
Fokus auf Innovation. Österreichisch, unabhängig und eigentümergeführt: IMMOunited-CEO Roland Schmid (l.) und der neue COO Valentin Bauer setzen auf Produktneuheiten und Kundennähe.
©IMMOunited I Helmut TremmelRoland Schmid, CEO des Grundbuchexperten IMMOunited, und Valentin Bauer, neuer COO des Unternehmens, über die Wachstumspläne, die Chancen und Gefahren der KI-Revolution – und die neuesten Krisenängste auf dem bereits wieder angesprungenen Immobilienmarkt.
Ist die Krise auf dem Immobilienmarkt abgehakt? Die Transaktionszahlen seit Jahresbeginn deuten einen enormen Aufschwung an. Wie ist die Stimmung? Wird der Optimismus anhalten?
Die Stimmung ist tatsächlich deutlich besser, die im Grundbuch eingetragenen Transaktionen zeigen seit Jahresbeginn einen Anstieg von plus 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Denn das Angebot ist gut, und Immobilienfinanzierungen sind beim aktuellen Zinsniveau von rund zwei Prozent p. a. attraktiv. Ich nehme dennoch keine Jubelstimmung wahr: Das Gefühl, dass die Krise vorbei wäre, ist nicht am breiten Markt zu bemerken. Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen besser als vor zwei, drei Jahren, doch bei vielen Marktteilnehmern ist noch Abwarten angesagt. Dazu kommt, dass durch den Krieg im Iran neue Verunsicherung aufkommt: Wie lang wird der Konflikt dauern, was bedeutet er für die Energiepreise, die Inflation und damit letzten Endes für die Zinsen? Wie wirken sich die Verwerfungen in der Wirtschaft und an den Kapitalmärkten auf die Bankenlandschaft aus? Gerade bei großen Immobilienentwicklern kommen bereits erste Sorgen auf, was die Stimmung wieder schnell zum Kippen bringen könnte.
Wie würde ein Anstieg der Zinsen die Immobilienbranche treffen?
Höhere Zinsen wären für den Markt und die Branche eine Katastrophe, denn die Krise der letzten Jahre ist bei vielen noch nicht verdaut, und auch die Marktbereinigung ist noch lange nicht abgeschlossen, wie die Insolvenzentwicklung zeigt. Ein spürbarer Zinsanstieg würde auch große Player noch einmal ordentlich durchrütteln und sich negativ auf ihre Wachstumspläne auswirken.
Mit Juli läuft wahrscheinlich eine wichtige Erleichterung für private Immobilienkäufer aus: die Befreiung von den Grundbuch- und Pfandrechtseintragungsgebühren beim Erwerb eines Eigenheims. Wird das sich negativ auf den Markt auswirken?
Es war vielleicht bei einigen Deals ein Punkt, sich einige Tausend Euro durch die Gebührenbefreiungen zu sparen, aber angesichts von Kaufsummen von mehreren Hunderttausend Euro bestimmt nicht der wichtigste. Dass die Transaktionen gestiegen sind, ist daher mehr die Folge der bis zuletzt wieder positiveren Stimmung – das hatte den wahren Impact.
Wie konnte IMMOunited von der besseren Stimmungslage am Markt profitieren?
Die Immobilienkrise hat dafür gesorgt, dass die Wertschätzung für unsere Dienstleistung höher geworden ist: Je volatiler der Markt, desto wichtiger werden zuverlässige, hochwertige und topaktuelle Daten. Wir punkten durch unsere Datenqualität. Wir sind die Einzigen, die diese Daten in der benötigten Qualität bereitstellen können, und haben einen Transparenzstandard gesetzt, der seinesgleichen sucht. Das wird honoriert und wirkt sich sehr positiv auf unsere Geschäftsentwicklung aus.
Nach dem gestoppten Verkaufsprozess bleibt das Unternehmen auch in Zukunft eigenständig. Welche neuen Aktivitäten sind jetzt im Geschäftskundenbereich geplant?
Wir wollen unsere Kunden dabei unterstützen, möglichst erfolgreich zu sein. Unsere Datenbasis wird immer besser, das fließt umgehend in neue Produktfeatures ein. Wobei die neuen Produkteigenschaften meistens die Folge unserer in 19 Jahren Unternehmensgeschichte aufgebauten Kundennähe sind, denn sie stammen direkt aus dem Feedback unserer Kunden und basieren auf ihren Wünschen. Weil wir unsere IT direkt im Haus haben und alle Entscheidungen hier rasch und unabhängig treffen, können wir auf Anfragen sehr schnell reagieren und die meisten Wünsche sofort in neue Produktfeatures umsetzen – das wird sehr begrüßt. Dass beispielsweise die Bauträger wieder aktiver sind, zeigt sich auch bei der Nachfrage nach den entsprechenden Produkten, die aktuell sehr begehrt sind.
Auch Makler nutzen uns derzeit sehr aktiv: Unsere Daten können ihnen helfen, Abgeber zu finden, die verkaufswillig wären, aber noch nicht aktiv geworden sind. Denn sie zeigen, wer aktuell verkauft, welche Objektarten gehandelt werden und wo die erzielten Kaufpreise liegen. Das macht unsere Dienstleistungen sehr stark nachgefragt, und wir streben daher weiter ein starkes Wachstum in diesem Bereich an.
In welchen anderen Kundenbereichen will das Unternehmen weiter wachsen?
Wir denken laufend darüber nach, wie wir unsere Daten nutzen können, um noch mehr Kunden und neue Zielgruppen zu erreichen. Daher planen wir eine Produktoffensive und neue Produkte für die Rechts- und Steuerberatung, aber auch für Consulting und Wirtschaftsprüfung. Beispielsweise könnte ein Anwalt mit Hilfe unserer Produkte einen Erblasser oder Erben direkt darüber informieren, was sein Immobilienportfolio aktuell wert ist. Zudem denken wir aktiv über innovative Produkte für private Immobilienkäufer und -verkäufer nach.
Eine Immobilie zu kaufen oder zu verkaufen, ist für die meisten Privatkunden die größte finanzielle Entscheidung des Lebens. Den Markt genau zu kennen und die richtigen Daten zu haben, ist daher essenziell.
Zu den Personen.


ROLAND SCHMID (l.) ist Gründer, Eigentümer und CEO von IMMOunited, dem österreichischen Marktführer in der Bereitstellung von Grundbuch- und Immobiliendaten. Das Produktsortiment umfasst IMMObase (Bundesdatenbanken), IMMOmapping (Transaktions-Landkarte), IMMOdeveloper (Bauprojektdatenbank), IMMOstats (Online Statistik-Tool über Transaktionen), IMMOfarming (Grundbuch-Eigentumsinformationen), IMMOvaluation (Bewertungsprodukte) und IMABIS (Immobilien-Angebotsdatenbank), dazu kommt die App IMMOunited2GO. Die Roland Schmid Group hat Beteiligungen an mehreren Unternehmen, darunter lexunited GmbH, RS Vorsorge GmbH, immobillie.com, RS Digital/fan.at und Hidden Gems Filmproduktion GmbH. Zuletzt hat Schmid das auf digitale, KI-gestützte Lern- und Trainingslösungen spezialisierte Start-up Edika ins Leben gerufen.
VALENTIN BAUER ist als neuer COO für die Unternehmensbereiche Sales, Marketing und Customer Care bei IMMOunited verantwortlich. Mit Erfahrung in den Bereichen Operations & Expansion verbindet Bauer unternehmerisches Know-how mit Engagement für die sportliche Nachwuchsförderung. Nach seinem MBA am Austrian Institute of Management und einem BSc in Business Administration in den USA startete er seine Karriere als Profibasketballspieler in Österreich und in den USA. Begleitend dazu war er in leitenden Managementpositionen tätig, unter anderem als Head of Operations & Chief Expansion Officer bei IMMOunited und als CEO der RS digital GmbH / SFA Sport GmbH.
IMMOunited ist im kommenden Jahr seit 20 Jahren am Markt und aus dem Alltag der meisten namhaften Player auf dem Immobilienmarkt nicht mehr wegzudenken. Sie setzen bereits viel auf Sportsponsoring – wie lässt sich die Kundennähe noch mehr fördern?
Wir starten heuer eine neue Veranstaltungsreihe, um Wissen und Motivation zu vermitteln. Diese werden drei Bereiche betreffen. Erstens die Verbindung von Sport und Wirtschaft, wo wir den erfolgreichen Trainer und ORF-Experten Helge Payer als Keynote Speaker gewinnen konnten. Zweitens die Schnittstellen von Geopolitik und Immobilienbranche mit Expertise des Top-Politikwissenschaftlers Peter Filzmaier. Drittens werden wir unsere Datenbasis nutzen, um bei neun Events in den neun Landeshauptstädten die jeweilige Marktsituation regional und im überregionalen Vergleich genau zu beleuchten. Bei diesen Events wird es neben Wissensvermittlung natürlich auch um Networking gehen: Nachdem es klar ist, dass IMMOunited auch in Zukunft österreichisch und eigentümergeführt bleibt – was übrigens die meisten Kunden sehr freut, wie ihr Feedback zeigt –, wollen wir unsere Kunden auch emotional abholen und mit ihnen den Kontakt auf Augenhöhe pflegen.
Die IMMOunited-Daten und -Dienstleistungen könnten gesamte Bereiche wie die Bewertungsabteilungen von Banken beziehungsweise Berufsbilder wie Sachverständige ersetzen. Passiert das bereits? Wie sehen Sie dabei die Rolle von KI-Tools? Werden menschliche Arbeitskräfte von diesen ersetzt oder unterstützt?
Je besser die Qualität der Daten ist, umso mehr Positionen werden sie ersetzen. Doch ich befürchte nicht, dass ganze Berufsbilder KI-bedingt wegfallen oder es zu einem Job-Kahlschlag in der Branche kommt: Eine Immobilie hat immer mit Emotionen zu tun, und diese können nur Menschen vermitteln. Auch ist es gar nicht so einfach, die Bewertung von Immobilien komplett zu digitalisieren. Jedes Objekt ist anders, deswegen kann der Wert letzten Endes nur durch menschliche Expertise bestimmt werden. Oder nehmen wir das Beispiel Kaufvertrag: Der Text könnte vielleicht durch eine KI verfasst werden, die Kontrolle muss aber durch einen Juristen erfolgen. Ich sehe die Chancen durch Digitalisierung und KI also nicht darin, menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen, sondern darin, diese zu unterstützen und die Effizienz zu steigern. Bei uns codet intern auch die KI, wir haben aber keinen einzigen Softwareentwickler abgebaut, sondern arbeiten dadurch viel schneller als vorher.
Als die E-Mails ihren Siegeszug angetreten haben, dachten auch viele, die Post würde niemand mehr brauchen. Dabei sehen wir heute, dass sie durch den E-Commerce genau wegen der Digitalisierung größer und wichtiger ist als zuvor. Wo ich Gefahren durch die KI sehe, ist eher im Bereich Talente: Viele Aufgaben, die zuvor durch Juniors erledigt wurden, übernimmt heute die KI. Daher wird es eine große Frage sein, wie der Nachwuchs lernen und gefördert werden kann – herkömmliche Karrierewege werden neu überdacht werden müssen.
Wird durch KI der Wettbewerb auf Ihren Spezialgebieten intensiviert, weil damit die Eintrittsbarrieren für neue Player gesenkt werden?
Wir merken eine starke Dynamik am Markt: Viele wollen mitmachen und sich ein Stück vom Kuchen abschneiden, ob bekannte Player oder Start-ups. Der Markteintritt ist einfach, wie es danach weitergeht, kommt aber auf die Qualität der Dienstleistung an. Und unser Wettbewerbsvorteil bleibt bestehen: Wir haben die besten Daten und sind deswegen zum Marktführer aufgestiegen. Wir lesen seit bald 20 Jahren Kaufverträge aus, wissen, was wir tun, und setzen auf Kundennähe und Handschlagqualität. Wir entwickeln unser Produktangebot zudem ständig weiter und setzen auf Innovation. Denn gerade als Marktführer muss man an das warnende Beispiel von Nokia denken – wer stehen bleibt, bewegt sich in der Wirtschaft rückwärts.
IMMOunited2go ist eine App, die auch privaten Immobilienmarktteilnehmern enorm viel helfen kann. Werden Sie ihre Aktivitäten im Privatkundenbereich verstärken?
Ja, das ist der nächste logische Schritt. Endkunden sind eine sehr wichtige Zielgruppe für uns, und wir werden uns in diesem Bereich viel Neues in den kommenden Monaten einfallen lassen. Auch die Bekanntheit der Marke wollen wir stärken, zudem denken wir an Kooperationen mit großen Immobilienportalen, die besonders viele Privatkunden erreichen.
Eine Immobilie zu kaufen oder zu verkaufen, ist für die meisten Privatkunden die größte finanzielle Entscheidung des Lebens. Diese sollte fundiert getroffen werden. Den Markt genau zu kennen und die richtigen Daten zu haben, ist daher essenziell. Die App ist eine große Hilfe für Privatkunden und wird auch weiter ausgebaut, wir haben aber auch andere Überlegungen, wie wir Privatkunden besser bedienen können. Unser Ziel bleibt die Erhöhung der Transparenz auf dem Immobilienmarkt. Wenn Kunden und Makler das Gespräch informierter und damit auf einem höheren Level führen können, profitieren davon alle Beteiligten und damit letztendlich auch der Gesamtmarkt.
Warum ist Transparenz gerade auf dem Immobilienmarkt wichtig, wo viele Marktteilnehmer nicht gerade als „Freunde der Transparenz“ bekannt sind? Siehe die zum Kriminalfall gewordenen Insolvenzen …
IMMOunited steht von Anbeginn an ausdrücklich für mehr Transparenz auf dem Immobilienmarkt, und gerade die vergangenen, von der Krise geprägten Jahre haben uns klar vor Augen geführt, wie wichtig diese ist. Denn problematisch sind nicht nur intransparente Player, sondern beispielsweise auch, wenn ein Abgeber den Wert seines Objekts als Folge der Intransparenz am Markt falsch einpreist.
IMMOunited ist ein österreichisches und eigentümergeführtes Unternehmen. Bleibt das so? Wo sehen Sie das Unternehmen in zehn Jahren?
Das bleibt so, und wir werden uns weiterhin darauf konzentrieren, den heimischen Immobilienmarkt mit den qualitativ hochwertigsten und aktuellsten Daten und der größten Auswahl zu unterstützen. Was die Zukunft betrifft? Ich bin überzeugt davon, dass unser Marktpotenzial riesig ist und dass wir uns auch verdoppeln können. Und ich bleibe CEO: Es gibt derzeit keine Pläne für etwaige Nachfolgeregelungen – weder für heute noch für die
kommenden zehn Jahre.
Ich befürchte nicht, dass ganze Berufsbilder KI-bedingt wegfallen. Eine Immobilie hat immer mit Emotionen zu tun, und diese können nur Menschen vermitteln.