Das Unternehmen "Filzmaier" - Geschäftsmodell Politik

Das Unternehmen "Filzmaier" - Geschäftsmodell Politik

Er kennt sich nicht nur in der Politik, sondern auch im Business bestens aus: Peter Filzmaier hat mit Analysen, Studien und Seminaren Millionen verdient. Sein neuestes Projekt ist bereits am Start.

Eigentlich hätte das ein einigermaßen beschaulicher Sommer für Peter Filzmaier werden können. Landtagswahlen in Vorarlberg im Oktober und sonst weit und breit nichts. Unter der mallorquinischen Sonne, wo der Politberater eine Finca besitzt, hätte er an ein paar wissenschaftlichen Publikationen feilen wollen.

Doch dann kam die Ibiza-Affäre und machte Filzmaier einen Strich durch die Rechnung. Neuwahlen Ende September bedeuten für den TV-Politerklärer der Nation Dauerstress, und das wahrscheinlich den ganzen Sommer hindurch. "Eine kleine Chance auf Urlaub besteht im Juli. Da kann es sein, dass ich ein paar Tage in der Sonne sitze, aber dann vermutlich mit dem Laptop vor mir", glaubt der Politologe. Die Bewertung der "Sommergespräche" im ORF geht nahtlos über in die Nachbesprechung der Kandidatendiskussionen, gefolgt von der Nationalratswahl und deren Analyse.

Aber auch sonst scheint das Business des 51-Jährigen nicht schlecht zu laufen. Mehr als 5,3 Millionen Euro Bilanzgewinn wies Filzmaiers pf-plus forschung gmbh, die Dachgesellschaft all seiner Firmen, im vergangenen Jahr aus. Durchgerechnet auf das Jahr ergibt das einen stattlichen Jahresgewinn von mehr als 400.000 Euro. "Wir hatten nur gute oder sehr gute Jahre. Die Frage lautet alljährlich: Ist der Umsatz sechs- oder siebenstellig?", freut sich der Politikprofessor. Was für ein Kleinunternehmen, das durchschnittlich rund fünf Leute, in Hoch-Zeiten bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigt, schon recht beeindruckend ist. Nachsatz: "Und wir sind stolz, dass wir damit auch Geld verdienen."

Von Wegen brotlos

Denn damit hat Filzmaier viele Skeptiker eines Besseren belehrt, nicht zuletzt seine Mutter, die früher im oberen Management der Bank Austria tätig war und es viel lieber gesehen hätte, wenn ihr Sohn statt der vermeintlich brotlosen Politikwissenschaft Betriebswirtschaft studiert hätte. Doch schon bald zeigte sich: Filzmaier hat den nötigen Zug zum Tor und, wie er selbst meint, natürlich auch das nötige Glück, um erfolgreich zu sein.

Mit knapp 34 Jahren durfte sich der gebürtige Wiener bereits "Professor für Politikwissenschaft" nennen. Professuren an einigen Universitäten folgten, ehe Filzmaier 2006 an der Donau-Universität in Krems als Leiter des Departments Politische Kommunikation engagiert wurde. Dort ist der Professor mit dem charakteristischen Profil, das an den Comichelden Fred Clever von "Clever & Smart" erinnert, noch heute, wenn auch nur rund 15 Stunden pro Woche, tätig.

Sein ehemaliger Chef, Ex-Rektor Helmut Kramer, erinnert sich: "Filzmaier war unglaublich fleißig, präzise und verlässlich." Wenn es galt, Fragebögen in spätestens 14 Tagen ausgefüllt an das Rektorat zurückzuschicken, dann kam jener von Filzmaier immer als erster, meist schon nach einem Tag, zurück.

PR-Mann Wolfgang Rosam, mit dem Filzmaier im Jahr 2009 gemeinsam mit anderen Experten wie Dietmar Ecker oder Sophie Karmasin die sogenannte "Leading Advisors Group" gegründet hat, unterstreicht diesen Eindruck: "Er ist extrem geschäftstüchtig, ein richtiger Unternehmer."

Diese Geschäftstüchtigkeit war es wohl auch, die das Projekt Leading Advisors recht rasch hat scheitern lassen. Filzmaier: "Als Alleingesellschafter ist der ausgeschüttete Gewinn rechnerisch naturgemäß höher als bei vielen Gesellschaftern." Weshalb der Herr Professor 2011 seine Gesellschafter aus dem Institut für Strategieanalyse rauskaufte und seither dort sein eigenes Ding macht. Angewandte Politikforschung plus Medienverständnis lautet das Geschäftsmodell. "Was wir nicht machen, ist klassische Meinungsforschung und auch nicht klassische Kommunikationsberatung. Davon gibt es bereits genug am Markt", meint Filzmaier.

Zu seinen Kunden zählen überwiegend Unternehmen, die mit öffentlichen Gütern zu tun haben, wie die Rewe-Gruppe und Adeg, für die Filzmaiers Institut kürzlich erhob, wie viel Selbstständige die Dorfbewohner in ihrem Dorf sehen wollen. Zum Kundenstock gehören weiters Wohnbauträger, Versicherungsunternehmen und Krankenanstalten.

Politikberater Thomas Hofer fischt großteils im selben Teich wie sein älterer Kollege Filzmaier, ist dennoch voll des Lobes: "Er ist unglaublich diszipliniert und penibel. Er kann sich, anders als ich, stundenlang in Tabellen hineintigern." Als direkte Konkurrenz empfindet er ihn nicht, schließlich, so Hofer, ist genug Arbeit für beide da.

Der ORF-Multiplikator

Einer der großen Glücksfälle im Leben von Peter Filzmaier war sicherlich, dass ORF-Mann Armin Wolf, damals Redaktionsleiter der "ZIB 3", 1998 in einem seiner Seminare landete. Und ihn wenig später zu einem Polit-Talk zum Impeachment-Verfahren des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in das ORF-Studio auf den Küniglberg einlud. "Sie dachten scheinbar: Wenn der Wahlanalyse über Ereignisse in den USA machen kann, dann trauen wir ihm das auch in Österreich zu", meint Filzmaier, der niemals ein Medien-oder Sprachtraining absolvierte.

So kam es, dass der Herr Professor seit rund 20 Jahren nahezu wöchentlich, in Wahlzeiten eben öfter, den Österreichern aus dem Fernsehen heraus die Welt erklärt. Sehr oft in Doppelconférence mit Armin Wolf. Was Herbert Prohaska und Rainer Pariasek für die Fußballinteressierten, sind Peter Filzmaier und Armin Wolf inzwischen für die Polit-Community. Durchaus auch mit Wuchtelfaktor. "Ein Kartenhaus ist im Vergleich zum Team Stronach so stabil wie ein Betonbunker", meinte Filzmaier etwa einmal.

"Was Filzmaier macht, ist einzigartig in Europa: Niemand kann minutenlang, ohne Luft zu holen, so gescheit reden", sagt PR-Mann Rosam, der ihn als "Hugo Portisch der heutigen Zeit" bezeichnet.

Diese Eloquenz lässt sich der ORF angeblich auch einiges kosten. Von bis zu 200.000 Euro jährlich wird gemunkelt, was Filzmaier für seine Gage als zu hoch zurückweist. Allerdings muss Filzmaier dafür auch seit zehn Jahren - nach öffentlich ausgetragener Kritik - exklusiv für den ORF tätig sein, sprich: die Beratung von Parteien oder Politikern ist für sein Institut ausgeschlossen, um jeglichen Anschein von Voreingenommenheit zu vermeiden. "Allerdings", so Filzmaier, "kann man sein Meinungsbild natürlich nicht ganz an der Garderobe abgeben." Auch Freundschaften mit ehemaligen Studienkollegen und späteren Politikern wie Alfred Gusenbauer, Susanne Riess oder Othmar Karas müssen im kleinen Österreich - Exklusivität hin oder her - weiter möglich sein.

Die Zuschauer scheinen den Politprofessor mit der nasalen Stimme jedenfalls zu mögen. Angeblich drehen deutlich mehr Zuschauer ihren Fernseher bei der Analyse der "Sommergespräche" mit Peter Filzmaier auf als bei den "Sommergesprächen" selbst.

Diese Beliebtheit trug dem Politguru heuer sogar eine Nominierung für die Romy ein. "Als Wissenschaftler habe ich mit Personenkult so meine Probleme, aber die Romy-Nominierung hat mich schon gefreut. Aber wenn andere 400.000 Follower auf Twitter haben, fällt die Wahlanalyse nicht schwer", konstatiert Filzmaier schmunzelnd. Er selbst konsumiert Social Media lediglich passiv. In Sachen Medien ist der Herr Professor doch lieber oldschool und analysiert seit 2015 regelmäßig das politische Geschehen für die "Kronen Zeitung". Angeblich winken ihm daraus auch rund 100.000 Euro im Jahr.

Für seine Zukunft hat der geschäftstüchtige Filzmaier auch schon vorgesorgt. Sollte ihn die Politikanalyse in Österreich irgendwann einmal nicht mehr freuen und der ORF seine Dienste nicht mehr so oft benötigen, zieht es ihn in heißere Gefilde. BrainRun heißt Filzmaiers jüngstes geschäftliches Standbein, über das er bereits jetzt internationale Seminare in Mallorca anbietet. Dieses Standbein will der Berater aber in Bälde ausbauen, schließlich ist auch seine Tochter wahrscheinlich bald aus dem Haus. Und wer Peter Filzmaier kennt, der weiß, dass auch BrainRun mit ziemlicher Sicherheit ein wirtschaftlicher Erfolg werden wird.


Zur Person

Peter Filzmaier , 52, ist Professor für politische Kommunikation an der Donau-Uni Krems. Daneben betreibt er mehrere Firmen, u. a. pf-plus forschung. Filzmaier ist als politischer Analytiker für den ORF und die "Kronen Zeitung" im Einsatz. Der Wiener ist verheiratet und hat eine Tochter.



Osram CEO Olaf Berlien (li) macht ams-CEO Alexander Everke den Weg frei. Nun sind die Aktionäre am Wort.

Wirtschaft

Übernahme: ams ist mit Angebot für Osram erfolgreich

Wirtschaft

Nach OeNB-Personalaffäre - Holzmann verliert Personalagenden

Bank Austria Vorstandschef Robert Zadrazil muss mit einigen hunderet Mitarbeitern weniger auskommen.

Wirtschaft

UniCredit-Umbau kostet der Bank Austria rund 500 Jobs

Wo die Finanzmarktaufsicht 2020 die Regeln verschärfen will

Geld

Wo die Finanzmarktaufsicht 2020 die Regeln verschärfen will