Zins- und Dividenden-Steuern: So verschenken Sie kein Geld

Zins- und Dividenden-Steuern: So verschenken Sie kein Geld

Die Schweiz und viele andere Länder kassieren viel Geld von Dividendenerträgen ein, wenn man es nicht aktiv zurückfordert. Erträge in zweistelliger Höhe sind so rasch dahin.

Österreicher zahlen als Anleger im Ausland häufig saftige Steuern auf Dividenden. Wer etwa Aktien aus der Schweiz besitzt, zahlt sonst auf deren Dividenden bis zu 45 Prozent Steuern zahlen, wenn er nicht um Rückerstattung ansucht. In Österreich wird dann auch noch die KESt darauf geschlagen. Wie Sie von anderen Staaten zu viel bezahltes Geld zurückfordern können.

Österreichische Privatanleger sind oft unfreiwillig großzügig. Sie verschenken Jahr für Jahr Geld – vor allem der Finanz, selbst in fremden Ländern. Geld das ihnen eigentlich zustünde, ihnen aber so ihre Nettorendite in manchen Ländern erheblich schmälert.

Diese Gefahr besteht, sobald österreichische Privatanleger in ausländische Wertpapiere wie Aktien und Anleihen investieren. Werden aufgrund dieser Investments Ausschüttungen fällig, werden diese in Form von Zinsen oder Dividenden ausbezahlt. Doch die Anleger erhalten nicht direkt die Bruttoausschüttung auf ihr Konto, denn sowohl die ausländische Finanzverwaltung an der Quelle (Quellensteuer), als auch der österreichische Fiskus machen Steueransprüche geltend. Der Anleger erhält deshalb nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Ausschüttungsbetrages. „Doch Anleger können sich in einigen Ländern einen nicht unwesentlichen Teil der ausländischen Quellensteuern rückerstatten lassen können“ erklärt Elisabeth Günther, Steuerexpertin der Schoellerbank. Doppelbesteuerungsabkommen sei Dank.

Wie viel Quellensteuer sich Anleger zurückholen können

Eine Quellensteuer bezeichnet die Einhebung der Ertragsteuer. Nur der Nettobetrag wird vom Schuldner an den Gläubiger in einem anderen Land überwiesen. Die aktuelle Liste der österreichischen Doppelbesteuerungsabkommen ist auf der Homepage des Finanzministeriums zu finden. Im Schnitt liegt der anzurechnende Höchstsatz der Quellensteuer zwischen 10 und 15 Prozent. Österreichische Anleger können sich daher einen diesen Wert übersteigenden Quellensteuersatz von der ausländischen Behörde zurückholen.

920 Euro Dividende: Schweizer Fiskus nimmt 320 Euro davon

Wer Schweizer Aktien besitzt, tritt die Quellensteuer besonders hart. Von 1.000 Franken Dividende kommen nach Abzug der Schweizer Quellensteuer von 35 Prozent nur noch 650 Franken (600 Euro) im Depot eines Österreichers an.
Ein österreichischer Privatanleger, der seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich hat, unterliegt mit all seinen in- und ausländischen Einkommen der Besteuerung in Österreich. Steuerexpertin Günther: “Das ist selbst dann der Fall, wenn etwa Dividendenzahlungen aus der Schweiz bereits im Ausland einer Besteuerung unterzogen wurden.“

Austro-Fiskus nimmt wieder Bruttodividende als Bemessungsgrundlage: Bei 1.000 Euro gehen weitere 300 Euro an den Staat

Damit hat in dem angeführten Beispiel neben der Schweiz auch Österreich einen Rechtsanspruch an der Besteuerung der Dividendenzahlung hat. Für den österreichischen Fiskus ist jedoch nicht die Bemessungsgrundlage der Betrag, um die die Schweizer die Rendite schon geschmälert haben, sondern diese ist wieder 1.000 Euro. Demnach behält der Austro-Fiskus von der Bruttorendite weitere 27,5 Prozent KESt also knapp 300 Euro ein.

Von 920 Euro Dividende bleiben Anleger 345 Euro, bei Doppelbesteuerungsabkommen bleibt etwas mehr

Für den Anleger bleibt so nur eine Nettodividende von 345 Euro anstelle der ursprünglichen Bruttodividende von 1.000 Franken bzw. 920 Euro. Vor diesen hohen Steuern schützt allerdings das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und der Schweiz: Demnach sind 15 Prozent der 35prozentigen Schweizer Quellensteuer auf die österreichische Kapitalertragsteuerschuld anzurechnen. Somit wird die österreichische Kapitalertragsteuer in Höhe von 27,5 Prozent auf 12,5 Prozent reduziert. Für den Anleger ergibt das eine Nettodividende von 480 Euro. Trotzdem hat der Anleger in Summe noch zu viel Steuern auf seinen Dividendenertrag bezahlt.

20 Prozent oder 180 Euro von den Schweizern retour

Statt der in Österreich üblichen 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer, macht das insgesamt 47,5 Prozent. In diesem Fall können sich Anleger aber 20 Prozent der ausländischen Quellensteuer von der Schweizer Finanzbehörde rückerstatten lassen. Zusammengerechnet zahlt der in Österreich steuerpflichtige Anleger somit nicht mehr an Kapitalertragsteuer, als wenn er sich an einer österreichischen Aktiengesellschaft beteiligt und daraus eine Dividendenzahlung erhält. Das (Höchst-)Maß aller Dinge sind folglich insgesamt die 27,5% an österreichischer Kapitalertragsteuer. „Fordert man das Geld nicht zurück, würde man dem eidgenössischen Fiskus bei diesem Beispiel 200 Franken (180 Euro) schenken.

Länder mit hohen Rückerstattungsätzen - sofern man selbst aktiv wird

Es gibt noch zahlreiche andere Länder, bei denen sich die Rückerstattung der Quellensteuer auszahlt. Das sind beispielsweise Tschechien mit 25 Prozent, Finnland, Schweden, Schweiz und Portugal mit 20 Prozent. Frankreich refundiert ausländischen Staatsbürgern, ebenfalls auf Verlangen, 15 Prozent, Belgien und Dänemark 12 Prozent, gefolgt von Deutschland 11,375 Prozent oder Italien 11 Prozent. Falls die zu viel bezahlte ausländische Quellensteuer aus diesen Ländern nicht rückgefordert wird, kommen schlimmstenfalls − zu den üblichen 27,5% − noch steuerliche Aufschläge bis zu maximal 25 Prozent hinzu. Eine Gesamtsteuerbelastung von 52,5 Prozent wäre die Folge.

Wie die Rückerstattung funktioniert

Für den Fall, dass die im Ausland einbehaltene ausländische Quellensteuer höher ist, als der im jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen festgelegte Höchststeuersatz (üblicherweise 10 oder 15 Prozent), kann im Ausland die Rückerstattung der Steuer beantragt werden. Die dazu erforderlichen Formulare findet man auf der Homepage der obersten Finanzbehörde des jeweiligen Landes. Zusätzlich muss noch die unbeschränkte Steuerpflicht in Österreich durch das Finanzamt bestätigt werden.

Bestätigung, dass man die Aktien besitzt: Ab welchem Betrag sich das rentiert

Manche Länder bestehen auf Beilage von Bestätigungen mit denen nachgewiesen wird, dass der Privatanleger zum Zeitpunkt der Dividendenausschüttung die Aktie tatsächlich besessen hat. Das ist etwa in der Schweiz und Deutschland der Fall. In Deutschland kostet das pro Aktienposition zwischen 35 und 40 Euro. Tatsächlich müssen einige Formulare beim Rückerstattungsantrag ausgefüllt und auch geforderte Bestätigungen beigebracht werden. Dieser Aufwand rentiert sich in den meisten Fällen erst bei einer zurückzufordernden Quellensteuer ab 150 Euro pro Land.
Die wichtigsten Länder für die Rückerstattung einbehaltener Quellensteuern bei Dividendenausschüttungen sind Deutschland, Schweiz und Frankreich. Schoellerbank-Expertin Günther: „Bei diesen Staaten erfolgt die Rückerstattung zu viel bezahlter Quellensteuer je nach Staat zwischen 6 und 24 Monate.

Gleich für mehrere Jahre auf einmal einreichen

Anleger können als Steuerpflichtige den Antrag problemlos selbst erledigen. „Die für einzelne Länder notwendigen Bestätigungen der Lagerstelle, kann man von seiner Bank anfordern“, so Günther. Die Rückerstattung muss zudem nicht einzeln pro Kalenderjahr erfolgen, sondern kann gebündelt in den vorgeschriebenen Beantragungszeiträumen eingebracht werden: In Frankreich sind das beispielsweise zwei Jahre, in der Schweiz drei Jahre und in Deutschland vier Jahre.

Frankreich und Italien mit Hürden für den Steuerzahler

Für manche Länder stellt sich Rückerstattung jedoch als ein unüberwindbares bürokratisches Hindernis heraus, insbesondere in Frankreich und Italien. Hier kann die Einreichung nur über einen im Land ansässigen Intermediär erfolgen. Diese beiden Länder können daher nur über ein Rückerstattungsservice der österreichischen Depotbank adressiert werden.

Für den Privatanleger besteht auch die Möglichkeit, die Rückforderung an seinen Steuerberater auszulagern. Zusätzlich zu den administrativen Kosten sind in diesem Fall noch jene des Fachexperten mit einzuberechnen. Bestenfalls ist der Privatanleger Kunde einer Bank, die dies für ihn erledigt. Dieses Service wird aber aufgrund des hohen Aufwands nur selten angeboten. Die Schoellerbank zählt zu jenen, die diese Dienstleisung anbietet.

Worauf man bei der Auswahl von Wertpapieren aus steuerlicher Sicht achten sollte

Bei der Auswahl von Aktien und Anleihen sollte man die Höhe der ausländischen Quellensteuersätze gleich mit einkalkulieren. Denn dieser hat direkte Auswirkungen auf die persönliche Rendite nach Steuern. Aktien der USA, Großbritannien, Hongkong oder Russland werden niedrig besteuert. Werden beispielsweise US-Aktien erworben, so ist die in den USA einbehaltene Quellensteuer für den österreichischen Privatanleger mit 15 Prozent genauso hoch wie der maximale Anrechnungsbetrag gemäß Doppelbesteuerungsabkommen. Das bedeutet für den Anleger, dass die Dividende auch ohne Rückerstattungsprozedere nicht höher besteuert werden wird als die in Österreich üblichen 27,5 Prozent. Dasselbe gilt auch für Dividendenzahlungen von Aktien, die in Länder wie Großbritannien, Luxemburg, Niederlande, Hongkong, Japan und Russland notieren

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