Wie die Übergabe gelingt

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HOCHKARÄTIG. Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten Jürgen Mandl, Präsident der Rechtsanwaltskammer für Kärnten Bernhard Fink, Moderatorin und trend-Redakteurin Paula-Marie Pucker, Präsidentin der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen Kärntens Ingrid Gritschacher und Präsident der Notariatskammer für Kärnten Werner Stein (v. l.) diskutierten im Klagenfurter Lakeside Park.

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Tausende Kärntner Betriebe suchen in den nächsten Jahren Nachfolger:innen. Wie Übergaben bestmöglich gestaltet werden können und welche Chancen sich dadurch ergeben, war Thema bei einem Round Table in Klagenfurt.

Die Kärntner Wirtschaft steht vor einem nie dagewesenen Generationenwechsel. Rund 7.000 Betriebe suchen in den kommenden Jahren Nachfolger:innen. Der demografische Wandel verschärft die Suche nach geeigneten Kandidat:innen. Das ist nicht nur eine herausfordernde Situation für die betroffenen Unternehmer:innen, sondern auch für den Wirtschaftsstandort, wie der Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten, Jürgen Mandl, bei einem Round Table in Klagenfurt betont. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Rechtsanwaltskammer Kärnten, Bernhard Fink, der Präsidentin der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen Kärntens, Ingrid Gritschacher, und dem Präsidenten der Notariatskammer Kärnten, Werner Stein, diskutierte Mandl über das Potenzial, das sich aus diesem herausfordernden Generationenwechsel ergibt, und worauf es bei einer gelungenen Betriebsübergabe ankommt.

FRÜH GENUG. Den größten Fehler, den Unternehmer:innen begehen, ist, zu spät an die Nachfolge zu denken (siehe Interviews auf den kommenden Seiten). Wer glaube, die Nachfolge in ein paar Monaten gut abwickeln zu können, irre, betont Notar Stein. Gleich, ob innerhalb der Familie oder an externe Personen übergeben wird, der Prozess ist komplex und hochemotional. „Es wird nicht nur ein Unternehmen übergeben, sondern das Lebenswerk“, meint Rechtsanwalt Fink. Sich externe Beratung zu suchen, ist daher unabdingbar. Potenzielle Konflikte können dadurch vorab geklärt werden, so die beiden Experten. „Bei Übergaben wird oft zu wenig kommuniziert und die Erwartungen von Übergebenden und Übernehmenden nicht offengelegt. Das birgt ein großes Konfliktpotenzial“, weiß Stein aus der Praxis.

Steuerexpertin Gritschacher empfiehlt, bereits rund zehn Jahre vor dem Ruhestand die Nachfolgefrage zu stellen. Denn im Idealfall gibt es eine Übergangsphase, in der Übergeber:in und Übernehmer:in gleichzeitig im Betrieb sind.

In Fällen, in denen die Übergabe keine Option ist und der Verkauf des Unternehmens angestrebt wird, sollte ebenfalls frühzeitig mit der Planung gestartet werden. „Verkaufen unter Druck ist der schlechteste Ausgang“, resümiert WKOPräsident Mandl.

Da Übergaben innerhalb der Familie immer seltener geworden sind, gehe es zukünftig auch darum, junge Menschen von den Vorteilen, die die Übernahme eines bestehenden Betriebs mit sich bringen könnte, zu überzeugen. Die vier Präsident:innen treten daher regelmäßig in Kärntner Bezirken und auch in Schulen auf, um junge Menschen für das Unternehmertum und für die Möglichkeit einer Betriebsübernahme zu gewinnen. „Wir wollen jungen Menschen zeigen, wie toll es ist, mutig voranzuschreiten. Wir zeigen neue Zukunftsbilder auf“, erklärt Gritschacher.

Damit das gelingt, ist aber auch ein politischer Wandel notwendig, darin ist sich das Präsidenten-Quartett einig. Der Abbau von Regularien und Bürokratie ist dabei nur ein Baustein. Es gehe auch darum, das Unternehmertum wieder positiver zu bewerten. „Selbstständig tätig zu sein, ist etwas Tolles. Als Unternehmer übernimmt man auch Verantwortung für die Gesellschaft. Das gehört geschätzt“, sagt WKO-Präsident Mandl.

Trotz der herausfordernden Weichenstellung, vor der die Kärntner Wirtschaft steht, sind die vier Präsident:innen sicher, dass der Generationenwechsel gelingen kann. Fachkundige Beratung in notariellen, steuerlichen, wirtschaftlichen und juristischen Fragen sei allerdings dafür das Um und Auf.

„Je später, desto weniger Gestaltungsspielraum bleibt"

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Ingrid Gritschacher ist seit 2025 Präsidentin der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen Kärntens. Sie ist Geschäftsführerin der Schurian & Gritschacher Steuerberatung Unternehmensberatung

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Warum Unternehmer:innen bereits mit Mitte 50 beginnen sollten, den Generationenwechsel vorzubereiten, erklärt Ingrid Gritschacher, Präsidentin der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen Kärntens.

TREND: Österreich und auch Kärnten stehen vor einer Welle an Unternehmensübergaben. Wie groß ist die Herausforderung?

INGRID GRITSCHACHER: Sehr groß. Wir erleben einen Generationenwechsel, wie es ihn in dieser Form lange nicht gegeben hat. Viele Unternehmer:innen der Babyboomer-Generation wollen in den kommenden Jahren übergeben. Aber Unternehmensnachfolgen dürfen nicht als Problem gesehen werden, sondern als Chance.

Wie verändert der Generationenwechsel den Markt für Unternehmensübergaben? Es gibt demografisch bedingt weniger potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger. Deshalb wird die Suche oft schwieriger. Hinzu kommt, dass jüngere Generationen oft anders denken. Sie sind internationaler und sehen die Unternehmensgründung auf der grünen Wiese als echte Alternative. Deshalb treffen bei Übergaben häufig unterschiedliche Vorstellungen aufeinander.

Was braucht es, damit diese Übergaben gelingen? Vor allem Zeit. Die erfolgreichsten Übergaben beginnen nicht ein oder zwei Jahre vor dem Ausstieg. Wer früh beginnt, kann die Beteiligungsstruktur überdenken, Vermögen ordnen, Finanzierungslösungen vorbereiten und familiäre Fragen klären. Je später man beginnt, desto weniger Gestaltungsspielraum bleibt.

In welchem Alter sollten Unternehmer:innen beginnen, sich damit zu beschäftigen? Ab 55, weil ab diesem Zeitpunkt das Zukunftsbild konkret werden sollte. Natürlich geht es nicht um eine magische Zahl. Aber wer sein Unternehmen langfristig erfolgreich weiterführen möchte, sollte gleichzeitig darüber nachdenken, wie die eigene Nachfolge aussehen kann. Das klingt zunächst widersprüchlich: Man plant die Zukunft des Unternehmens und den eigenen Rückzug zugleich. Genau das macht erfolgreiche Nachfolge aber aus. Eine gute Unternehmensübergabe funktioniert wie ein Staffellauf. Der Staffelstab wird nicht im Stehen übergeben, sondern während beide Läufer in Bewegung sind. Dadurch bleibt das Tempo erhalten, Wissen wird weitergegeben und Vertrauen aufgebaut. Danach läuft der Nachfolger alleine weiter.

Warum sind Zukunftsbilder wichtig? Weil Nachfolge mehr ist als eine rechtliche oder steuerliche Frage. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich vorstellen können, wie das Unternehmen ohne sie aussehen soll. Und sie müssen sich vorstellen können, wie ihr eigenes Leben danach aussieht. Viele beschäftigen sich intensiv mit der Zukunft ihres Betriebs, aber kaum mit der eigenen.

Welche steuerlichen Komponenten sind bei einer Betriebsübergabe besonders wichtig? Steuerliche Fragen sind gewichtig, aber nicht die einzigen Punkte, die es zu beachten gilt. Themen wie Unternehmensbewertung, Pflichtteilsrecht, Vermögensstruktur, Umgründungen, Finanzierung oder Pensionsplanung greifen ineinander. Deshalb braucht es auch keinen einzelnen Experten oder keine einzelne Expertin, die alles lösen können. Es braucht ein Team aus Steuerberater:innen, Jurist:innen, Notar:innen und Finanzierungsexpert:innen.

Was braucht Österreich angesichts der vielen Unternehmensübergaben, die in den kommenden Jahren anstehen? Vor allem konstruktive Lösungen. Unternehmensnachfolge ist ein zentraler Baustein für den Wirtschaftsstandort. Es geht darum, funktionierende Betriebe, Arbeitsplätze und unternehmerisches Know-how zu erhalten. Dafür braucht es sinnvolle Rahmenbedingungen, ausreichend Beratung und die Bereitschaft aller Beteiligten, frühzeitig zu handeln. Nur so gelingt der Generationenwechsel. Wenn wir es schaffen, früher über Betriebsnachfolgen zu sprechen und sie als normalen Teil des Unternehmerlebens zu verstehen, dann wird Österreich von diesem Generationenwechsel profitieren.

„Übergaben sind ein Impuls für den Wirtschaftsstandort"

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Jürgen Mandl ist seit 2014 Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten. Seit 1997 ist er geschäftsführender Gesellschafter der Otto Mandl GmbH.

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Wirtschaftskammer-Kärnten-Präsident Jürgen Mandl über fehlende Rahmenbedingungen bei Betriebsübergaben und warum erfolgreiche Nachfolgen für den Wirtschaftsstandort entscheidend sind.

TREND: Warum ist das Thema Betriebsnachfolge für Kärnten so essenziell? Und welche Folgen hätte eine sinkende Zahl erfolgreicher Unternehmensübergaben?

JÜRGEN MANDL: In Kärnten könnten in den kommenden Jahren bis zu 7.000 Unternehmensübergaben anstehen. Die meisten dieser Unternehmen sind wirtschaftlich gesund, bilden Fachkräfte aus und schaffen Wertschöpfung vor Ort. Sie prägen letztlich auch die Attraktivität des Standorts. Menschen ziehen dorthin, wo es Arbeitsplätze, Entwicklungsmöglichkeiten und eine lebendige Wirtschaft gibt. Gehen diese Betriebe verloren, wären die Konsequenzen weitreichend. Letztlich geht es auch um die Frage, wie wir Wohlstand sichern können.

Welche politischen Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht besonders dringend? Erstens müssen wir wieder stärker ermöglichen statt verhindern. Viele Betriebe stehen vor Investitionen, Modernisierungen und damit neuen Auflagen. Hier braucht es mehr Flexibilität und praxisnahe Übergangsfristen. Zweitens müssen wir die Finanzierung breiter denken. Unternehmensnachfolge wird künftig nicht mehr ausschließlich über klassische Bankkredite funktionieren. Das setzt voraus, privates Kapital stärker zu mobilisieren und neue Finanzierungsformen zu ermöglichen.

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden? Gerade in Branchen wie dem Tourismus oder dem Gewerbe kommen oft mehrere Herausforderungen zusammen. Da geht es um Investitionsbedarf, um regulatorische Anforderungen und um die Frage, wie ein Betrieb für die nächste Generation zukunftsfit gemacht werden kann. Je höher die Einstiegshürden, desto schwieriger wird es, Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden.

Warum ist die Übergabefrage derzeit so aktuell? Früher war oft selbstverständlich, dass ein Familienmitglied übernimmt. Heute ist das nicht mehr so. Junge Menschen haben mehr Möglichkeiten, sind mobiler und treffen ihre Entscheidungen anders als frühere Generationen. Das ist völlig legitim. Gleichzeitig bedeutet es, dass wir stärker darüber nachdenken müssen, wie wir Menschen für die Übernahme bestehender Unternehmen gewinnen können.

Was kann getan werden, um mehr Menschen für Unternehmensübernahmen zu begeistern? Wir müssen deutlich sichtbarer machen, welche Chancen in eingeführten Betrieben stecken. Kärnten verfügt über viele erfolgreiche Unternehmen mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, guten Produkten und starken Marktpositionen. Wer ein bestehendes Unternehmen übernimmt, startet nicht bei null, sondern baut auf etwas auf, das bereits seit Jahren, oft Jahrzehnten, funktioniert. Diese Perspektive müssen wir stärker kommunizieren.

Inwieweit ist eine höhere Wertschätzung für Unternehmertum wichtig? Das ist unabdingbar. Wir vergessen manchmal, wo Wohlstand entsteht. Ohne Unternehmen gibt es keine Arbeitsplätze, keine Wertschöpfung und letztlich auch keine Steuerleistung. Dieses Bewusstsein könnte in öffentlichen Debatten stärker vorhanden sein. Wir tun uns in Österreich manchmal schwer damit, wirtschaftlichen Erfolg positiv zu sehen. Dabei ist es etwas Positives, ein Unternehmen aufzubauen oder zu übernehmen, Risiken einzugehen, Arbeitsplätze zu schaffen und mit seinem Betrieb Erfolge zu feiern. Das sollte man auch so sagen dürfen.

Sind Sie trotz der Herausforderungen optimistisch? Auf alle Fälle. Kärnten hat eine sehr vielfältige Unternehmenslandschaft und viele engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer. Wenn es gelingt, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und Nachfolge als Chance zu vermitteln, dann können die anstehenden Übergaben ein wichtiger Impuls für den Wirtschaftsstandort werden.

„Der Übergabevertrag ist keine Formsache"

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Bernhard Fink ist seit 2024 Präsident der Kärntner Rechtsanwaltskammer und führt Fink+Partner Rechtsanwälte mit Standorten in Klagenfurt und in Villach.

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Ein guter Übergabevertrag ist weit mehr als eine Formalie, meint Bernhard Fink, Präsident der Rechtsanwaltskammer für Kärnten. Welche juristischen Konflikte sich durch frühzeitige Planung vermeiden lassen.

TREND: Aufgrund welcher Faktoren scheitern Unternehmensübergaben aus juristischer Sicht am häufigsten?

BERNHARD FINK: Scheitern ist vielleicht das falsche Wort. Die meisten Übergaben gelingen. Aber Probleme entstehen oft dort, wo Risiken nicht ausreichend bedacht wurden. Viele konzentrieren sich auf den Kaufpreis oder auf die steuerliche Gestaltung und übersehen andere Aspekte: Haftungsfragen, familienrechtliche Konstellationen, arbeitsrechtliche Themen oder geistiges Eigentum wie Marken- und Patentrechte.

Welche arbeitsrechtlichen Themen sind das konkret? Da geht es etwa um bestehende Arbeitsverträge, Werkverträge, Homeoffice-Regelungen oder Konkurrenzvereinbarungen. Bei einer Übergabe muss genau geprüft werden, welche Verpflichtungen übernommen werden und welche Rechte bestehen. Das klingt unspektakulär, kann aber später erhebliche Auswirkungen haben.

Welche Rolle spielen immaterielle Vermögenswerte? Eine sehr große. Markenrechte, Patente oder andere Schutzrechte sind oft ein wesentlicher Teil des Unternehmenswerts. Trotzdem werden sie in der Praxis manchmal nicht mit der nötigen Sorgfalt geprüft. Gerade bei innovativen Unternehmen kann das problematisch werden. Die Komplexität der rechtlichen Ausgestaltung der Betriebsübergabe wird oft unterschätzt. Eine Unternehmensübergabe besteht nicht nur aus der Unterschrift unter einem Vertrag. Den Übergabevertrag als Formsache zu ­sehen, ist ein großer Fehler.

Warum? Der Übergabevertrag ist das zentrale Instrument, um spätere Konflikte zu vermeiden. Darin müssen Haftungsfragen geregelt werden, Gewährleistungsansprüche, die Kaufpreiszahlung und deren Absicherung. Auch die Finanzierung spielt eine Rolle. Wird der Kaufpreis gestundet oder ist er erfolgsabhängig? Gibt es Fremdfinanzierungen? Das alles gehört sauber geregelt. Viele Dinge, die im Gespräch selbstverständlich erscheinen, müssen rechtlich festgehalten werden. Wer sich auf mündliche Absprachen verlässt, schafft Unsicherheit und im schlimmsten Fall die Grundlage für spätere Streitigkeiten.

Worauf gilt es, besonders zu achten? Ich empfehle immer, bereits im Vertrag Mechanismen für mögliche Streitfälle vorzusehen. Das beginnt bei der Frage, welches Gericht zuständig ist, und reicht bis zu Mediations- oder Schlichtungsverfahren. Die beste Streitigkeit ist jene, die gar nicht erst entsteht.

Sind externe Betriebsnachfolgen juristisch komplizierter als Übergaben innerhalb der Familie? Nicht unbedingt. Die Aufgabe des Anwalts ist immer dieselbe: alle relevanten Aspekte zu berücksichtigen und sauber im Vertrag abzubilden. Der Unterschied ist eher, dass familiäre Übergaben oft stärker von persönlichen Erwartungen geprägt sind, während bei externen Nachfolgen vieles von Anfang an schriftlich festgehalten wird. Entscheidend ist in beiden Fällen, dass man sich nicht auf mündliche Vereinbarungen verlässt.

Gibt es aus juristischer Sicht die ideale Form der Übergabe? Nein. Jede Unternehmensnachfolge ist anders. In manchen Fällen wird das Unternehmen als Ganzes übertragen, in anderen Fällen werden Gesellschaftsanteile verkauft, und manchmal entstehen Mischformen. Die richtige Lösung hängt immer von den konkreten Umständen des Unternehmens und der beteiligten Personen ab. Deshalb gibt es keine Standardlösung, sondern nur individuelle Konzepte. Das ist durchaus komplex. Niemand sollte einen solchen Prozess alleine angehen, gerade weil Unternehmensübergaben viele unterschiedliche Rechtsbereiche berühren. Gute Berater und Beraterinnen zu konsultieren, ist daher das Um und Auf. Sie helfen nicht nur bei der Vertragsgestaltung aus juristischer Sicht, sondern auch dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und Konflikte damit zu vermeiden.

„In der Familie wird vieles als selbstverständlich angesehen"

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Werner Stein ist seit 2023 Präsident der Notariatskammer Kärnten. Er führt das Notariat Stein+Partner in Klagenfurt.

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Werner Stein, Präsident der Notariatskammer für Kärnten, erklärt, weshalb Übergaben in der Familie komplexer sein können als Verkäufe an Externe und welche Mediationsrolle Notar:innen dabei einnehmen können.

TREND: Gemeinhin gelten Betriebsübergaben innerhalb der Familie als die einfachste Form der Nachfolgeregelung. Teilen Sie diese Einschätzung?

WERNER STEIN: Nicht unbedingt. Tatsächlich können Familienübergaben sogar deutlich komplexer sein als externe Verkäufe. Bei einem Verkauf an Dritte sind die Rollen meist klar verteilt. Bei einer Übergabe innerhalb der Familie kommen zusätzliche Ebenen dazu.

Welche zum Beispiel? Beispielsweise übernimmt ein Kind den Betrieb, aber es gibt weitere Kinder. Dann stellt sich automatisch die Frage nach Gleichbehandlung, Vermögensaufteilung und späteren Ansprüchen. Das Unternehmen ist oft nur ein Teil des Familienvermögens. Die Beteiligten betrachten dieselbe Situation aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Für den Übergeber steht oft das Lebenswerk im Mittelpunkt, für den Nachfolger die Zukunft des Unternehmens, für andere Familienmitglieder vielleicht die Frage, wie Vermögen verteilt wird. Das sind völlig unterschiedliche Blickwinkel, die man zusammenbringen muss.

Zwischen welchen Beteiligten entstehen oft die meisten Konflikte? Oft nicht zwischen Übergeber und Übernehmer selbst, sondern im erweiterten Umfeld. Da gibt es Geschwister, Ehepartner, Schwiegerkinder oder andere Bezugspersonen. Jeder hat seine Sicht auf die Dinge. Deshalb sage ich oft: Bei einer Betriebsübergabe sitzen meist mehr Menschen am Tisch, als man auf den ersten Blick sieht.

Welche Rolle spielt dabei das Pflichtteilsrecht? Eine große Rolle, gerade in Situationen, in denen verschiedene Interessen, Erwartungen und Ansprüche aufeinanderprallen. Pflichtteilsansprüche müssen frühzeitig berücksichtigt werden. Wer diese Themen nicht offen anspricht und rechtlich sauber regelt, riskiert später Konflikte innerhalb der Familie.

Welche Fehler beobachten Sie besonders häufig bei Betriebsübergaben innerhalb der Familie? Dass innerhalb der Familie zu vieles als selbstverständlich angesehen wird. Man sagt dann: „Wir verstehen uns gut, wir brauchen das nicht extra festhalten.“ Genau dort entstehen später aber oft Missverständnisse. Nicht weil jemand böse Absichten hätte, sondern weil unterschiedliche Erwartungen nie ausgesprochen wurden.

Sind Unternehmer:innen, die Sie beraten, auf diese Fragen ausreichend vorbereitet? Das ist sehr unterschiedlich. Manche kommen mit klaren Vorstellungen und haben sich intensiv mit der Nachfolge beschäftigt. Andere wissen zwar, dass irgendwann eine Übergabe ansteht, haben sich aber noch nicht konkret mit den rechtlichen und familiären Konsequenzen auseinandergesetzt. Gerade dort sehen wir einen großen Informationsbedarf.

Was kann eine notarielle Begleitung in solchen Fällen leisten? Sie schafft Struktur. Der Notar muss die Interessen aller Beteiligten im Blick haben. Deshalb nehmen wir bei Betriebsübergaben oft eine Vermittlerrolle ein. Wir versuchen, herauszufinden, wo die unterschiedlichen Erwartungen liegen und wie man einen gemeinsamen Nenner findet. Viele Beteiligte sprechen über dieselben Themen, meinen aber unterschiedliche Dinge. Die Aufgabe von Beratern, Notaren oder anderen Experten besteht darin, diese Interessen sichtbar zu machen und daraus tragfähige Lösungen zu entwickeln. Das schafft Klarheit und verhindert spätere Konflikte.

Wann ist eine Unternehmensübergabe aus Ihrer Sicht gelungen? Wenn nicht nur die rechtlichen Fragen geklärt sind, sondern alle Beteiligten nachvollziehen können, warum eine bestimmte Lösung gewählt wurde. Akzeptanz entsteht nicht durch Unterschriften, sondern dadurch, dass Menschen das Gefühl haben, fair behandelt worden zu sein. Genau darum geht es letztlich bei einer erfolgreichen Nachfolge.

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