
Die durch die Zinswende ausgelöste Immobilienkrise trifft vor allem die Entwickler. Rückgänge bis zu 70 Prozent sind in dem Milliardengeschäft schon Realität. Eine Insolvenzwelle kündigt sich an. Die Zores der Branche werden zur Konjunkturbremse für das ganze Land.
Andreas Köttl redet nicht lange um den heißen Brei herum: "Mit jeder Zinserhöhung geht es weiter abwärts. Uns steht ein sehr dunkles letztes Quartal 2023 bevor", sagt der CEO des Immobilienentwicklers Value One und Präsidiumssprecher der VÖPE, der Vereinigung österreichischer Projektentwickler. Die meisten Developer, die jahrelang nicht mit ausgiebig zelebrierten Erfolgsmeldungen geizten, sind jetzt eher leise und lassen den Verband die schlechten Nachrichten verbreiten. Denn sie wissen: 2024 wird's nicht besser. Die hartnäckig hohe Kerninflation lässt keine raschen Zinssenkungen zu.
Die lange Niedrigzinsphase nach der Finanzkrise führte – bis 2022 – zum längsten Aufschwung des Immobilienmarktes in der Geschichte und erinnerte zuweilen schon an ein Pyramidenspiel: Objekte mit wenig Eigenmitteln kaufen, aufwerten und weiterverkaufen. Ähnlich lief es bei großen Entwicklungsprojekten: günstig finanziert und meist schon im Vorfeld zu guten Preisen verkauft, weil es kaum Anlagealternativen gab.
"Viele haben sich dumm und dämlich verdient, wurden übermütig und sind jetzt Opfer des eigenen Erfolgs, weil sie zu wenig Liquidität aufgebaut und Vorsorgen gebildet haben", sagt ein Immobilienexperte, der lieber nicht genannt werden will. Die rasante Zinswende hat nun alles verändert.
Der Topmanager von UBM Development, Gerald Beck, ebenfalls Mitglied des VÖPE-Präsidiums, fasst den aktuellen Giftcocktail zusammen:"Schwierigkeiten bei der Finanzierung, verschärfte Regelungen bei der Kreditvergabe, die Endkunden nicht mehr erfüllen können, und teilweise überzogene Renditeerwartungen institutioneller Investoren führen zu einem Umsatzrückgang bei manchen Mitgliedern von bis zu 70 Prozent." Viele Euro-Milliarden stehen auf dem Spiel.
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