit den Diskussionen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die EZB hatte die Zinsen am 11. Juni auf 2,25 von 2,0 Prozent angehoben, um die Auswirkungen des durch den Iran-Konflikt ausgelösten Ölpreisanstiegs einzudämmen. Nun debattieren die Währungshüter über die Dringlichkeit eines Folgeschritts.