Das Hormon der Macht: Wie sich Testosteron auf Karriere, Sex und Gesundheit auswirkt

Kaum ein Mann kennt die Höhe seines Testosteronwertes. Dabei bestimmt dieser den Unterschied zwischen Weichei & Womanizer, Männchen & Machthaber. Wie sich das Powerhormon auf Karriere, Sex und Gesundheit auswirkt und wie Mann seinen Testosteronspiegel steuern kann.

Sein Faible für schöne Frauen ist bekannt; gut gebauten Schauspielerinnen, TV-Moderatorinnen und Showgirls greift er auch gerne hilfreich bei der politischen Karriere unter die Arme. Silvio Berlusconi ist nicht nur der mächtigste Mann in Italien, er selbst hält sich auch für den potentesten. Und das bekommt auch alle Welt mit: Zuletzt erregte eine „Blonde mit Engelsgesicht“, gerade 18 Jahre alt, das Gemüt des mittlerweile 72-Jährigen. Frau Berlusconi sagte zwar „basta!“ und kündigte die Scheidung an, das italienische Volk hingegen regte die Affäre gar nicht auf. Ähnlich reagierten die Franzosen im Vorjahr, als Superpräsident Nicolas Sarkozy und seine Geliebte Carla Bruni die Vermählung von Politik und Sex auf die Spitze trieben. Die Skandale haben dem Image der Staatsmänner keineswegs geschadet. Im Gegenteil. Offensichtlich verfügen die beiden über etwas, das sie allen geltenden moralischen wie ethischen Prinzipien enthebt und ihnen vielmehr die Macht gibt, die Spielregeln der Gesellschaft selbst zu bestimmen. Was Persönlichkeiten wie Berlusconi und Sarkozy zu derartigen „Rudelführern“ macht, wird oft unterschätzt: nämlich die Höhe des Testosteronwertes – nicht anders also als im Tierreich. Auch Putin, Obama und historischen Machthabern wie Napoleon wird eine überdurchschnittliche Menge des Sexualhormons nachgesagt.

Powerhormon für alle Ebenen
Testosteron ist der Treibstoff der Männlichkeit, macht den Unterschied zwischen Weichei und Womanizer, zwischen Männchen und Macher. „Dass der Testosteronspiegel die Attraktivität und das Durchsetzungsvermögen des Mannes steigert, ist bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen worden“, bestärkt auch Andreas Jungwirth, Facharzt für Urologie und Andrologie in Salzburg, die Theorie. „Testosteron ist einfach das zentrale Hormon des Mannes, das sich auf allen Ebenen auswirkt – von der sexuellen und gesundheitlichen bis zur beruflichen“, setzt schließlich Eugen Plas, leitender Oberarzt der Urologie-Abteilung des Krankenhauses Hietzing, noch eins drauf. Also bleibt kein Zweifel mehr: Das Powerhormon der Männer – Frauen haben gerade einmal ein Zehntel der männlichen Durchschnittsmenge im Blut – steuert Selbstvertrauen, Aggressivität und Risikobereitschaft maßgeblich, und damit auch jegliche Erfolgschance.

Testosteron- und Börsenkurve
Mitarbeiter der Universität Cambridge etwa untersuchten den Testosteronspiegel von Börsenmaklern. Dabei stellte sich heraus: Je mehr männliches Sexualhormon im Blut, desto höher die Gewinne. Das Siegergefühl wiederum lässt die Hormonwerte in die Höhe schnellen. Diese Erfolgsspirale funktioniert auch auf der Karriereleiter: Mit dem Aufstieg in der Hierarchie potenziert sich das Androgen quasi von selbst. Auch die Unterwürfigkeit der Mitarbeiter treibt das Machthormon noch mehr in die Höhe. Die Auswirkungen: „Echte Alphamänner zeichnen sich durch besonders wettbewerbsorientiertes, stressresistentes sowie taktisches Verhalten und gekonnten Umgang mit Hierarchien aus“, weiß Managercoach Christine Bauer-Jelinek, Leiterin des Wiener Instituts für Machtkompetenz, aus Erfahrung. Außerdem gelte: „Je mehr Testosteron, desto kompromissloser.“ Ech­te Macher-Eigenschaften also, die wohl auch Red-Bull-Erfinder Dietrich Mateschitz oder Superfund-Boss Christian Baha be­fähigten, sich in kürzester Zeit vom Marketing­angestellten bzw. Streifenpolizisten zum Euro-Krösus hochzuarbeiten.

Kampfrhetorik im Business-Dschungel
Das Alpha-Image will freilich auch gepflegt werden – etwa mit dem Besitz männlicher Statussymbole und attraktiven Frauen an der Seite. Der bessere Jäger zu sein reicht allerdings nicht mehr. „Manager müssen laufend Lösungen finden, und es wird von ihnen erwartet, dass sie stets die Richtung vorgeben – all das bedarf auch guter rhetorischer Strategien“, meint Expertin Tatjana Lackner, die in ihrer „Schule des Sprechens“ regelmäßig „Testosteron-Spin-Trainings“ für Führungskräfte anbietet. Denn: Waren im Mittelalter noch Turniere Schauplatz des Kräftemessens, sind es heute Verbalduelle, in denen es zwar weniger blutig, aber nicht weniger hart zugeht. „Alphamänner müssen heute nicht mehr nur durch ihre Manneskraft überzeugen, sondern vielmehr dadurch, die Gefechte im Business-Dschungel rhetorisch siegreich zu meistern.“ Typisch geschlechtsspezifische Argumentationsweisen in Konfliktsituationen: „Während Frauen dazu tendieren, ihr Gegenüber sozial auszugrenzen, also zu mobben, messen sich Männer eher auf der Fachkompetenzebene bzw. auf einer wirtschaftlichen Potenzebene. Männer trumpfen auch gern mit dem dritten Auto in der Garage oder der 15-Meter-Yacht.“

Männchen markieren überall
Die Höhe des Testosteronwertes hängt übrigens nicht nur von der genetischen Veranlagung, sondern auch von Momentsituationen (hier sei auf die altbekannte Studie hingewiesen, die besagt, dass bei Männern, denen von weiblichen Ärzten Blut abgenommen wird, der Testosteronwert automatisch ansteigt) und den Lebensumständen ab. „Singles und geschiedene Männer haben vergleichsweise höhere Testosteronwerte als Verheiratete“, erklärt Urologe Eugen Plas, der auch auf die evolutionsbiologische Hauptfunktion des Antriebshormons, nämlich Reproduktion, hinweist. „Der Mann ist von der Frau abhängig, die sich in der Regel den Träger des besten Genmaterials aussucht. Nachdem die Frau, im Gegensatz zu den Weibchen in der Tierwelt, dem Mann ihre Empfängnisbereitschaft deutlich signalisiert, versucht der Mann, sich abzusichern, indem er überall markiert.“ Dies sollte, so Plas, weniger als Freibrief zum Fremdgehen verstanden werden, sondern vielmehr „urmännliche Verhaltensweisen“ erklären. „Auch heute geht es nicht nur um Aktien und Gewinn, sondern ums Überleben.“

Testosteron als Gesundheitsbringer
Nicht umsonst wird Testosteron auch als das Lebenshormon bezeichnet. „Im Zuge einer Untersuchung auf einer Intensivstation stellte sich her­aus, dass lebensgefährlich verletzte Pa­tienten massiv erhöhte Testosteronwerte aufwiesen“, weiß die Grazer Internistin Julia Rüsch zu berichten. „Überhaupt wird die gesamtheitliche Wirkung von Testosteron unterschätzt.“ Wie essenziell das Androgen ist, bemerkt Mann meist erst, wenn ein Mangel daran auftritt. Der kann sich in Form von Libidoverlust, Antriebslosigkeit, Gedächtnisstörungen und sogar Depressionen bemerkbar machen. Bei niedrigen Werten, so eine Studie der University of Western Australia, sei die Depressionsanfälligkeit rund dreimal so hoch. Deswegen wird ein regelmäßiger Testosteron-Check beim Arzt empfohlen. „Normalerweise sollte der Wert zwischen 3 und 9 Nanogramm pro Milliliter Blut liegen“, so Experte Eugen Plas. Ein leichter Testosteronmangel kann auf natürliche Weise behoben werden. Was hilft: regelmäßiger Ausdauersport, reduzierter Alkohol- und Nikotingenuss sowie gesunde Ernährung (siehe Artikel ) . Vor allem Übergewicht ist ein echter Testosteron-Killer. „Im Bauchfett wird Testosteron, das grundsätzlich den Muskelaufbau und Fettabbau fördert, via Aromatasen zum weiblichen Geschlechtshormon Östrogen“, erläutert Eugen Plas. Diese „Verstoffwechselungen“ sind es auch, die Männern die gefürchteten Hängebrüste wachsen lassen.

Tabuthema Impotenz
Stress und Angst vor Jobverlust, aber auch verstopfte Blutgefäße oder erhöhter Blutzucker sorgen heutzutage nicht selten für Probleme im Bett. Davon zeugen die Verkaufszahlen von Levitra, Cialis, Viagra & Co, die in den vergangenen Jahren in Milliardenhöhe schnellten. „Langfristig sollte natürlich die Arbeitssituation verändert werden, kurz- und mittelfristig kann mit Hilfsmitteln aus der Apotheke nachgeholfen werden“, meint Plas. Schließlich sei der Sex nicht nur für das Selbstwertgefühl wichtig, sondern auch zum Spannungs- und Aggressionsabbau. Der aktuelle Potenzrenner am Pharmamarkt ist der PDE-5-Hemmer Levitra. „Während Viagra erst nach Stunden wirkt, ist bei Levitra nach spätestens 25 Minuten die Erektionsmöglichkeit gegeben“, erklärt der Wiener Apotheker Wolfgang Windberger. Potenzprobleme gehen auch mit dem unter Männern nach wie vor tabuisierten Hormonmangelsyndrom – auch Hypogonadismus genannt – einher. „Das ist keine Lifestyle-Geschichte, sondern ein ernstzunehmendes Krankheitsbild, das behandelt werden muss“, so der Salzburger Urologe Andreas Jungwirth. „Der Mann hat zwar logischerweise keine Menopause wie die Frau, aber auch bei ihm reduziert sich die Produktion des Sexualhormons im Alter.“

Achtung ab 40!
Ab etwa dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel jährlich um etwa ein Prozent. Mittlerweile leidet jeder fünfte Mann über 50 Jahren an Hormonmangel. Die Folgen können mannigfaltig sein: Osteoporose, Diabetes, Schlafstörungen, Konzentra­tionsschwierigkeiten und Gewichtszu­nahme sind nur einige der typischen Symp­tome. Hier besteht die Möglichkeit einer Hormonersatztherapie. „Bei kontrolliertem Einsatz sind die Risiken gering“, so Jungwirth. Ein wesentliches Problem bei solch einer Substitutionstherapie betrifft allerdings die Kosten, kritisiert Hormonspezialist Plas: „Mit zunehmender Überalterung der Gesellschaft wird auch das Hormonmangelsyndrom ein Massenproblem. Bislang zahlt die Krankenkasse allerdings nur in wenigen Fällen die Spritzentheraphie.“ Derzeit profitiert aber nicht nur die Pharmaindustrie, sondern vor allem die Apothekerkammer, die auf die Hormonpräparate klarerweise noch eine Gewinnspanne aufschlägt: Die Hormon­spritze Nebido etwa, die einen Wirkungszeitraum von durchschnittlich drei Monaten hat, kostet beim Erzeuger 95 Euro, in der Apotheke findet sie sich um 164,90 Euro wieder. Vor billigen Präparaten vom Schwarzmarkt oder aus Online-Apotheken sei dennoch gewarnt. Diese stellen sich oftmals als minderwertige Fälschungen heraus.

Echte Männer gehen zum Arzt
Wer aber glaubt, sich mit Zusatzhormonen zum Übermann tunen zu können, der irrt und wird das Testosteron-Doping bald bereuen. Die Auswirkungen sind vor allem aus dem Bodybuildingbereich, wo Testosteron in erster Linie zum schnellen Muskelaufbau eingesetzt wird, bekannt: Aknehaut, Thrombosegefahr, Herz-Kreislauf-Beschwerden, schwere Leber- und Nierenschäden – sowie Impotenz. „Wenn dem Körper von außen Hormone zugeführt werden, reduziert er die Eigenproduktion, und der Hoden wird kleiner.“ Auch sollte Mann sich regelmäßiger mit seinen Körpermechanismen abseits sportlicher Höchstleistungen auseinandersetzen und den Gang zur Vorsorgeuntersuchung nicht scheuen, um den Testosteronwert checken zu lassen. Zumal das im Hoden produzierte Sexualhormon nicht nur den „Deckhengst“ in einem weckt, sondern nachweislich auch Führungsstil und Machtpotenzial beeinflusst. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt auch ein altes Sprichwort neue Bedeutung: „Ein Mann von Format hat Eier“, einer ohne wird, auf gut Wienerisch, „schnell zum Beidl“.

Von Nina Kreuzinger

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