"Ich hatte viel Geld und war trotzdem ein unglücklicher Mensch"

Geht er nach unten, ist er obenauf: Bordeaux-Fan Wolfgang Rosam, PR-Manager und "Falstaff“-Herausgeber, ist am liebsten im Weinkeller zwischen 5.000 Flaschen.

Er gehört zu den Glückspilzen dieser Republik. Wolfgang Rosam, 55, verdient seit 33 Jahren seine Brötchen in der Kommunikation. Einer seiner spannendsten Aufträge war es, nach dem Weinskandal das Image des österreichischen Weins wiederherzustellen. "Das war mein schönster Job. Da habe ich viel Geld fürs Weintrinken bekommen“, lacht Rosam.

Mittlerweile hat er noch viel mehr Geld - und viel bessere Weine. Denn vor zehn Jahren verkaufte er seine PR- und Lobbying-Agentur Publico an die Pleon-Gruppe. Dann erbaute sich der Netzwerker in Wien-Hietzing eine herrschaftliche Villa und richtete sich in dieser ein 70 Quadratmeter großes Weinkeller-Refugium ein. Nichts zu tun, das war Wolfgang Rosams Sache aber nicht. "Ich hatte viel Geld und war trotzdem ein unglücklicher Mensch.“ Also gründete er die "Rosam Change Communication“ (heute "Rosam“), die auf die Kommunikation bei Veränderungsprozessen in Unternehmen spezialisiert ist.

Das Arbeitsleben war wieder im Lot, der Weinkeller wollte bestückt werden. Heute nennt der PR-Zampano 5.000 edle Tropfen sein Eigen, 3.500 davon sind große Bordeaux. "Ich bin ein verrückter Sammler“, schildert er, "nicht der Wertanlage wegen, obwohl ich einen besseren Vermögenszuwachs mit meinen Weinen erzielt habe als mit meinem Aktienportfolio.“

Streicheln zur Beruhigung

Mit Hingabe hegt und pflegt Rosam sein Hobby. Jede Flasche wird fachgerecht von ihm gelagert und verwaltet. "Es beruhigt mich ungemein, wenn ich zwei, drei Stunden im Keller verbringe, zärtlich meine Flaschen betrachte, streichle und beschrifte.“

Sein Schlüsselerlebnis mit dem Rebensaft hatte Rosam, als er einst einen burgenländischen Winzer fragte, womit er seinen Wein vergleichen würde. Der meinte selbstbewusst: "Mit einem Lafite Rothschild.“ Den besorgte sich Rosam damals, Jahrgang 1982, um 150 Schilling. "Heute kostet der 2.500 Euro.“ In Rosams Vinothek ist dieser Jahrgang heute einer von vielen Premiers Crus, den großen Bordeaux der ersten Lage, wie Château Latour, Margaux, Cheval Blanc und Mouton Rothschild. Dabei "schmeckt ein 1.000-Euro-Wein nicht wie 1.000 Euro. Ein 50-Euro-Wein schmeckt unter Umständen besser“, meint der Kenner. Die Preisexplosion bei den Weinen würde man vor allem den Pensions- und Versicherungsfonds verdanken, die en gros einkaufen und den Rebensaft zum teuren Spekulationsobjekt machen.

Wolfgang Rosam weiß, dass er seine 5.000 Flaschen nie mehr im Leben wird trinken können. "Aber alleine der Gedanke, guten Wein zu trinken, ohne dabei das Niveau zu senken, mir das leisten zu können, ist eine unglaubliche Befriedigung für mich.“

- Gabriela Schnabel

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