
Ein sechsstelliger Strafrahmen für ein wenige Sekunden langes Social-Media-Reel. Eine Scheiterquote von rund 70 Prozent bei KI-Projekten in Unternehmen. Ein LLM-Anteil am Website-Traffic von weniger als 0,5 Prozent. Die erste Prompt AI Marketing Conference am 16. April in der Wiener HausWirtschaft lieferte Substanz statt Schlagworte und traf damit den Nerv einer Branche, die zwischen Aufbruch und Unsicherheit pendelt.
100 Teilnehmer:innen aus Marketing, Kreation und Unternehmenskommunikation diskutierten einen Tag lang, wo generative KI den österreichischen Markt tatsächlich verändert und wo der Hype an operativen und rechtlichen Realitäten scheitert. „Ursprünglich hatten wir mit 50 Teilnehmer:innen gerechnet. Dass die Konferenz am Ende mit 100 Personen ausverkauft war, macht mich stolz und zeigt, wie groß das Interesse am Thema KI derzeit ist", sagt David Johansson, Initiator der Prompt AI Marketing Conference. Durch das Programm führte Moderatorin Magdalena Váchová-Grabner.
Rechtsanwältin Mira Suleimenova nahm der Branche früh die Illusion, KI-generierte Inhalte seien ein rechtsfreier Spielplatz. Schon ein kurzes Reel mit KI-Bildern und KI-Musik könne gegen mehrere Gesetze gleichzeitig verstoßen, mit Strafen im sechsstelligen Bereich. Kreativ-Unternehmer Mathias Kniepeiss lieferte den wirtschaftlichen Kontrapunkt: Sujets, für die früher 100.000 Euro Budget und mehrere Wochen Produktionszeit nötig waren, lassen sich heute in Sekunden prompten. Billiger werde Kreativ-Arbeit deshalb nicht. „Es gibt im Marketing kein Gegeneinander von Mensch und Maschine. Es ist ein gemeinsames Kreativsein", so Kniepeiss.


Initiator David Johansson richtet Begrüßungsworte an das Publikum
© Dominic BerchtoldWie KI Kampagnen operativ umkrempelt, zeigten drei Fachvorträge. Ex-TikTokerin Madeleine Tang erklärte, wie TikTok als KI-gestützte Plattform funktioniert und wie Unternehmen mithilfe von KI-Tools Videos produzieren, Kampagnen ausspielen und die passenden Creator:innen für ihre Projekte finden. rendersnek-Gründer Moritz Lumetsberger demonstrierte am Format FOOH (Fake Out Of Home), wie Mixed-Reality-Spots heute ohne Drehgenehmigungen und sechsstellige Budgets entstehen, jedes fünfte Video gehe laut FOOH-Report viral. Tobias Turk positionierte AI-Lead-Magnets als nächste Evolutionsstufe klassischer PDF-Checklisten: Custom GPTs, WhatsApp-Bots und dynamische Funnels, die auf jeden Lead individuell reagieren.
Den SEO-Realitätscheck lieferte Lukas Hetzendorfer von otago. Seine Botschaft: GEO (Generative Engine Optimization) und SEO überschneiden sich massiv. Am Ende bleibe es „good old SEO" mit neuen Akzenten. Der LLM-Traffic liege aktuell bei unter 0,5 Prozent der Website-Besuche, die Nachfrage nach Online-Marketing-Agenturen laut Google Trends auf einem Allzeithoch.
Warum die Umsetzung dennoch stockt, zeigte Rafaela Artner an einer Zahl: Rund 70 Prozent der KI-Projekte in Unternehmen scheitern derzeit. Entscheidender Hebel seien weniger Tools als Kultur, konkret sichtbare Vorbilder, die KI-gestützte Marketing-Arbeit selbst vorleben.
Das Fazit der Konferenz: Österreichs Marketing-Branche ist bereit, KI strategisch einzusetzen, und sucht aktiv nach Orientierung. Genau hier will Initiator David Johansson ansetzen: „Die Resonanz zeigt uns, wie groß der Bedarf an Austausch ist. Wir planen daher bereits weitere Events in Österreich, um diesen Dialog fortzusetzen."
Über die Prompt AI Marketing Conference
Die Prompt AI Marketing Conference ist ein Treffpunkt für alle, die Künstliche Intelligenz im Marketing praktisch einsetzen wollen. Gegründet von David Johansson, versammelt die Konferenz Marketing-Entscheider:innen, Kreative und Fachexpert:innen in Österreich und schafft Raum für den Austausch zwischen Strategie, Recht, Kreation und Technologie. Die erste Ausgabe am 16. April 2026 in der Wiener HausWirtschaft war mit 100 Teilnehmer:innen ausverkauft. Mehr Informationen unter www.promptaimarketing.com.