Frauen als Bürgen kaum vom Privatkonkurs betroffen

Frauen als Bürgen sollen angeblich stärker vom Privatkonkurs betroffen sein als Männer. Stimmt nicht - heißt es beim KSV. Die geplante Reform zum Privatkonkurs würde künftig auch großteils Konsumschuldnern nützen.

Frauen als Bürgen kaum vom Privatkonkurs betroffen

Wien. Der KSV ist nicht zufrieden mit der Reform des Privatkonkurses. Und stemmt sich vor allem gegen Behauptungen, die nicht stimmen.

"Im Zuge der geplanten Reform des Privatkonkurses treiben die Argumente der Befürworter Blüten", meint der KSV in einer Aussendung. So werde immer wieder behauptet, dass Frauen besonders von Pleiten betroffen sind, weil sie Bürgschaften ihrere Mäner übernehmen und auf den Schulden sitzen bleiben. "Stimmt nicht", heißt es beim Kreditschutzverband von 1870.

Von den 8011 Privatkonkursen des Jahres 2016 waren laut KSV1870-Analyse nur 225 Frauen insolvent (rund 2,8 Prozent), weil sie Haftungsübernahmen unterzeichnet hatten. Wie viele letztendlich aufgrund familiärer Bande Bürgschaften übernommen haben, wurde laut KSV1870 nicht erhoben.

„Leider haben die Befürworter der Reform den Boden der Fakten bereits seit längerem verlassen", meint KSV1870-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner: Auf Seiten der Gläubigerschützer würde man "anscheinend krampfhaft" danach suchen, "Opfer des Privatkonkurses zu stilisieren, um dieses Debakel für Gläubiger und Wirtschaft in irgendeiner Form zu rechtfertigen."

Die Kritik von KSV-Insolvenexperte Kantner zielt daruaf ab, dass ursprünglich nur von ehemaligen Unternehmern die Rede. "Inzwischen versucht man, im Windschatten alle möglichen Schuldner mitsegeln zu lassen und zieht als Begründung Rand- und Einzelfälle heran.“

Verdiente Chance

Der KSV1870 spricht sich dafür aus, dass ehemals Selbstständigen, die einmal redlich gescheitert sind, die Entschuldung erleichtert werden soll. "Sie haben aufgrund ihres Risikos und der Verantwortung, die sie auf sich genommen haben, das Recht auf eine zweite Chance", so Kantner.

Dass damit der Großteil jener, die sich leichtsinnig verschuldet haben, ebenfalls auf Kosten der Allgemeinheit aus dem Löwenanteil ihrer Verpflichtungen entlassen werden sollen, sei weder wirtschaftlich, noch moralisch zu rechtfertigen.

„Es ist niemandem gedient, wenn man aus Einzelfällen Opfer kreiert, um eine Vorgangsweise zu rechtfertigen, die Bürger und Bürgerinnen aus der Verantwortung für ihr Tun befreien soll – und all jene, die verantwortungsvoll wirtschaften zur unfreiwilligen Solidargemeinschaft abstempelt", meint KSV1870-Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral. Er verweist auf das bereits vor Wochen vorgelegte "Fairnesskonzept" des KSV. Die würde allen berechtigten Bedürfnissen Rechnung tragen. KSV-Chef Vybiral hofft "nach wie vor, dass Sachlichkeit und Vernunft wieder die Oberhand gewinnen".

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