Neue Holcim-Chefin Bachmann setzt auf Spirit und Profitabilität

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Angela Bachmann. Die rasante Karriere der Schweizerin beim börsennotierten Baustoffkonzern Holcim führt sie nun nach Wien als CEO für den Zentraleuropa-Cluster.

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Beim Schweizer Zementriesen Holcim hat Angela Bachmann die Führung des Zentraleuropa-Clusters übernommen. Österreich ist derzeit ihr schwierigster Markt, jedoch mit Wachstumschancen. Davor braucht es aber Millioneninvestments für eine Schlüsseltechnologie: die Speicherung von CO2.

Schnelle Managementwechsel sind beim Schweizer Baustoffkonzern Holcim nichts Ungewöhnliches. Angela Bachmann war gerade einmal anderthalb Jahre als Chefin der tschechischen Landesgesellschaft tätig, da rief ihr Chef sie an und bot ihr die Verantwortung für die Region Zentraleuropa an. Die 37-jährige Managerin, die eigentlich mit einem etwas längeren Aufenthalt am Standort in Čížkovice mit ihrem Mann und ihrem vierjährigen Kind geplant hatte, sagte dennoch umgehend zu. „Ich musste nicht lange überlegen. Für mich ist der Job eine riesige Chance. Ich bin sehr dankbar, dass man mich in dieser Rolle sieht“, sagt sie. Als CEO für den CE-Cluster ist sie neben Österreich auch für Tschechien, Ungarn und Slowenien zuständig – und damit für 450 Millionen Euro Umsatz und 700 Mitarbeitende.

Statt eines Büros auf dem Werksgelände wie in Tschechien führt ihr neuer Job sie in ein urbanes Umfeld: Das Holcim-Office liegt auf dem Business-Campus „Viertel Zwei“ nahe dem Wiener Prater. In der Architektur spielen Betonelemente eine wichtige Rolle, aber eingebettet in Grünflächen. Insofern, findet sie, passt die Umgebung zu Holcim als einem der weltgrößten Baustoffkonzerne, der sich mitten in der Transformation befindet und bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden will.

Die Zementindustrie ist einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen. Weltweit ist sie für rund acht Prozent verantwortlich – und damit eine größere Belastung als der Flugverkehr. „Die Zeiten, wo wir als grauer Industrie-Dinosaurier galten, sind längst vorbei. Heute treten wir als Vorreiter in den Bereichen Dekarbonisierung und Innovation auf“, sagt Bachmann. Man wolle zwar weiter dekarbonisieren, lege aber großes Augenmerk auf die Profitabilität.

Aus für Verbot der CO2-Speicherung

Ihr neuer Job fällt in eine besonders spannende Zeit. In Österreich will die Regierung das seit 2011 geltende, aber umstrittene Verbot von Carbon Capture and Storage (CCS) zur Speicherung von CO2 aufheben. Bachmanns Vorgänger Haimo Primas, der nach nur knapp zwei Jahren plötzlich aus dem Unternehmen ausschied, hatte diesen Schritt immer als Bedingung für millionenschwere Investitionen am Standort Österreich bezeichnet.

Die Managerin erklärt dazu: „Ich würde jetzt nicht mein Blut geben, dass wir hundertprozentig investieren. Aber ich kann bestätigen, dass es unsere Absicht ist. Von anderen CO2-Speicherprojekten wissen wir, dass die Investitionen bei rund 500 Millionen Euro liegen. Mit dieser Größenordnung rechnen wir auch in Österreich“, sagt Bachmann, die darauf hinweist, dass es zunächst eine klare Gesetzeslage braucht und eine faire Kostenaufteilung zwischen privaten und öffentlichen Partnern. In Europa forciert der Holcim-Konzern 19 Projekte in dem Bereich, acht davon werden von der EU gefördert.

Die Möglichkeit, CO2 abzuscheiden und unterirdisch in alten Öl-oder Gasfeldern speichern zu können, ist für die österreichische Zementindustrie zur Erreichung von Klimaneutralität essenziell, da im Produktionsprozess ein Teil des CO2-Ausstoßes nicht vermeidbar ist.

Erfolg mit Spirit

Bei Holcim, erzählt Bachmann, gibt es den „Holcim-Spirit“. Er steht für drei zentrale Prinzipien: Purpose, People und Performance. „Erfolg bedeutet für mich, wenn man auf allen drei Ps performt“, sagt Bachmann. Ein Blick nach Tschechien zeigt, dass sie dort in relativ kurzer Zeit Verbesserungen in den genannten Bereichen erzielt hat: Kürzlich wurde dort die landesweit erste Produktionslinie für kalzinierten Ton in Betrieb genommen, der die Herstellung von CO2-reduziertem Zement ermöglicht (Purpose). Zudem gab es Änderungen im Team und neue Motivation (People) und eine Ebit-Verbesserung (Performance). Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass Bachmann sich auch in ihrem neuen Job an diesen drei Dimensionen abarbeiten wird.

Als CEO für den CE-Cluster ist sie für eine sehr heterogene Region zuständig. Österreich ist mit rund 200 Millionen Euro Umsatz der größte Markt in ihrer Verantwortung – und aktuell ihr Sorgenkind: „Die Baukonjunktur ist schwach und es gibt nur wenige Infrastrukturprojekte. Das spüren wir deutlich und rechnen auch noch im nächsten Jahr mit anhaltendem Druck“, sagt sie. Ganz anders die Situation in Tschechien, wo der Markt im Moment unglaublich stark ist. Derzeit gibt es viele Straßenbauprojekte, danach sind Investitionen in den Schienenverkehr und ab Mitte 2030 in neue Atomkraftwerke geplant. In Ungarn wiederum erwartet man nach dem Regierungswechsel ab dem kommenden Jahr neue Dynamik. Slowenien entwickelt sich hingegen stabil.

Als Cluster-CEO habe sie den Anspruch, dass jedes der Länder aus sich heraus profitabel sein muss. Zement sei ein lokales Geschäft. Grundsätzlich gebe es zwar die Möglichkeit, weitere Distanzen etwa per Schiff zu überbrücken, und das wolle man auch ein bisschen ausdehnen in den nächsten Jahren. Aber die Synergiemöglichkeiten seien begrenzt.

Karriere mit Kickstart

Die Konzerndenke ist Bachmann bestens vertraut: Nach einem Trainee-Programm bei UBS suchte sie mit Anfang zwanzig nach einer Branche, die ihr mehr zusagte. Und ihre Familie empfahl ihr Holcim. Dort startete sie im IT-Department. Als ihr damaliger Chef dann in die Geschäftsleitung des Konzerns befördert wurde, ging sie zu ihm und sagte selbstbewusst: „Sie kennen mich nicht wirklich, sie wissen nicht, wie ich arbeite, aber ich möchte mehr und würde mich freuen, wenn sie mich mitnehmen“, erzählt Bachmann. Das Gespräch sei der Kickstart für ihre Karriere gewesen. Danach habe sie schnell große Projekte geleitet, sei ins Merger-Office im Zuge der Fusion von Holcim und Lafarge gewechselt und ab 2017 für mehrere Jahre nach Kanada gegangen, wo sie als Commercial Director Cement tätig war.

Einfach nur so passiert sei ihr das alles nicht. Sie habe immer Ziele und Rollen vor Augen gehabt, die sie interessiert hätten. Allerdings habe es auch viele Rückschritte gegeben. Und sie habe immer sehr hart gearbeitet.

Als junge Frau in der Zementindustrie sei sie oft nicht ernst genommen worden. „Das war normal. Aber ich habe diese Kommentare nie persönlich genommen. Sie haben mich eher angespornt als runtergezogen“, sagt Bachmann. Eine wirkliche Wende kam mit dem Aufstieg zur CEO. „Mit dem CEO-Titel ändert sich alles. Denn plötzlich ist es kein Thema mehr, dieses Sich-extra-beweisen-und-extra-Respekt-verschaffen-müssen als Frau. Das ist einfach gegeben“, sagt sie. Ihr persönliches Ziel: als Vorbild zu wirken, so dass es für die nächste Generation weiblicher Führungskräfte einfacher wird.

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 25. September 2026 erschienen.

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