Zins- und Dividenden-Steuern: So holen Sie sich Geld zuück

Zins- und Dividenden-Steuern: So holen Sie sich Geld zuück

Auf Dividendenerträge gelten international unterschiedliche Steuersätze. Zu viel bezahlte Steuern können zurückgefordert werden.

Anleger zahlen auf im Ausland ausgeschüttete Dividenden oft saftige Steuern. Zusätzlich sind Dividenden-Erträge in Österreich auch noch KESt-pflichtig. Wie Sie bei Dividendenausschüttungen im Ausland Geld zurückfordern können.

Österreichische Privatanleger sind oft unfreiwillig großzügig. Sie verschenken Jahr für Jahr Geld – vor allem der Finanz, selbst im Ausland. Der Fall tritt ein, sobald sie in ausländische Wertpapiere wie Aktien und Anleihen investieren. Wenn aus diesen Investments Ausschüttungen fällig werden, so werden diese in Form von Zinsen oder Dividenden ausbezahlt.

Doch die Anleger erhalten dabei jedoch nicht direkt die Bruttoausschüttung auf ihr Konto, denn sowohl die Finanzverwaltung in dem Quellstaat als auch der österreichische Fiskus machen Steueransprüche geltend. Dabei handelt es sich um die im Ausland fällige sogenannte Quellensteuer und die Kapitalertragssteuer (KESt) im Inland.

Hintergrund: Österreichische Privatanleger mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Österreich unterliegen mit all seinen in- und ausländischen Einkommen der Besteuerung in Österreich. “Das ist selbst dann der Fall, wenn Dividendenzahlungen bereits im Ausland einer Besteuerung unterzogen wurden“, erklärt Elisabeth Günther, Steuerexpertin der Schoellerbank.

Die Folge: Anleger erhalten nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Ausschüttungsbetrages. „Doch Anleger können sich in einigen Ländern einen nicht unwesentlichen Teil der ausländischen Quellensteuern rückerstatten lassen“, rät Günther. Die steuerliche Basis dafür bilden Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und anderen Staaten.

Eine Quellensteuer bezeichnet die Einhebung der Ertragssteuer. Nur der Nettobetrag wird vom Schuldner an den Gläubiger in einem anderen Land überwiesen. Die aktuelle Liste der österreichischen Doppelbesteuerungsabkommen ist auf der Homepage des Finanzministeriums zu finden. Im Schnitt liegt der anzurechnende Höchstsatz der Quellensteuer zwischen 10 und 15 Prozent. Österreichische Anleger können sich daher einen diesen Wert übersteigenden Quellensteuersatz von der ausländischen Behörde zurückholen.


Beispiel Schweiz

1. Quellensteuer

Dividendenausschüttungen von Schweizer Aktiengesellschaften werden in der Schweiz mit einer Quellensteuer von 35 Prozent besteuert. Von einer angenommenen Ausschüttung von 1.000 Franken kommen somit nur 650 Franken im Depot eines Österreichers an.

2. KESt

In Österreich werden Dividendenerträge wieder mit der Kapitalertragssteuer (KESt) besteuert, wobei der österreichischen Fiskus als Bemessungsgrundlage wiederum die Bruttodividende, also den ursprünglich ausgeschütteten Betrag von 1.000 Franken heranzieht. Der Steuersatz dafür liegt bei 27,5 Prozent, was in dem Beispiel einer Besteuerung von 275 Franken entspricht.

Von den ursprünglich ausgeschütteten 1.000 Franken bleiben einem Österreicher daher lediglich 375 Franken übrig - sofern im Zuge eines Steuer-Rückerstattungsbegehrens auf Basis des Doppelbesteuerungsabkommens keine entsprechenden Schritte eingeleitet werden.


Steuer-Rückerstattung

Eine Steuer-Rückerstattung kann nun in zwei Schritten erfolgen und die Steuerlast, die im obigen Beispiel bei 62,5 Prozent liegen würde, deutlich reduzieren. Und zwar auf den in Österreich geltenden KESt-Steuersatz von 27,5 Prozent.

1. Kapitalertragssteuer

Gemäß dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und der Schweiz sind 15 Prozent der 35-prozentigen Schweizer Quellensteuer auf die österreichische Kapitalertragsteuerschuld anzurechnen. Somit wird die österreichische Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent auf 12,5 Prozent reduziert. Somit ergibt sich für den Anleger auf Basis des Doppelbesteuerungsabkommens eine Nettodividende von 525 Franken statt 375 Franken. Die Differenz kann in Österreich zurückgefordert werden.

2. Quellensteuer

In einem zweiten Schritt kann man als Österreicher auf Basis der hohen Quellensteuer vom Schweizer Fiskus Geld zurückfordern und so die Steuern auf den Dividendenertrag weiter reduzieren.

Im obigen Rechenbeispiel liegt der Steuersatz nach der Rückforderung im Zuge des Doppelbesteuerungsabkommens immer noch bei 47,5 Prozent. Als Österreicher muss man auf Dividendenerträge jedoch nur 27,5 Prozent Kapitalertragssteuer leisten. Die zu viel bezahlte Steuer - immerhin 20 Prozent oder 200 Franken - kann man sich von der Schweizer Finanzbehörde rückerstatten lassen.

Die fällige Steuerleistung reduziert sich somit von ursprünglich 625 Franken auf 275 Franken. Der in Österreich steuerpflichtige Anleger muss nicht mehr Kapitalertragsteuer zahlen, wie wenn er an einer österreichischen Aktiengesellschaft beteiligt wäre und daraus eine Dividendenzahlung erhalten hätte.

Länder mit hohen Rückerstattungsätzen

Es gibt noch zahlreiche andere Länder, bei denen sich die Rückerstattung der Quellensteuer lohnt. Das sind beispielsweise Tschechien mit 25 Prozent, Finnland, Schweden, Schweiz und Portugal mit 20 Prozent. Frankreich refundiert ausländischen Staatsbürgern, ebenfalls auf Verlangen, 15 Prozent, Belgien und Dänemark 12 Prozent, gefolgt von Deutschland 11,375 Prozent oder Italien 11 Prozent.

Als Anleger muss man jedoch selbst die Initiative ergreifen und die Steuerrückzahlung aktiv einfordern. Andernfalls werden zu den laut österreichischer KESt zu leistenden 27,5 Prozent noch die Quellsteuersätze der jeweiligen Staaten aufgeschlagen. Inhaber tschechischer Aktien hätten demzufolge bei einer Dividendenausschüttung eine Gesamtsteuerbelastung von 52,5 Prozent zu tragen.


Wie die Rückerstattung funktioniert

1. Quellensteuer

Für den Fall, dass die im Ausland einbehaltene ausländische Quellensteuer höher als der im jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen festgelegte Höchststeuersatz ist (üblicherweise 10 oder 15 Prozent), kann die Rückerstattung der Steuer im Ausland beantragt werden.

Die dazu erforderlichen Formulare findet man auf der Homepage der obersten Finanzbehörde des jeweiligen Landes. Zusätzlich muss noch die unbeschränkte Steuerpflicht in Österreich durch das Finanzamt bestätigt werden.

2. Anleger-Bestätigung

Manche Länder bestehen auf Beilage von Bestätigungen mit denen nachgewiesen wird, dass der Privatanleger zum Zeitpunkt der Dividendenausschüttung die Aktie tatsächlich besessen hat. Das ist etwa in der Schweiz und Deutschland der Fall.

Eine solche Bestätigung ist allerdings in der Regel kostenpflichtig. In Deutschland werden dafür etwa pro Aktienposition zwischen 35 und 40 Euro verrechnet.

Mit dem Rückerstattungsantrag müssen zudem einige Formulare ausgefüllt werden, gegebenenfalls müssen weitere geforderte Bestätigungen beigebracht werden. Dieser Aufwand rentiert sich in den meisten Fällen erst bei einer zurückzufordernden Quellensteuer ab 150 Euro.

3. Antrag einbringen

Anleger können den Antrag für die Rückerstattung der Quellensteuer problemlos selbst erledigen. Die für einzelne Länder notwendigen Bestätigungen kann man von seiner Bank anfordern. Die Rückerstattung muss zudem nicht einzeln pro Kalenderjahr erfolgen, sondern kann gebündelt in den vorgeschriebenen Beantragungszeiträumen eingebracht werden: In Frankreich sind das beispielsweise zwei Jahre, in der Schweiz drei Jahre und in Deutschland vier Jahre.

Die Rückerstattung der zu viel bezahlten Quellensteuer kann dann allerdings durchaus eine Weile dauern. Laut Schoellerbank-Expertin Günther je nach Staat zwischen sechs und 24 Monate.


Bürokratische Hürden

Frankreich und Italien

In manchen Ländern wird eine Quellensteuer-Rückerstattung jedoch öfters zu einem unüberwindbaren bürokratischen Hindernis. Besonders schwierig ist es in Frankreich und Italien. Dort kann die Einreichung nur über einen im Land ansässigen Intermediär erfolgen. Diese Länder können daher nur über ein Rückerstattungsservice der österreichischen Depotbank adressiert werden.

Für den Privatanleger besteht auch die Möglichkeit, die Rückforderung an seinen Steuerberater auszulagern. Zusätzlich zu den administrativen Kosten sind in diesem Fall noch die Kosten für den Fachexperten mit einzurechnen. Bestenfalls ist der Privatanleger Kunde einer Bank, die dies für ihn erledigt. Aufgrund des hohen Aufwands wird das allerdings nur von wenigen Banken angeboten. Die Schoellerbank zählt zu den ausgesuchten Instituten, die diese Dienstleistung in Österreich anbieten.

Tipp: Auswahl von Wertpapieren

Aus steuerlicher Sicht - und aus Sicht des potenziellen Ertrags - sollte man daher vor einem Investment in Aktien oder Anleihen die Höhe der ausländischen Quellensteuersätze gleich einkalkulieren. Schließlich haben diese direkte Auswirkungen auf die persönliche Rendite nach Steuern.

Aktien der USA, Großbritannien, Hongkong oder Russland werden niedrig besteuert. Werden beispielsweise US-Aktien erworben, so ist die in den USA einbehaltene Quellensteuer für den österreichischen Privatanleger mit 15 Prozent genauso hoch wie der maximale Anrechnungsbetrag gemäß Doppelbesteuerungsabkommen.

Für Anleger in US-Aktien bedeutet das, dass Dividenden auch ohne das aufwendige Rückerstattungsprozedere nicht höher besteuert werden wird als mit den in Österreich geltenden 27,5 Prozent KESt. Das gilt auch für Dividendenzahlungen von Aktien, die in Länder wie Großbritannien, Luxemburg, Niederlande, Hongkong, Japan und Russland notieren

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