
Martin Waldhäusl, Taus-Schwiegersohn und CEO der MTH, kann aufatmen. Die Banken stehen weiterhin zu dem Konzern.
©Wolfgang WolakBei der einst von Josef Taus gegründeten MTH-Gruppe wurde eine Einigung mit den Gläubigerbanken erzielt. Die Abgabe von Anteilen an der gut gehenden Sparte Designa-Axess soll Geld ins Haus bringen.
Das Firmenkonglomerat des verstorbenen Unternehmers Josef Taus steht vor einschneidenden Entscheidungen. trend berichtete bereits, dass die Gläubigerbanken der in zunehmende Schwierigkeiten geratenen MTH (Management Trust Holding) auf ein tragfähiges Zukunftskonzept per Anfang dieses Jahres pochten, nachdem die Unternehmensgruppe als Problemfall eingestuft worden war.
Nun ist es so weit. Am 10. März finden außerordentliche Hauptversammlungen bei der MTH und der MTB Beteiligungen AG statt. Über Letztere hält Tochter Renate Waldhäusl-Taus zwei Drittel an der MTH. Ehemann und CEO Martin Waldhäusl besitzt knapp ein Drittel. Zur Beschlussfassung stehen eine Restrukturierungsvereinbarung und Pfandverträge mit den Banken. Die Papiere sind fertig verhandelt. Eigentümer und der Aufsichtsrat, dem der Linzer Wirtschaftsanwalt Gerhard Wildmoser vorsteht, werden die Pläne absegnen.
Die gute Nachricht: Nach intensiven Verhandlungen mit den Kreditgebern, denen seitens MTH ein konstruktives Vorgehen attestiert wird, steht fest: Die Taus-Gruppe bleibt – wenn auch in abgespeckter Form – bestehen. Die letzte hinterlegte Konzernbilanz per Ende Februar 2024 weist – bei einem Umsatz von 1,14 Milliarden Euro, der inzwischen deutlich gesunken ist – Gesamtverbindlichkeiten von 331 Millionen Euro aus.
Wermutstropfen
Um die Verschuldung zu reduzieren, sieht das getroffene Abkommen, und das ist der Wermutstropfen für die Taus-Erben, einen Rückzug aus der auf elektronische Zutrittssysteme spezialisierten Designa-Axess vor, dem „Profitcenter“ des Konzerns. Das Unternehmen Axess mit Sitz in Salzburg-Anif zählt vor allem Skigebiete zu seinen Kunden und ist Marktführer in den USA. Die deutsche Designa verdient überwiegend mit elektronischen Parklösungen Geld. Beide zusammen kommen derzeit auf rund 200 Millionen Umsatz. Der Wert des global tätigen und gut gehenden Betriebs wurde auf 250 bis 300 Millionen Euro taxiert.
In der Vereinbarung ist ein Verkauf „bis zu 100 Prozent“ formuliert. So sollen die knapp 100 Millionen Euro Schulden der Designa-Axess rückgeführt werden, außerdem die 65 Millionen, die bei den die MTH finanzierenden Banken aushaften, sowie ein Teil der 140 Millionen Euro an Krediten für die MTH Retail Group (u. a. Libro und Pagro).
Martin Waldhäusl betont allerdings, dass ein Komplettverkauf „weder vereinbart noch das Ziel ist“. Er spricht von Partnersuche. Ziel sei idealerweise der Einstieg eines Private-Equity-Fonds, „weil die MTH eingeschränkten Zugang zu Eigenkapital hat“. Was generell eines der Probleme der Gruppe ist. Der CEO bestätigt das Interesse der Kreditinstitute, dass möglichst viel Geld hereinkommt, man wolle jedoch an der Designa-Axess beteiligt bleiben.
Der für die Familie Waldhäusl-Taus in jedem Fall schmerzhafte Schritt soll die MTH nachhaltig stabilisieren. Die komplette Druckereisparte wurde schon im Herbst 2025 verkauft. Was bleibt, ist im Wesentlichen die MTH Retail Group. Dort haben Martin Waldhäusl und die für die Sanierung geholten Vorstände Thomas Tschol und Andreas Ludwig weitere -Hürden zu nehmen.
Käufer für Mäc Geiz gefunden
Ein wichtiger Schritt ist gerade gelungen. Wie trend exklusiv in Erfahrung bringen konnte, wird die MTH den deutschen Haushaltsdiskonter Mäc Geiz mit seinen 150 meist relativ kleinen Billigläden los. Der stellte angesichts von 15 Millionen Euro Verlust ein massives Problem dar. Der deutsche Mitbewerber Kodi, vor Kurzem noch selbst insolvent, übernimmt unter einem neuen türkischen Eigentümer demnächst die Mäc-Geiz-Kette. Das Closing des Deals soll unmittelbar nach den Hauptversammlungen erfolgen. Vom ebenfalls defizitären deutschen Non-Food-Diskonter Pfennigpfeiffer hat MTH Retail im Vorjahr die letzten von einst 245 Standorten an Tedi abgegeben.
Aber auch dem österreichischen Handelsgeschäft steht eine radikale Kur bevor. Die von Waldhäusl vor vier Monaten im trend als „Endziel“ bezeichnete Zusammenlegung der Ketten Libro und Pagro steht jetzt ganz offiziell in der Restrukturierungsstrategie als eine zentrale Maßnahme, die zur Umsetzung kommt, und das laut Waldhäusl jetzt beschleunigt.
Was das für die Zukunft der MTH-Marke Libro bedeutet und warum deren Aus jetzt noch schneller kommen könnte, lesen Sie in der vollständigen Geschichte in der trend-Ausgabe vom 6. März 2026.

