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Gleichzeitig zögern aber weiterhin viele Betriebe mit Investitionen und wollen Stellen öfter abbauen als aufbauen. "Die Bundesregierung hat Reform- und Entlastungspakete angekündigt, aber in den Betrieben ist davon bisher wenig spürbar", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. "Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus." Es brauche mehr Tempo, um Bürokratie abzubauen sowie Arbeits- und Energiekosten zu reduzieren. Das würde Vertrauen schaffen und zu Investitionen führen. "2026 muss das Jahr echter Reformen werden."
Das Bruttoinlandsprodukt war 2025 um 0,2 Prozent gestiegen, nach zuvor zwei Rezessionsjahren in Folge. Auch die deutsche Regierung rechnet dieses Jahr mit einem Plus von 1,0 Prozent. Zwei Drittel davon gehen laut Wirtschaftsministerium auf staatliche Impulse zurück - etwa Investitionen zur Sanierung der Infrastruktur oder zur Aufrüstung der Bundeswehr. Kritiker bemängeln, dass das Wachstum teuer erkauft ist, und verweisen auf die in diesem Jahr zweithöchste Neuverschuldung des Bundes.
Der DIHK-Stimmungsindex - ein Mittelwert aus der Beurteilung der aktuellen Lage und der Erwartungen für die nächsten Monate - stieg um zwei Zähler auf 95,9 Punkte. Damit liegt er allerdings noch deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 110 Punkten. Positiver zeigte sich unter anderem die Exportindustrie. Die DIHK rechnet deswegen nun mit einem Exportplus von 1,0 Prozent in diesem Jahr - doppelt so viel wie bisher.
Weniger optimistisch für die deutsche Wirtschaft zeigen sich indes Börsenprofis: Das Barometer für die Aussichten in den kommenden sechs Monaten fiel im Februar um 1,3 Punkte auf 58,3 Zähler, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 176 Investoren und Analysten mitteilte. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase fragiler Erholung", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Ergebnisse der Umfrage. "Die strukturellen Herausforderungen, insbesondere in der Industrie und bei den Privatinvestitionen, bleiben erheblich." Die anstehenden Reformen der Sozialversicherungssysteme sollten dazu genutzt werden, die Standortattraktivität wesentlich zu steigern.
Ein düsteres Bild der deutschen Konjunktur zeichnete auch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. "Der Wachstumsmotor in Deutschland wird schon allein wegen der Demografie nie mehr anspringen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es fehlten schlicht die Arbeitskräfte, um die Wachstumsraten der Vergangenheit zu erreichen. "Wir kommen also an Steuererhöhungen und dem Abbau von Subventionen nicht vorbei."
Der Ökonom schlug vor, Minijobs abzuschaffen und eine höhere Grundsteuer einzuführen - damit der Anreiz steigt, eine Immobilie zu entwickeln und wirtschaftlich zu nutzen. Zudem müssten alle klimaschädlichen Steuersubventionen wie das Dieselprivileg, die Steuerbefreiung von Kerosin und die Pendlerpauschale abgeschafft oder zumindest gekürzt werden. Sie machten allein 60 Mrd. Euro im Jahr aus. Fratzscher plädierte auch dafür, das Ehegattensplitting abzuschaffen, das Deutschland rund 22 Mrd. Euro koste.