Umtausch- und Rücktrittsrecht: Was für Unternehmer und Konsumenten gilt

Die gesetzlichen Bestimmungen für den Umtausch oder Rückgabe von Waren unterscheiden sich von Käufen für den stationären Handel und Onlineshops teils beträchtlich. Die Juristen der D.A.S. Rechtsschutz AG sagen, welche Spielregeln beim Umtausch und Rückerstattung von Geld jeweils gelten.

Thema: Rechtstipps
Umtausch- und Rücktrittsrecht: Was für Unternehmer und Konsumenten gilt

Von Herzen geschenkt, mit Erleichterung zurückgebracht. Doch beim Umtausch sind genaue gesetzliche Vorgaben einzuhalten.

Nicht alles, was man im Geschäft oder online erwirbt, macht Freude. Weder einem selbst noch dem Beschenkten. Hat man etwas geschenkt bekommen, bleibt einem zunächst nicht erspart, den delikaten Wunsch nach einem Umtausch gegenüber dem Geschenkgeber zu äußern. Doch selbst wenn man die Rechnung in Händen hält, muss der Rest nicht unbedingt ein Kinderspiel sein. Welche gesetzlichen Regeln für Unternehmer und Kunden gelten.

Umtausch-Recht im stationären Handel


Gibt es ein gesetzliches Umtauschrecht?

Ein gesetzlich verankertes Recht auf Umtausch gibt es nicht. Da dieser Anspruch freiwillig ist, können sich die Unternehmen auch selbst die Bedingungen festlegen. So können Rechnung und Originalverpackung als Voraussetzung für die Rückgabe vom Unternehmen festgelegt werden.


Wie wird das Umtauschrecht in der Praxis gehandhabt?

"In vielen Geschäften wird Ware aus Kulanz zwar problemlos zurückgenommen, aber meistens bekommt man dafür nicht das Geld zurück, sondern nur eine Gutschrift", warnen die D.A.S. Juristen.


Sind individuelle Vereinbarungen möglich?

Wer jemandem etwas schenkt und von vornherein Bedenken hat, ob das Geschenk gefällt, kann mit dem Verkäufer individuell ein Umtauschrecht vereinbaren. Für den Fall, dass das Geschenk nicht gut ankommt, kann man das vereinbaren und auch, dass man beim Umtausch das Geld zurückbekommt. Lassen Sie sich das auf der Rechnung bestätigen, raten die D.A.S. Rechtsexperten.

Eintauschfrist für Gutscheine


Gutschrift: Welche Recht der Aussteller bei der Gültigkeitsdauer hat

Wer Gutscheine schenkt, sollte darauf achten, ob auf dem Gutschein eine Eintauschfrist angegeben ist. Grundsätzlich ist ein Gutschein 30 Jahre gültig. Doch Vorsicht: Der Aussteller darf die Gültigkeitsdauer verkürzen. Das muss aber direkt auf dem Gutschein vermerkt sein.


Gültigkeitsdauer kann stark verkürzt werden

Es gibt jedoch auch Gutscheine, bei denen es von vorneherein eine Mindestfrist gibt. Sie darf jedoch nicht zu kurz bemessen sein: Der Oberste Gerichtshof hat entschieden, dass eine Befristung unter zwei Jahren im Einzelfall rechtswidrig sein kann. Doch auch diese Grenze kann in Einzelfällen zu niedrig sei. Der OGH entschied etwa, dass bei Thermengutscheinen eine Befristung von zwei Jahren zu kurz ist (7 Ob 22/12 d).

Das Rücktrittsrecht im Onlinehandel


Gesetzliches Rücktrittrecht für Onlinebestellungen

Bei Verträgen, die den Online-, den Versandhandel oder telefonische Bestellungen betreffen, gilt das Fernabsatzgesetz (FAGG). Im Gegensatz zum stationären Handel gilt in diesen Fällen sehr wohl ein gesetzliches Rücktrittsrecht. Dieses ist jedoch auf 14 Werktage beschränkt. Die Frist beginnt ab dem Einlangen der Ware oder ab Vertragsabschluss zu laufen. Es genügt, wenn die Rücktrittserklärung innerhalb der Rücktrittsfrist abgesendet wird.


Welche gesetzlichen Bestimmungen auf online gebuchte Flüge und Reisen gelten

Anders ist die Lage bei Reisen. Bei Flügen und ganzen Reisen, die im Internet gebucht werden, gibt es kein gesetzliches Rücktrittsrecht. Eine Reise online zu buchen, will daher vorher gut überlegt sein.


Welche Aufklärungspflicht gelten für das Rücktrittsrecht?

Der Onlinehändler muss den Verbraucher ausdrücklich auf das Rücktrittsrecht hinweisen und ihm dafür ein Musterwiderrufsformular zur Verfügung stellen. Die bloße Möglichkeit, ein Widerrufsformular downzuloaden, reicht nicht aus. Bereits ab der Vertragserklärung kann der Verbraucher ohne Angabe von Gründen vom Vertrag zurücktreten.


Wann sich die Rücktrittsfrist automatisch verlängert

Diese Frist verlängert sich nochmals um zwölf Monate, wenn der Verbraucher vor Vertragsabschluss nicht auf das Rücktrittsrecht oder das Widerrufsformular hingewiesen wurde. Holt der Online-Händler diese Information später nach, gilt ab diesem Zeitpunkt wiederum die 14-tägige Rücktrittsfrist.


Müssen Konsumenten ein Widerrufsformular verwenden?

Niemand ist jedoch verpflichtet, das Widerrufsformular zu verwenden. Der Rücktritt kann genauso gut formlos erfolgen. Das bedeutet, dass dem Gesetz nach auch ein telefonisch erklärter Rücktritt gilt. Zu Beweiszwecken sollte der Rücktritt aber doch zumindest per E-Mail erklärt werden.


Reicht es die Ware nur zurückschicken?

Das bloße Zurückschicken der Ware, ohne Erklärung des Widerrufs, reicht allerdings nicht aus. Hier kann der Händler aber in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen etwas anderes vereinbaren.


Innerhalb welcher Frist Händler Geld rücküberweisen müssen

Wurde die Ware schon vor der Lieferung bezahlt und innerhalb der Rücktrittsfrist retour geschickt, muss der Händler den Kaufpreis unverzüglich zurückzahlen, längstens innerhalb von 14 Tagen. Käufer müssen sich nicht mit Gutschrift abspeisen lassen, denn die Händler sind dazu verpflichtet, das Geld rück zu überweisen.


Wer muss das Porto für die Retourware bezahlen?

Das Porto für den Rückversand ist vom Käufer zu begleichen. Einzelne Onlinehändler übernehmen allerdings freiwillig das Rücksendeporto.


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Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:
Seit 1956 ist die D.A.S. Rechtsschutz AG mit Spezialisierung auf Rechtsschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen in Österreich tätig. Als unabhängiger Rechtsdienstleister bietet sie umfassenden Versicherungsschutz, fachliche Betreuung durch hochqualifizierte juristische Mitarbeiter und RechtsService-Leistungen wie die D.A.S. Direkthilfe® und D.A.S. Rechtsberatung an. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Die rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen Kunden in ganz Österreich zur Verfügung. In den vergangenen Jahren hat die D.A.S. Österreich ihre starke Marktposition als Rechtsschutzspezialist gefestigt und wird bereits seit 2009 jährlich mit einem stabilen A-Rating durch Standard & Poor’s bewertet. Das Versicherungsunternehmen ist seit Juli 2018 Netzwerkpartner der Leitbetriebe Austria und absolvierte 2020 erfolgreich eine Re-Zertifizierung. Im selben Jahr ist die D.A.S. auch mit dem Silbernen Siegel als „Best Recruiter“ ausgezeichnet worden.
Seit 1928 steht die internationale D.A.S. für Kompetenz und Leistungsstärke im Rechtsschutz. Heute agieren D.A.S. Gesellschaften in mehr als 10 Ländern weltweit. Sie sind die Spezialisten für Rechtsschutz der ERGO Group AG. Die D.A.S. Rechtsschutz AG agiert seit 2014 als Muttergesellschaft der D.A.S. Tschechien.

Haftungsauschluss:
Antworten auf Fragen und bereitgestellte Texte haben lediglich Informationscharakter. Sie wurden von den Rechtsexperten der D.A.S. bzw. durch deren Partneranwälte gründlich recherchiert. Trotzdem übernehmen trend.at und die D.A.S. Rechtsschutz AG keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.

Take Aways
  • Die gesetzlichen Regeln für den Umtausch für Ware, die im stationären Handel gekauft wurde
  • Ein gesetzlich verankertes Recht auf Umtausch gibt es nämlich nicht
  • Individuelles Recht auf Umtausch kann vereinbart werden
  • Unternehmen können Eintauschfrist von Gutscheinen unter bestimmten Umständen verkürzen
  • Das Rücktrittsrecht im Onlinehandel:
    Bei Verträgen, die den Online-, den Versandhandel oder telefonische Bestellungen betreffen, gilt sehr wohl ein gesetzliches Rücktrittsrecht.
    Das Rücktrittsrecht ist auf 14 Werktage beschränkt. Die Frist beginnt ab dem Einlangen der Ware oder ab Vertragsabschluss zu laufen.
  • Onlinehändler müssen den Verbraucher auf das Rücktrittsrecht hinweisen und ihm dafür ein Musterwiderrufsformular zur Verfügung stellen.
  • Diese Frist verlängert sich nochmals um zwölf Monate, wenn der Verbraucher vor Vertragsabschluss nicht auf das Rücktrittsrecht oder das Widerrufsformular hingewiesen wurde.
    Wurde die Ware vor der Lieferung bezahlt und innerhalb der Rücktrittsfrist retour geschickt, muss der Händler den Kaufpreis innerhalb von 14 Tagen rücküberweisen

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