Die besten Möglichkeiten für Firmen ihre Bilanz zu verschlanken

Die besten Möglichkeiten für Firmen ihre Bilanz zu verschlanken

Factoring ist einer der elegantesen Lösungen, um ausstehende Forderungen bilanztechnisch auszulagen und so die Eigenkapitalquote zu erhöhen.

Firmen, die ihre Bilanz verschlanken und damit diese verkürzen wollen, können auf diese Weise mitunter relativ einfach ihre Schulden reduzieren und die Eigenkapitalquote stärken. TPA Finanzexpertin Manuela Ponesch-Urbanek verrät, welche Möglichkeiten sich dafür bieten.

Bei einer Bilanzverkürzung wird die Kreditsumme reduziert. Auf diese Weise werden Schulden abgebaut. Das hat unter anderem den Vorteil die Widerstandskraft gegenüber plötzlichen Krisensituationen zu stärken. Ein entscheidender Vorteil einer Bilanzverkürzung besteht darin, dass die Eigenkapitalquote steigt. Sinkt nämlich die Gesamtbilanzsumme, fällt prozentual gesehen das Eigenkapital stärker ins Gewicht. Dabei verbessert sich, soweit alle anderen Faktoren stabil bleiben, das Rating nach Basel III und damit den strengen Vorschriften für die Eigenkapitalrichtlinien der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Von einer Bilanzverkürzung spricht man, wenn sich ein oder mehrere Posten der Aktiva und Passiva - und somit die Bilanzsumme insgesamt um denselben Betrag reduzieren. Durch dieses bilanzpolitische Mittel können zahlreiche wirtschaftliche Vorteile erzielt werden. TPA Finanzexpertin Manuela Ponesch-Urbanek erklärt, welche Möglichkeiten Unternehmen dafür nutzen können.

Am einfachsten ist eine Bilanzverkürzung durch das Abbezahlen von signifikanten Verbindlichkeiten. Das setzt jedoch eine adäquate Kapitalausstattung voraus. Die ist jedoch nicht immer gegeben. Um dennoch die Bilanz zu verschlanken, können Unternehmen ihre Schulden durch Factoring oder Leasing reduzieren.

Welche Varianten Unternehmen zur Auswahl haben:

Eine der Möglichkeiten die Bilanz zu verschlanken, ist Factoring.

Das Unternehmen verkauft dazu eine oder mehrere zukünftige Forderungen an eine Factoring-Bank und erhält die Forderungssumme, abzüglich einer Gebühr, sofort ausgezahlt. Die Folge: Die Bilanz verkürzt sich, die Eigenkapitalquote steigt und die Liquidität verbessert sich. Es gibt verschiedene Arten von Factoring.

- Klassisches Factoring: Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine Factorbank. Diese vergütet meist sofort 80 Prozent des ausstehenden Betrags.
- Echtes Factoring: In diesem Fall wird das Risiko eines Zahlungsausfalls zur Gänze übernommen. Voraussetzung für eine solche Forderungsausbuchung, die eine Bilanzkürzung darstellt, ist, dass das Unternehmen den Bestand und die Mängelfreiheit der Forderungen garantiert.
- Inhouse-Factoring: Debitoren werden meist nicht vom Verkauf informiert (stilles Factoring). Die Debitorenbuchhaltung und das Mahn- und Inkassowesen werden weiterhin vom Unternehmen treuhänderisch durchgeführt
- Full Factoring: Übernahme auch der Debitorenbuchhaltung, des Mahn- und Inkassowesens und des Zahlungsausfallsrisikos durch die Factorbank. Forderungen können nur an den Factor mit schuldbefreiender Wirkung bezahlt werden.
- Exportfactoring mit Exportgarantie der Österreichischen Kontrollbank (OeKB): Dabei werden die Exportforderung an die Hausbank verkauft. Exporteur bzw. Hausbank sind nunmehr für die Eintreibung der Kreditforderung verantwortlich. Die Absicherung des Ausfallsrisikos kann bis zu 100 Prozent durch OeKB erfolgen.

Bilanzneutrales Leasing wird künftig erschwert

Leasing zur Bilanzverkürzung zu verwenden, wird in Zukunft schwieriger. Das Hauptziel des neuen IFRS ist die bilanzneutrale Abbildung von Leasingverhältnissen. Daher entfällt künftig die Unterscheidung in „Operate” und „Finance Lease”. Stattdessen werden für sämtliche Leasingverhältnisse ein Nutzungsrecht und die entsprechende Verbindlichkeit erfasst. Das Nutzungsrecht ist als Teil des Anlagevermögens oder als separater Bilanzposten auszuweisen und linear über die Laufzeit des Vertrags abzuschreiben. Eine Ausnahme besteht lediglich für Leasingverträge mit einer Gesamtlaufzeit von maximal zwölf Monaten und Verträge von geringem Wert.

Ausgliederung von Firmenvermögen

Die Ausgliederung oder Abspaltung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten in eine (Tochter)Gesellschaft kann die Bilanz ebenfalls verschlanken.

Saldierung von Pensionsrückstellungen durch eine Versicherungen

Ein Unternehmen, das mit Mitarbeitern eine Pensionsvereinbarung abgeschlossen hat, muss dafür eine Rückstellung bilden. Zur Deckung der Pensionsverpflichtung wird eine Rückdeckungsversicherung abgeschlossen, die im Finanzanlagevermögen ausgewiesen wird und unter bestimmten Voraussetzungen mit der Pensionsrückstellung saldiert werden kann.

Schulden an Unternehmen und Finanzbehörden zurückzahlen

Auflösung von aufrechenbaren Forderungen und Verbindlichkeiten etwa gegenüber verbundenen Unternehmen und Finanzbehörden verschlanken die Bilanz ebenso.

Eine weitere Möglichkeit der Bilanzverkürzung: Das offene Absetzen von erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen von einzelnen Posten der Vorräte.

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