
Die österreichische Regierung setzt bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels auf neue Talentepools. Ein KI-Hackathon soll heimische Unternehmen und mexikanische Fachkräfte zusammenbringen.
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Die Bundesregierung sucht verstärkt nach neuen Fachkräften außerhalb Europas. Nach Brasilien, Indonesien und den Philippinen rückt nun Mexiko in den Fokus der österreichischen Fachkräftestrategie. „Österreich braucht internationale Talente, neue Märkte und starke Partnerschaften, wenn wir im globalen Wettbewerb bestehen wollen“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer bei einem Besuch von sechs Gewinner:innen eines österreichisch-mexikanischen KI-Hackathons in Wien. Gemeinsam mit der Austrian Business Agency (ABA) und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) präsentierte er Mexiko als neuen Schwerpunktmarkt für die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte.
Laut Margit Kreuzhuber, Head of Work bei der ABA, war das Ziel des 24-stündigen Hackathons, Aufmerksamkeit für Österreich als Arbeitsstandort zu schaffen und gleichzeitig die Kompetenzen potenzieller Arbeitskräfte kennenzulernen. „Das Schöne am Hackathon war, dass wir während des 24-Stunden-Hackathons Zeit gehabt haben, intensiv mit den Leuten zu arbeiten. Das heißt, sie haben einerseits programmiert, aber wir hatten auch die Möglichkeit, davon zu sprechen, wie toll Österreich ist und welche Möglichkeiten es gibt. Jeder, der mitgemacht hat, ist für uns ein kleiner Botschafter.“ Langfristig gehe es darum, Österreich als Alternative zu klassischen Zielländern wie den USA oder Spanien zu positionieren.
Warum Österreich auf Mexiko setzt
Die Wahl fällt nicht zufällig auf Mexiko. Mit rund 131 Millionen Einwohnern ist das Land die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas und verfügt über eine stark ausgebaute Hochschullandschaft. Besonders in technischen Disziplinen werden jährlich große Zahlen an Absolvent:innen ausgebildet. Allein 2023 wurden laut den Initiator:innen rund 175.000 Abschlüsse im Ingenieurswesen vergeben – weit mehr als in vielen anderen Industrienationen.
Für Humberto Zepeda González – der 22-jährige zählt zum Gewinner:innenteam des Hackathons – spricht mehr für Österreich als nur das Wiener Schnitzel: „You have very interesting companies. I think the tech market here is much bigger than in Mexiko. There are super interesting projects – I would love to work here.“ Während ihres Aufenthalts in Österreich besucht das Team Unternehmen wie ÖBB, Alpla, Siemens Mobility und Plasser & Theurer.
Neben den Karrierechancen in österreichischen Unternehmen gibt es laut Kreuzhuber auch andere Faktoren: „Das Thema Sicherheit spielt eine große Rolle. Das ist in Österreich natürlich ganz anders als in Mexiko City beispielsweise.“ Aber auch die Lebensqualität und das österreichische Gesundheitssystem wären für die Arbeitskräfte attraktiv.
Rot-weiß-Rot-Karte als Türöffner?
Eine zentrale Rolle bei der Anwerbung internationaler Fachkräfte spielt die Rot-Weiß-Rot-Karte. Sie ermöglicht besonders qualifizierten Fachkräften, für die am österreichischen Arbeitsmarkt Bedarf besteht, einen längerfristigen Aufenthalt sowie den Zugang zum Arbeitsmarkt.
Die bürokratischen Hürden seien dabei laut Kreuzhuber – trotz Kritik betroffener Unternehmen wegen der Komplexität der Anträge und der Dauer der Verfahren – überschaubar. So würde ein Großteil der Anträge innerhalb von acht Wochen von der zuständigen Niederlassungsbehörde entschieden werden. „Wir unterstützen Fachkräfte bei der Jobsuche und bei der Vorbereitung auf Österreich. Da haben wir sehr tolle Online-Tools, zum Beispiel einen Personal Guide. Da sind wir auch im internationalen Vergleich sehr weit vorne“, sagt Kreuzhuber.
Fachkräftemangel bleibt zentrale Herausforderung
Die Initiative zeigt, wie stark sich Österreichs Rekrutierungsstrategie verändert hat. Während Unternehmen früher vor allem auf heimische Arbeitskräfte oder Zuwanderung aus EU-Staaten setzten, reicht dieses Potenzial laut den Initiator:innen der Veranstaltung zunehmend nicht mehr aus. Die Zahl der Zuwander:innen aus anderen EU-Ländern sei zuletzt auf den niedrigsten Stand seit rund 15 Jahren gesunken. Gleichzeitig fehlen Österreich laut den zuletzt verfügbaren Zahlen (2025) des Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft rund 176.000 Arbeits- und Fachkräfte.
Vor allem in IT-Berufen verschärfe sich der Wettbewerb um Talente international. „Gerade im IT-Bereich ist der Fachkräftebedarf nur im Inland nicht zu decken“, betont WKÖ-Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer. Neben Karrieremessen setzt die Wirtschaftskammer daher auf Webinare, Konferenzen und Kooperationen mit lokalen Institutionen, auch in Mexiko.
Für die Bundesregierung geht die Partnerschaft mit Mexiko jedoch über die Fachkräftegewinnung hinaus. Österreichische Unternehmen sehen im nordamerikanischen Land einen zunehmend attraktiven Absatzmarkt und Produktionsstandort. Vor diesem Hintergrund verweist Hattmannsdorfer auch auf die Bedeutung des modernisierten EU-Mexiko-Abkommens, das den Handel erleichtern und neue Marktchancen eröffnen soll. Die Fachkräfteoffensive wird damit Teil einer breiteren Wirtschaftsstrategie: Österreich will sich dort positionieren, wo sowohl qualifizierte Arbeitskräfte als auch künftige Absatzmärkte entstehen.
