
Der Finanzmanager Nikolaj Schmolcke beschäftigt sich in seinem neuen Bilanzlese-Verstehbuch nicht nur mit Wirecard & Co., sondern macht im trend-Gespräch auch spannende Anmerkungen zu den Signa-Bilanzen.
Greift man irgendeine der Tausenden, oft nachgereichten Bilanzen aus dem Signa-Reich heraus, wird man schnell fündig. Beispiel: der Jahresabschluss 2021 der Tuchlauben Immobilien GmbH in Wien, dem „Goldenen Quartier“. Nachträglich wurde Mitte 2022, nachdem der Abschluss schon testiert war, die Auflösung einer Kapitalrücklage in Höhe von 35 Millionen Euro beschlossen. So wurde aus einem Verlust von 4,8 Millionen Euro ein Bilanzgewinn von 30,8 Millionen Euro, von denen 23,9 Millionen an die Gesellschafter ausgeschüttet worden.
Der Druck der Benko-Geldgeber auf Auszahlungen muss also schon groß gewesen sein. Denn 2021 gab das operative Geschäft längst nicht mehr solche üppige Dividenden her.
Obwohl in der Signa Prime Selection AG, der Großmutter der Tuchlauben GmbH, die kurzfristigen Verbindlichkeiten das kurzfristige Vermögen um knapp 1,4 Milliarden Euro überstiegen, wurden im Jahr 2021 fast 225 Millionen an die Gesellschafter ausgeschüttet. „Da muss eine alte Frau lange für stricken“, kommentiert mit Süffisanz der in Hamburg lebende Bilanzexperte Nikolaj Schmolcke.
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