Wie Kamila Makhmudová die RBI umbauen will

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Kamila Makhmudová
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Mit der gebürtigen Usbekin Kamila Makhmudová zieht eine international äußerst versierte und toughe Managerin in den Vorstand der Raiffeisen Bank International ein. Sie soll die Bank nach dem Russland-Debakel wieder mehr auf Wachstum trimmen.

Es ist ein sehr karges Büro, in dem Kamila Makhmudová im neunten Stock des Raiffeisen-Gebäudes am Stadtpark ihrer Arbeit nachgeht. Außer einem Schreibtisch und einem Besprechungstisch finden sich nur ein leerer Holzschrank, vermutlich aus den 80er-Jahren, und ein grellgrüner Ohrensessel in dem Raum hoch über Wien. Keine Bücher, keine Bilder an den Wänden, keine Fotos. Wenigstens kann sich der Blick aus dem Fenster sehen lassen: Hinter dem Stadtpark blitzt der Stephansdom hervor.

Die neue Finanzchefin der Raiffeisen Bank International (RBI) hat das Büro erst vor wenigen Wochen bezogen und hatte bislang kaum Zeit, sich um die Einrichtung zu kümmern. „Ich möchte das Zimmer minzgrün ausmalen lassen, und der Schrank gefällt mir nicht“, erzählt Makh­mudová in perfektem Englisch.

In den zehn Wochen, seit sie ihre Vorstandstätigkeit angetreten hat, hatte die 49-Jährige viel zu tun. „Die Lernkurve war immens steil“, sagt die neue Vorständin, die davor vier Jahre lang ebenfalls als Finanzchefin für Raiffeisen in Tschechien war. In dieser Zeit, so Makhmudová, habe sich in der Bank vor allem durch den Ukrainekrieg sehr viel verändert. Das für die Gruppe einmal sehr wichtige Russland-Geschäft wird in der Bilanz nun wie ein Fremdkörper geführt und bindet viele Mittel und Zeit. Da kann es auch nicht schaden, dass die gebürtige Usbekin in der Schule Russisch gelernt hat. Aber, so Makhmudová, Russland soll dennoch nicht im Zentrum ihrer Tätigkeit stehen: „Ein zentrales Element meiner Arbeit ist, wie sich die Gruppe abseits von Russland weiterbewegt.“ Bisherige Versuche, aus dem umstrittenen Russland-Geschäft auszusteigen, waren ja nicht von Erfolg gekrönt. Vielleicht gelingt mit der neuen polyglotten Finanzchefin, die in der Sowjetunion aufgewachsen ist und so gar nicht dem Bild eines typischen Raiffeisenbankers entspricht, die Wende doch noch.

Zwischen Weltbank und Wiener Raiffeisenturm

Als Makhmudová in Taschkent, weit südöstlich von Wien, geboren wurde, war Usbekistan noch Teil der Sowjetunion. Ihre Eltern, beide Filmemacher, lernten sich in Moskau kennen. „Als Kind bin ich mit ihnen viel gereist“, erzählt sie. Diese Reiselust klang auch nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht ab, weshalb Makhmudová nach ihrem Jusstudium für die Weltbank zu arbeiten begann. Es folgten Stationen in diversen anderen GUS-Staaten, in Serbien, am Balkan, im Mittleren Osten und in Afrika.

„Als mein Sohn zehn Jahre alt war, habe ich beschlossen, Geschäftsreisen etwas zu reduzieren“, erzählt die Managerin. Sie landete ausgerechnet in Wien, wo sie ein Postgraduate-Programm an der Wirtschaftsuniversität absolvierte. Ihr damaliger Professor, Deloitte-Partner Josef Schuch, war von der jungen Frau so angetan, dass er anbot, ihren Lebenslauf an einige Leute aus seinem Netzwerk zu schicken. Darunter auch an Herbert Stepic, den damaligen CEO der RBI. Für diesen stand das Thema Ostexpansion bekanntlich ganz oben auf der Agenda, auch der Schritt nach Usbekistan war für Raiffeisen im Bereich des Möglichen.

Da kam eine usbekische Juristin mit internationaler Erfahrung gerade recht. Stepic engagierte sie vom Fleck weg und nahm sie in sein M&A-Team. „Die Atmosphäre in der Bank war damals sehr aufregend. Kaum eine andere Bank war so international und so expansiv wie Raiffeisen“, erinnert sich die Finanzchefin heute an ihre Anfänge bei Raiffeisen. Stepic jedenfalls hütete die einzige Usbekin in der Bank damals „wie seinen Augapfel“, wie er Schuch später versicherte.

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Michael Höllerer

Der RBI-Chef in spe Michael Höllerer soll sich sehr für die Bestellung von Kamila Makhmudová starkgemacht haben und setzt große Hoffnungen in sie.

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Lobeshymnen von Kollegen

Für Makhmoudovás Fortkommen war das sicher kein Schaden. Jedenfalls begann sie, langsam die Karriereleiter hinaufzuklettern. 2018 wurde sie zur Leiterin der Strategieabteilung ernannt. Dort lernte sie auch Michael Höllerer, RBI-Chef in spe und damaliger Vorstand der Raiff­eisen Bank Polen, kennen. Gemeinsam stemmten sie damals den komplizierten Verkauf der Bank an die BNP Paribas. „Wir arbeiten gut als Team zusammen. Das gibt mir viel Zuversicht für unsere künftige Zusammenarbeit“, sagt die Managerin, die 2021 in den Vorstand der Raiffeisen in Tschechien berufen wurde.

Höllerer, der voll des Lobes für die neue Vorständin ist, sei auch die treibende Kraft hinter ihrer Bestellung gewesen, ist in der Bank zu hören. Aber auch die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, deren neuer Chef Reinhard Schwendtbauer sie in seiner Funktion als Aufsichtsrat in Tschechien kennengelernt hat, habe ihre Bestellung unterstützt. Konsequent, hochintelligent und vor allem sehr fleißig ist Makhmudová, erzählt man sich in der Bank. Dass sie bis spät in die Nacht hinein in ihrem kargen Büro anzutreffen ist, ist jedenfalls keine Seltenheit. Außerdem wird von manchem Raiffeisenbanker positiv hervorgehoben, dass sie durch ihre Internationalität frischen Wind in die Bank bringt.

Als Finanzvorständin ist sie mit rund 300 Mitarbeitern unter anderem für Rechnungslegung, Controlling, Steuerthemen und Treasury verantwortlich. Über die Jahre hat sich die alleinerziehende Mutter eines erwachsenen Sohnes den Ruf erworben, nicht nur besonders fleißig, sondern auch besonders tough zu sein. Das hat ihr in der Bank den wenig schmeichelhaften Beinamen „Kamila, the Killer“ eingetragen. Makhmudová selbst führt diesen auf ihre frühere Tätigkeit als M&A-Expertin zurück. „Wenn sich Projekte in eine falsche Richtung bewegen, war es mein Job, diese zu stoppen. Ich musste also manche Projekte ,killen‘.“ Dass sie tough ist, streitet die gebürtige Usbekin mit österreichischer Staatsbürgerschaft aber gar nicht ab: „Ich bin sehr direkt und suche nicht nach politisch korrekten Antworten. Das kann manchmal für das Gegenüber unbequem sein.“

Neue Strategie, hohe Erwartungen

Ganz oben auf der To-do-Liste des RBI-Vorstands, der mit Höllerer, Makh­mudová und dem ebenfalls neu bestellten Vorstand für große Unternehmenskunden Rainer Schnabl ab kommendem Sommer zur Hälfte neu ist, steht die Ausarbeitung einer „Strategie 2030“. Darüber will die Neovorständin nicht allzu viel verraten, aber: „Wir wollen jedenfalls in unserer Region über dem Markt wachsen.“ Dies soll nicht nur durch Zukäufe passieren, wie zuletzt in Rumänien, wo die RBI die BBVA-Tochter Garanti für 591 Millionen Euro erworben hat und damit zur Nummer drei im Markt aufsteigt, versichert die Bankerin.

Die Erwartungen an Makhmudová sind jedenfalls hoch: „Ich erhoffe mir von der neuen Finanzchefin eine neue Equity-Story für die Bank, dass sie die Profitabilität sicherstellt und alteingefahrene Bahnen hinterfragt“, meint ein hochrangiger Raiffeisen-Manager, der nicht genannt werden möchte. Speziell der letzte Punkt dürfte in einem traditionell geprägten Haus wie Raiffeisen wohl nicht allzu leicht werden.

Zur Person

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 3. April 2026 erschienen.

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