Jobsuche: Worauf es bei einer Bewerbung wirklich ankommt

Jobsuche: Worauf es bei einer Bewerbung wirklich ankommt

Ernüchterung für Digital Natives: Laut einer aktuellen Umfrage unter österreichischen HR-Verantwortlichen haben Social Media-Profile wenig Einfluss auf die Personalentscheidung bei einer Bewerbung. Viel mehr sind es die klassischen Faktoren, die eine große Rolle spielen.

Die in vielen Branchen vergleichsweise ruhige Sommerzeit bietet eine gute Gelegenheit, um in sich zu kehren und über die nächsten Karriereschritte nachzudenken. Doch worauf kommt es dabei wirklich an? Der Personaldienstleister Robert Half hat für seine aktuelle Arbeitsmarktstudie 100 österreichischen HR-Managern genau diese Frage gestellt - mit dem Ergebnis, dass die wichtigsten Einstellungskriterien der persönliche Eindruck im Jobinterview (für 35 Prozent der Befragten) und der Lebenslauf (für 31 Prozent der Befragten) sind. Auch Kompetenztests gehören zu den Top-3-Kriterien, die HR-Manager mit einem Mittelwert von 2,97 auf einer Skala von 1 (größter Einfluss) bis 6 (geringster Einfluss) bewerten.

Ernüchternd für Digital Natives dürfte indes sein, dass das Social Media Profil (5,27 Punkte) von allen Kriterien den geringsten Einfluss auf die Personalentscheidung hat. Auch Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk (4,57) spielen laut Eigenangabe der HR-Verantwortlichen keine große Rolle. „Die Bewerbung 2.0, also per Social-Media-Profil, ist deutlich weniger relevant als der Lebenslauf und der persönliche Eindruck beim Bewerbungsgespräch", sagt Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half. Dennoch, so der Experte, sollte das Social Media-Profil seriös und inhaltlich stimmig mit dem Lebenslauf sein: Es zahlt sich auf jeden Fall aus, Zeit in die Optimierung von Lebenslauf und Web-Auftritt, sowie in die Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch zu investieren. "Gute Qualifikationen alleine reichen nicht aus, um Personalverantwortliche zu überzeugen", sagt Hennige: "Bewerber müssen ihre Kompetenz auch professionell präsentieren.“

Tipps für den perfekten Lebenslauf

Wer seinen Lebenslauf aktualisiert, der sollte seine Social Media-Profile also gleich mit bearbeiten. Einige Tipps für den Lebenslauf, wie die Vermeidung von Tippfehlern oder ehrliche Angaben, gelten auch für die digitale Visitenkarte, lautet der Rat der Experten - wichtig ist, dass sich der Lebenslauf und Angaben auf Netzwerken wie Xing oder LinkedIn nicht widersprechen. Und auch wenn man sich gerade nicht bewirbt, sollten Neuerungen auf den soeben genannten Business-Netzwerken stets eingetragen werden.

Abschließend noch ein paar generelle Tipps für die optimale Gestaltung eines Lebenslaufs:

1. Länge

Ein Lebenslauf sollte sich maximal auf zwei Seiten erstrecken. Halten Sie Ausbildungsabschnitte und Qualifikationen, die für den Job irrelevant sind, kurz. Streichen Sie auch Angaben wie den Familienstand oder die Nationalität – diese sind im Lebenslauf nicht notwendig.

2. Zeitliche Lücken

Haben Sie im Lebenslauf Zeitabschnitte ausgelassen, weil sie keinen Bezug zur Karriere haben? Vermeiden Sie Spekulationen, die möglicherweise gegen Sie sprechen, und schließen Sie die Lücken wahrheitsgemäß – sei es mit der sechsmonatigen Weltreise zwischen zwei Jobs oder der mehrjährigen Elternzeit.

3. Sorgfalt

Der Lebenslauf sollte keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler aufweisen. Nutzen Sie die Autokorrekturfunktion in Word, um Tippfehler zu verbessern. Bitten Sie nach der Überarbeitung des Lebenslaufs einen Freund oder Bekannten, ihn auf Fehler zu prüfen.

4. Layout

Besticht Ihr jetziger Lebenslauf durch ein extravagantes Design mit eigenen Logos oder vielen Farben? Verabschieden Sie sich davon und halten Sie das Layout schlicht. Es soll den Lebenslauf unterstützen und nicht vom Inhalt ablenken. Eine einheitliche Schriftart und -größe sowie ein stringenter Aufbau machen hingegen einen ordentlichen Eindruck.

Überprüfen Sie auch die Gliederung Ihres Lebenslaufes. Ordnen Sie ihn gegebenenfalls in thematische Blöcke wie Berufserfahrung und Ausbildung. Es gilt, die Erfahrungen beginnend mit der aktuellen Angabe aufzulisten und relevante Aufgabengebiete in wenigen Worten zu beschreiben. Damit die Formatierung des Lebenslaufs beim Versand nicht verschoben wird, sollten Sie das Dokument nach der Überarbeitung in ein PDF umwandeln.

5. Ehrlichkeit

Überprüfen Sie die angegebenen Qualifikationen in Ihrem Lebenslauf. Haben Sie etwa eingerostete Französischkenntnisse aus der Schulzeit noch als konversationssicher angegeben? Passen Sie das Sprachniveau in dem Fall lieber auf „Grundkenntnisse“ an. Im Vorstellungsgespräch oder später im Job kann diese kleine Lüge schnell ans Tageslicht kommen. Seien Sie insgesamt ehrlich und löschen Sie die Qualifikationen, über die Sie nicht mehr oder nur wenig verfügen.

6. Foto

Ein Bewerbungsfoto ist keine Pflicht, in Österreich jedoch nach wie vor üblich. Daher empfiehlt es sich, ein Foto im Lebenslauf aufzunehmen, um einen ersten persönlichen Eindruck zu hinterlassen. Wenn Ihr derzeitiges Bewerbungsfoto schon etwas in die Jahre gekommen ist, sollten Sie gegebenenfalls ein neues Foto machen lassen. Bei Bewerbungen in den USA und in Großbritannien sind Bewerbungsfotos hingegen unüblich.

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Markus Albers ist Autor, Berater und Unternehmer in Berlin.

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