
Die Curawel-Gruppe vermittelt über Onlineplattformen als erster und bislang einziger Anbieter in Österreich Pflegekräfte an Spitäler oder Heime. Das hilft beim Personalmanagement – und beim Kostensparen.Gelockt wird mit der individuellen Gestaltbarkeit der Arbeitszeiten.
Wenn Carl Ludwig Schönfeldt sein Geschäftsmodell beschreibt, ist er um plastische Vergleiche nicht verlegen: „Wir sind so etwas wie der Uber für Spitäler“, sagt er.
Ähnlich dem System des Fahrtendiensts, wo ein IT-Programm einem Fahrer anzeigt, wo er auf seinem Weg schnell einen Fahrgast aufnehmen kann, organisiert Schönfeldts Curawel-Gruppe (CWG) Ersatz für Spitäler und Pflegeheime, wenn Pflegekräfte kurzfristig ausfallen. Herzstück ist die digitale Plattform Exapool, deren Algorithmus in einem Straßenloft in einem der coolsten Grätzel Wiens programmiert wird.
Das Angebot der CWG reicht von Sitzwachen über diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger bis zu Pflegekräften im OP- oder Intensivbereich. Fällt etwa eine Pflegekraft für ein Wochenende aus, können Spitäler oder Pflegeheime auf der Homepage eines der Unternehmen der CWG in Sekundenschnelle eine passende Ersatzkraft finden. Ein Service, das in Österreich und auch in Deutschland einzigartig ist.
„Der Pflege- und Gesundheitsbereich steht vor enormen strukturellen Herausforderungen. Wir sind überzeugt, dass diese nur mit klaren Strukturen und moderner Technologie bewältigt werden können“, sagt CWG-Geschäftsführer Schönfeldt. Tatsächlich droht Notstand beim Pflegepersonal: Zum einen, weil Krankenhäuser zu harten Sparmaßnahmen gezwungen sind. Zum anderen, weil der Dienst das Personal oft an die Grenzen der Belastbarkeit führt. Die Volkshilfe hat erst kürzlich vor einem Ausnahmezustand gewarnt.
Pflege-Ausnahmezustand in Österreich
Aktuelle Situation: Die Engpässe beim Pflegepersonal in Spitälern und Pflegeheimen nehmen rapid zu, wobei insbesondere die 24-Stunden-Betreuung von ausländischen Arbeitskräften abhängig ist.
Bedarf: Bis 2030 werden laut Prognosen des Sozialministeriums bis zu 76.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte benötigt.
Ursachen: steigende Zahl Pflegebedürftiger, unzureichende Arbeitsbedingungen, hohe psychische und physische Belastung sowie Personalabwanderung.
Arbeitsbedingungen: Viele Pflegekräfte klagen über geringe Wertschätzung, hohes Arbeitspensum und unzureichende Bezahlung.
Einstufung als Schwerarbeit: Ab 2026 gelten Pflegeberufe als Schwerarbeit, was eine Pensionierung mit 60 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht. Dadurch werden Pflegekräfte vom Arbeitsmarkt abgezogen.
FLEXIBLE ARBEIT.
Fast 2.500 qualifizierte Pflegekräfte hält die CWG zur Vermittlung bereit. Sie reichen von Medizinstudenten oder pensionierten Pflegekräften, die fallweise etwas dazuverdienen möchten, bis zu Pflegern und Pflegerinnen, die gerne zu anstrengenden 24-Stunden-Diensten bereit sind, aber auch eine flexiblere Arbeitsweise suchen. „Während bei Kununu die durchschnittliche Bewertung von Arbeitsplätzen im Pflege-ereich bei 3,5 liegt, liegt sie bei uns bei 4,8. Also knapp bei der Bestmarke“, beschreibt Schönfeldt die Arbeitszufriedenheit seiner Teilzeitkräfte.
Ausgewählt wird nach strengsten Kriterien. Eine Diplomkrankenschwester und eine Diplompflegerin führen Interviews mit den Bewerbern durch. Erst wenn alles passt, werden sie in den Pool der unabhängigen Mitarbeiter aufgenommen. „Bei uns haben die Pflegekräfte keinen Dienstplan. Sie können ihre Arbeit flexibel gestalten. Das kommt vor allem bei der Gen Z gut an,“ so Schönfeldt.
Ihn selbst hatte es nach der Gründung einer Steuerberatungskanzlei, Managementposten bei der Constantia Industrieholding und Betreuung von Family Offices nach Südamerika verschlagen. Sieben Jahre lebte er mit seiner Familie in Argentinien, Chile und Uruguay. Die Coronapandemie spülte ihn wieder zurück nach Österreich – und war auch der Startschuss für seine Geschäftsidee. „Ein deutsches Start-up hatte eine digitale Plattform für die Vermittlung von körpernahen Dienstleistungen wie Frisören oder Fußpflegern entwickelt. Dann kam Covid, und damit war alles vorbei“, erinnert er sich. Schönfeldt kaufte die Plattform und baute sie dann mit dem Mitgründer Marcus Duschek und Softwareentwicklern zu einem digitalen Vermittlungssystem für Mitarbeiter aus.


Curawel. Carl Ludwig Schönfeldt (r.) ist Gründer und Geschäftsführer von Curawel, die über eine digitale Plattform bei kurzfristigen Ausfällen Pflegekräfte an Gesundheitsinstitutionen vermittelt. Anfang 2025 hat sich die ebenfalls auf die Vermittlung von Pflegekräften spezialisierte Pflegegruppe mit Geschäftsführerin Karin Hamminger Curawel angeschlossen. Heuer wurde auch Austrify Medical mit Geschäftsführer Günther Gnadenberger Teil von Curawel.
© DBSEINSPARPOTENZIAL.
Nicht zuletzt ermöglicht die digitale Pflegekraftvermittlung auch den Gesundheitsinstitutionen mehr Flexibilität. Über die Onlineplattform kann das gesuchte Personal innerhalb kürzester Zeit gebucht werden. Bereits 50.000 Teilzeitpflegekräfte hat die CWG seit dem Start 2022 an Spitäler und Pflegeheime in ganz Österreich und in Teilen Deutschlands vermittelt. Dabei wird das komplette Personalmanagement, also die Anmeldung bei der Sozialversicherung, der Abschluss der Dienstverträge und die Lohnverrechnung, übernommen – eine komplexe Herausforderung bei unterschiedlichen Kollektivverträgen in den einzelnen Bundesländern. Die Spitäler bekommen durch die Nutzung der Leistungen der Unternehmen Dienstplan- und Ausfallsicherheit, das wirkt sich auch ökonomisch positiv aus. Schönfeldt: „Bei einem kurzfristigen Ausfall einer angestellten Pflegekraft müssen bei der Besetzung des vakanten Dienstes oft Überstunden bezahlt werden. Das ist bei einer Besetzung über unsere Unternehmen nicht der Fall. Unser Service hilft also Spitälern und Pflegeheimen auch, Kosten zu sparen.“
Seit dem Start vor drei Jahren hat der „Uber für Spitäler“ ein rasantes Wachstum hingelegt. Gestartet mit der Curawel GmbH in Österreich im Bereich Sitzwachen, wurde Anfang 2026 die CWG gegründet, um sämtliche Unternehmen strategisch unter einem gemeinsamen Dach zu bündeln. Anfang 2025 wurde die Pflegegruppe Personaldienstleistungen GmbH, ein führendes Unternehmen in der Vermittlung und der Überlassung von Pflege- und Gesundheitsfachkräften, übernommen. „Eine perfekte Synergie“, meint Schönfeldt, „die haben hervor-ragend ausgebildete Pflegekräfte – und wir haben die Software.“ Zu Jahresbeginn 2026 wurde auch die Austrify Medical GmbH Teil der CWG. Mit diesem Schritt konnte die CWG ihr Portfolio im Bereich qualifizierter Fachkräfteüberlassung, vor allem im stationären Akut- und Langzeitpflegebereich, erweitern.
Doch für den Unternehmer hat die Reise damit gerade erst begonnen. Mit der Gründung der Curawel DE GmbH wurde bereits der nächste strategische Schritt gesetzt und die Expansion nach Deutschland eingeleitet. Ziel ist die Präsenz im gesamten D-A-CH-Raum. Doch es gibt noch weitere. Denn die digitale Plattform Exapool kann nicht nur im Pflegekräftebereich zum Einsatz kommen. Der Algorithmus ist genauso in der Besetzung von Mitarbeitern im Tourismus oder im Eventbereich einsetzbar – überall, wo flexibles Personal benötigt wird. Da ist Schönfeldt ganz Europapatriot: „Es muss in der IT nicht immer alles aus den USA kommen. Wir haben auch in Europa das Potenzial, mit innovativen Köpfen etwas weiterzubringen und zum Besseren zu verändern.“