Landwirt werden – so geht's

Jedes Jahr stehen viele junge Leute vor der Wahl, den Landwirtschaftsbetrieb ihrer Familie zu übernehmen und selbst Landwirt zu werden. Es gibt aber auch einige, die einen neuen Agrarbetrieb eröffnen möchten. Grundlegende Informationen rund um den Beruf des Landwirts gibt es in diesem Beitrag.

Ein Farmer im Kornfeld.

Ein Farmer im Kornfeld.

Rund ein Drittel der Landesfläche Österreichs wird für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Familiengeführt sind etwa 90 Prozent der rund 162.000 land- und forstwirtschaftlichen Betriebe. Wer selbst mit dem Gedanken spielt, Bauer oder Bäuerin zu werden, sollte sich gut informieren, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

WELCHE VORAUSSETZUNG SOLLTEN ANGEHENDE LANDWIRTE MITBRINGEN?

In Österreich ist keine formelle Qualifikation nötig, um Bäuerin oder Bauer zu werden. Um einen landwirtschaftlichen Betrieb erfolgreich führen zu können, ist jedoch praktische Erfahrung unerlässlich. Aus diesem Grund sollten angehende Landwirte in bestehenden Agrarbetrieben Praxiserfahrung sammeln, bevor sie einen eigenen Betrieb gründen oder einen Familienbetrieb übernehmen.

Wer als Landwirt erfolgreich sein möchte, braucht viel Motivation und Lösungsorientierung, aber auch Risiko- und Leistungsbereitschaft. Schließlich hängt neben der Zukunft des Betriebs auch die eigene Existenz am Erfolg des Vorhabens.

SO KÖNNEN SICH ANGEHENDE LANDWIRTE VORBEREITEN

Auch wenn Landwirte keinen Qualifikationsnachweis erbringen müssen, gibt es dennoch Weiterbildungsmöglichkeiten in dem Beruf. Die Land- und forstwirtschaftliche Lehrlings- und Fachausbildungsstelle (LFA) bietet insgesamt 15 Lehrberufe im land- und forstwirtschaftlichen Bereich an. Regulär dauert die Ausbildung drei Jahre. Wer möchte, kann zudem eine Facharbeiter- und danach eine Meisterausbildung belegen.

Darüber hinaus gibt es in Österreich 96 land- und forstwirtschaftliche Fachschulen, die zu den berufsbildenden mittleren Schulen gehören. Je nach Fachrichtung dauert die Ausbildung dort zwei bis vier Jahre. Bei vielen dieser Schulen ist eine Ausbildung im zweiten Bildungsweg möglich. Voraussetzung ist dann oft eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Auch in der Universität können sich junge Landwirte auf ihren Beruf vorbereiten. Für Gründer sind die Bachelorstudiengänge Agrarwissenschaft und Forstwissenschaft der Universität für Bodenkultur in Wien sehr hilfreich. Zudem gibt es dort vertiefende Masterstudiengänge wie Nutzpflanzen- und Nutztierwissenschaften, Önologie und Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Weiterbildungen bereiten auf den Arbeitsalltag als Landwirt vor.

Weiterbildungen bereiten auf den Arbeitsalltag als Landwirt vor.

Interessenten können im Bereich der Erwachsenenbildung auch Kurse am ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) belegen. Diese decken sämtliches Wissen rund um die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebs ab. Zudem gibt es dort modular gestaltete Lehrgänge mit einer Dauer von mindestens 80 Stunden, unter anderem zu den Themen Hofübergabe, Hofübernahme und das Betriebskonzept.

BAUERNHOF FINDEN – DARAUF IST ZU ACHTEN

Wer einen Landwirtschaftsbetrieb gründen möchte, braucht ausreichend Agrarfläche. Dazu zählt Grünland, Ackerland, Weinberge und Obstwiesen. In Österreich sind diese Flächen mit rund 25.000 Euro pro Hektar sehr teuer im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Allerdings sind die Preise regional unterschiedlich: In den Gebieten rund um Großstädte wie Wien, Salzburg und Linz sind Agrarflächen mit 6,50 Euro pro Quadratmeter besonders kostspielig. In der Steiermark sind landwirtschaftliche Flächen schon 30-70 Prozent günstiger. Die günstigsten Preise gibt es in Kärnten, im Burgenland und in Niederösterreich.

Angehende Landwirte sollten sich in Anzeigeportalen einen guten Überblick verschaffen, bevor sie sich für ein Stück Land entscheiden. Zudem kann in einigen Bundesländern der Kauf und Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen bewilligungspflichtig sein. Damit möchten die Grundverkehrskommissionen sicherstellen, dass diese Flächen nicht als Feriendomizile oder als brachliegendes Spekulationsgut verwendet werden.

Nicht immer ist es nötig, Agrarflächen zu kaufen. Je nach Vorhaben reicht oft auch eine Pacht aus – beispielsweise, wenn ein Bauer seinen Betrieb möglichst günstig erweitern will. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Vor- und Nachteile des Acker- oder Grünlandkaufs:

+ Investitionen lohnen sich bei Eigentum eher als bei Pacht
+ Unabhängigkeit
+ Geldanlage und Arbeitsplatz in einem

– Viel Startkapital nötig
– Unflexibel

Vor- und Nachteile der Pacht:

+ Pachtbetrag ist leichter aufzutreiben
+ Flexibilität: Flächen dazu pachten oder Pachtvertrag nicht mehr verlängern

– Abhängigkeit vom Verpächter, er kann Pachtverlängerung ausschlagen
– Pachterhöhungen möglich
– Nicht alle Investitionen lohnen sich innerhalb des Pachtzeitraums

Entscheiden sich angehende Landwirte nicht für die Pacht, sondern für Eigentum, sollten sie die Bodenqualität, Ansprüche Dritter und etwaige Nutzungsverbote vor dem Kauf überprüfen. Die Investition in landwirtschaftliche Flächen bietet mit ein bis zwei Prozent Rendite zwar keinen hohen Gewinn, ist aber eine sichere Anlage.

ANZEIGEPFLICHTEN EINES LANDWIRTS

Wer sich für den Kauf oder die Pacht eines landwirtschaftlichen Betriebs entscheidet, muss dies innerhalb von einem Monat bei der Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen anmelden. Ab einem Einheitswert von 150 Euro sind Landwirte in der bäuerlichen Unfallversicherung pflichtversichert. Ab einem Einheitswert von 1.500 Euro ist auch die bäuerliche Pensions- und Krankenversicherung Pflicht. Beim Einheitswert handelt es sich um eine für die Steuer errechnete Ertragsfähigkeit des Betriebs.

Eine Gewerbeanmeldung ist für die Aufnahme eines land- oder forstwirtschaftlichen Betriebs nicht nötig. Unter bestimmten Voraussetzungen ist jedoch die Beantragung einer LFBIS-Betriebsnummer nötig. Landwirte können sie bei der Statistik Austria, bei der zuständigen Bezirkskammer für Land- und Forstwirtschaft oder auf der Website des Veterinärinformationssystems (VIS) beantragen. Voraussetzung für eine LFBIS-Betriebsnummer ist, dass eine land- oder forstwirtschaftliche Tätigkeit stattfindet oder Dienstleistungen für die Land- oder Forstwirtschaft erbracht werden.

Viehzucht in den Bergen.

Viehzucht in den Bergen.

Landwirte müssen die Haltung von Nutztieren ebenfalls melden sowie die Tiere kennzeichnen. Je nach Tierart ist eine andere Stelle zuständig:

  • Rinder: Zentrale Rinderdatenbank AMA
  • Schweine, Ziegen und Schafe: Betreiber des Veterinärinformationssystems
  • Pferde, Farmwild, Kaninchen, Geflügel, Kamele und Bienen: Zuständige Bezirksverwaltungsbehörde
  • Fische: Zuständige Bezirkshauptmannschaft

FARMER BRAUCHEN DURCHHALTEVERMÖGEN

Wer Landwirt werden will, braucht viel Durchhaltevermögen – nicht nur, um den Betrieb aufzubauen, sondern auch, um ihn am Laufen zu halten. Das ist ein tagesfüllender Job und körperlich schwere Arbeit. Aus diesem Grund ist viel Energie und eine gesunde Portion Idealismus gefragt.

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