Greenwashing: FMA warnt vor schöngefärbten Finanzprodukten

Österreichs Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) warnt vor Greenwashing. Finanzprodukte werden dabei als umweltfreundlich, grün oder nachhaltig beworben, obwohl sie die dafür verpflichtenden Standards nicht erfüllen.

Greenwashing: FMA warnt vor schöngefärbten Finanzprodukten

Das Thema der nachhaltigen Geldanlage ist breit in der Gesellschaft angekommen. Immer mehr Anleger investieren in ESG-zertifizierte Finanzprodukte. Doch es gibt daneben auch unseriöse Anbieter und nicht jedes als "grün" und "nachhaltig" beworbene Angebot erfüllt auch die Voraussetzungen, um als ein solches gewertet werden zu können.

Die Verbraucherinformation der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA hat vermehrte Anfragen rund um das Thema nachhaltige Finanzprodukte registriert und warnt nun vor Greenwashing bei Finanzprodukten, also vor Angeboten unseriöser Anbieter, die als umweltfreundlich beworben werden, das aber gar nicht sind. Die FMA hat daher das Thema Nachhaltigkeit auch zu einem ihrer der Aufsichts- und Prüfschwerpunkte im Jahr 2021 auserkoren.

Grünes Täuschungsmanöver

Die Grundproblematik ist, dass Anleger unter Vortäuschung falscher Tatsachen zu Investments verleitet werden, die sie in Kenntnis der tatsächlichen Auswirkungen des Finanzprodukts nicht oder nur zu einem anderen Preis getätigt hätten. In dem Fall des Greenwashings eben mit einem Öko-Anstrich. "Unternehmen wollen sich und ihrem Produkt damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und sich ein besseres Image verpassen, um einen höheren Preis verlangen zu können", warnt die FMA in einer neu veröffentlichten Informationsbroschüre zu dem Thema.

„Greenwashing“ wird, so die FMA, dabei durch irreführende oder falsche Angaben in Werbung, Beratungsgesprächen und Produktdokumentation betrieben. Häufig ist es mit einer entsprechenden optischen Gestaltung verbunden wie etwa durch die Verwendung der Farbe Grün und durch Darstellungen von unberührter Natur. Außerdem werden oft Begriffe wie „ökologisch“ oder „grün“ verwendet, oder es wird mit einer Zertifizierung geworben, die es gar nicht gibt. "Lassen Sie sich nicht täuschen – nicht jedes Finanzprodukt ist so grün, wie es vorgibt", warnt die FMA.

Keine Garantie

Nachhaltige Finanzprodukte haben sich zwar in der Corona-Krise vergleichsweise stabil entwickelt und konnten im Krisenjahr 2020 eine überdurchschnittliche Rendite erzielen. „Sie sind aber nicht per se sicherer als vergleichbare herkömmliche Geldanlagen. Fragen Sie immer nach und seien Sie kritisch“, mahnt der Vorstand der FMA, Helmut Ettl und Eduard Müller.

Die ESG-Kriterien für eine nachhaltige Geldanlage wurden von der UNO definiert. Um ökologisch nachhaltig zu sein, muss eine Geldanlage außerdem einen Beitrag zu im europäischen Recht festgelegten Umweltzielen leisten. Unternehmen, Banken und Versicherungen müssen in ihren Jahresberichten Informationen zur Nachhaltigkeit offenlegen.

Auf seriöse Anbieter setzen

Die FMA mahnt besonders bei Investments am „grauen", also nicht regulierten Kapitalmarkt zur Vorsicht. Die dort angebotenen Produkte liegen außerhalb des Aufsichtsspektrums, dürfen aber dennoch angeboten werden. "Hier werden häufig Investitionen in grüne Immobilien, Wind- und Solarparks oder Wasserkraftwerke angeboten", bemerkt die FMA und warnt: "Wenn solche Projekte als qualifizierte Nachrangdarlehen, Unternehmensbeteiligungen, Schuldverschreibungen oder Genussrechte ausgestaltet sind, sollte man sich bewusst sein, dass bei Insolvenz des Unternehmens das gesamte investierte Geld verloren sein kann"

Um dem Greenwashing entgegenzutreten werden die gesetzlichen Bestimmungen für Produkte, die als „grün“ oder nachhaltig bezeichnet werden dürfen, auf nationaler und auf europäischer Ebene permanent verbessert und verschärft. Bei seriösen Fondsanbietern kann man sich darauf verlassen, dass als nachhaltig beworbene Fonds auch tatsächlich die entsprechenden Anforderungen erfüllen. Ein guter Indikator, wenn auch nicht der einzige, ist das Österreichische Umweltzeichen für Finanzprodukte.

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