Doha: Der neue kulturelle Hotspot

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Nationalmuseum von Katar
 © FOTOS: GERALD STURZ(3), BEIGESTELLT

Das Nationalmuseum von Katar hat die Form einer Sandrose.

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Im Februar findet zu ersten Mal die Art Basel Qatar statt, der erste Ableger im Nahen Osten der weltweit wichtigsten Kunstmesse. Das ist kein Zufall. Die Region entwickelt sich gerade zum kulturellen Hotspot. Der trend-Traveller hat der Hauptstadt Katars einen Besuch abgestattet.

Es ist schon einige Jahre her. Damals stieg der trend-Traveller zum ersten Mal in der Metrostation National Museum von Doha aus, fuhr hinauf, und oben angekommen, blieb er erst einmal staunend stehen, weil er nicht so recht wusste, was er von dem halten sollte, was er da vor sich sah. Was soll denn das sein? Ein Gebäude? Das Museum? Oder doch eine monumentale Skulptur? Wie ein Gebäude, das ein Museum ist, sah es jedenfalls nicht aus, sondern wie die gigantische Version einer Sandrose, jener bizarren Kristallformation, die man in der Wüste von Katar findet.

Selbstverständlich hatte der trend-Traveller zuvor Bilder des National Museum of Qatar in Zeitschriften und im Internet gesehen. Dennoch war er nicht vorbereitet auf diesen überwältigenden ersten Eindruck. Und so lief er – trotz einer Hitze, die das Hemd in wenigen Minuten am Körper kleben ließ – erst einmal um das Gebäude herum, um diesen irren Bau von allen Seiten zu betrachten. Er sah einige Hundert übereinandergeschichtete Gips- und Betonscheiben, die in wilden Winkeln so an- und ineinandergereiht sind, dass sie ein Spiel aus Licht und Schatten inszenieren, das dem Gebäude eine unglaublich plastische und vielschichtige Form gibt. Er kam aus dem Staunen nicht heraus.

Seither hat der trend-Traveller das Nationalmuseum immer wieder besucht. Das Staunen ist geblieben. Das Innere des Gebäudes, das nach Plänen des französischen Architekten Jean Nouvel errichtet wurde, ist nicht weniger raffiniert. Eine ineinandergreifende Abfolge von Räumen und Gängen, von Durch- und Ausblicken. Die permanente multimediale Ausstellung erzählt die Geschichte jener Halbinsel, die heute Katar bildet, von der Erschaffung der Welt bis in die Gegenwart. Nationalmuseen, das hat der trend-Traveller hier verstanden, sind auf der Arabischen Halbinsel mehr als Kultureinrichtungen. Sie sind identitätsstiftende Orte, die einen wichtigen Beitrag zur Nationsbildung dieser jungen Länder liefern. So sind Nationalmuseen wie dieses auch in anderen Ländern der Region entstanden, im Oman zum Beispiel oder jüngst in Abu Dhabi.

Im Februar nun findet in Doha mit der Art Basel Qatar der erste Ableger im arabischen Raum der weltweit bedeutendsten Kunstmesse statt. Ein Ereignis, das unterstreicht, welche Bedeutung Kunst in der Region in den letzten Jahren gewonnen hat. Nahezu im Monatsrhythmus werden eindrucksvolle Museen eröffnet, die von namhaften Architekten geplant wurden, finden Kunstmessen, Biennalen und Designwochen statt, werden Ableger internationaler Filmfestivals veranstaltet.

Und so ist das Nationalmuseum nicht das einzige sehenswerte Museum in Doha. Das Museum of Islamic Art, das sich auf einer künstlichen Insel vor der Corniche befindet, besticht mit einer einzigartigen Sammlung. Es gibt das gut bestückte Mathaf Arab Museum of Modern Art, die Fire Station, die ein Hub für die lokale Kunstszene ist, das Katara Cultural Village.

Kunst in der Wüste

Doch es ist nicht die Kunst oder die Architektur allein, die den trend-Traveller immer einen Zwischenstopp in Doha machen lässt. Er schlendert auch gerne durch den Souq Waqif – einen idealen Ort zum Flanieren, Essen, Shoppen. Sehr gut gefällt ihm jener Teil des Souqs, in dem Falken verkauft werden.

Das eindrucksvollste Kunstwerk Katars steht in der Wüste. Also fuhr der trend-Traveller eines Tages bei der Ausfahrt Zekreet von jenem Highway ab, der Doha mit der Westküste verbindet, und fuhr über steinige Wüstenwege, bis in der Ferne ein glänzender vertikaler Strich in der Landschaft auftauchte, dann ein zweiter, und als er näher kam, sah er vier riesige Stahlplatten, die mitten in der Wüste stehen. Die Skulptur des amerikanischen Künstlers Richard Serra nennt sich „East-West/ West-East“ und besteht aus vier 14,7 bis 16,7 Meter hohen Platten, die in einem Abstand von jeweils 250 Metern in einer OstWest-Ausrichtung aufgereiht sind. Am schönsten, so ließ sich der trend-Traveller sagen, wäre es hier an bestimmten Wintertagen. Dann würden die untergehende Sonne und die vier Stahlplatten eine gerade Linie bilden und das rote Licht würde alles mythisch leuchten lassen. Ost und West, Natur und Kunst, Tradition und Moderne. Besser lässt sich die Transformation, die das Emirat Katar gerade erlebt, nicht darstellen.

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 16. Jänner 2026 erschienen.

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