Reise-Stornoversicherungen: kein Anspruch bei Epidemien

Bei den meisten Reisestornoversicherungen sind Epidemien als Entschädigungsgrund ausgeschlossen. Nur bei Pauschalreisen und wenn man selbst oder Familienmitglieder erkranken, hat man unter bestimmten Bedingungen Chancen auf eine kostenlose Stornierung der Reise.

Thema: Rechtstipps
Reise-Stornoversicherungen: kein Anspruch bei Epidemien

Etliche Regionen in Italien sind derzeit wegen des Corona-Viruses im Ausnahmezustand. Urlauber sind verunsichert.

In Italien wurden Ausgehverbote verhängt, Menschen dürfen in bestimmten Regionen nur noch mit Schutzmasken den Supermarkt betreten, der Karneval von Venedig wurde abgesagt. Kaum jemand, der eine Reise in die betroffenen Regionen gebucht hat, will derzeit dort hin. Auch bei geplanten Reisen in andere Gebiete in Italien, dürften viele ein mulmiges Gefühl beschleichen. Doch was tun? Welche Storno-Regeln gelten in diesem speziellen Fall?

Stornoversicherung schützt nicht
Die rechtliche Lage ist für jene mit Reiseschutzversicherung jedoch wenig erfreulich. „In der aktuellen Situation rund um die Corona-Erkrankungen in Italien würde selbst eine rechtzeitig abgeschlossene Reisestornoversicherung bei den meisten Versicherungsgesellschaften keinen Versicherungsschutz bieten“, sagt Johannes Loinger, Vorsitzender des Vorstandes der D.A.S. Rechtsschutz AG. In den allgemeinen Bedingungen der Versicherungen sind behördliche Maßnahmen wie das Ausrufen eines Notstands oder das Absagen von Veranstaltungen sowie Epidemien ausgeschlossen. "Der Versicherungsschutz bei Stornierung einer Reise ist nur gegeben, wenn eine Krankheit den Reisenden selbst, Mitreisende oder bestimmte nahe Angehörige und manchmal sogar eigene Haustiere betrifft", so Loinger weiter.

Italien hat Zivilnotstand ausgerufen - Maßnahmen jederzeit umsetzbar
Die an Österreich angrenzende Region Friaul-Julisch Venetien hat am 22. Februar 2020 den Zivilschutznotstand erklärt. Der Notstand ist zurzeit in erster Linie eine administrative Maßnahme, die es der Region ermöglicht, im Bedarfsfall ohne die sonst verpflichtenden öffentlichen Ausschreibungen bestimmte medizinische Anschaffungen durchführen und Bauten errichten zu können.

Aus Anlass von Coronavirus-Erkrankungen wurden in der Region eine Reihe von Maßnahmen beschlossen:

  • Für elf Gemeinden in der Lombardei wurden Ein- bzw. Ausreisesperren verhängt: Vò Euganeo, Codogno, Castiglione d’Adda, Casalpusterlengo, Fombio, Maleo, Somaglia, Bertonico, Terranova dei Passerini, Castelgerundo und San Fiorano.
  • Universitäten, Kindergärten und Schulen in der Lombardei, Ligurien, Piemont, Südtirol, Trient, Friaul-Julisch Venetien, Emilia Romagna und Venetien bleiben bis zumindest 1. März 2020 geschlossen . Österreichische Studenten, die derzeit nicht in Italien sind, sollen vor einer Rückreise überprüfen, ob die Bildungseinrichtungen geöffnet sind.
  • In den Regionen Lombardei, Venetien und Friaul-Julisch Venetien wurden alle größeren öffentlichen Veranstaltungen , in Venedig und der Lombardei auch private Veranstaltungen, für die kommende Woche abgesagt. Davon betroffen sind Sport- und Kulturveranstaltungen. In der Lombardei und Venetien betrifft das auch Gottesdienste, Museen und Nachtlokale.
  • Der Karneval in Venedig und Aufführungen in der Scala in Mailand wurden für eine Woche abgesagt. Der Dom in Mailand ist ebenfalls geschlossen.

Im Zweifelsfall mit Buchung zuwarten
Der Kärntner Landeshauptmann rät derzeit von Italien-Reisen ab, sofern sie nicht zwingend notwendig sind. Urlauber, die aufgrund der Vorkommnisse in Italien verunsichert sind, sollten die Situation genau beobachten und mit einer Buchung noch zuwarten. Stets aktualisierte Informationen finden sich auf der Website des Außenministeriums.

Je kürzer vor Reiseantritt, umso höher die Stornokosten
Ein Rücktritt von bereits gebuchten Reisen ist zwar jederzeit möglich, aber meist mit Kosten verbunden. „Jeder Hotelbetreiber oder Reiseveranstalter informiert vor Abschluss über die jeweiligen Stornobedingungen. Je kürzer vor Antritt der Reise diese storniert wird, desto höher fallen üblicherweise die Stornokosten aus“, erklärt Loinger.

Bei Pauschalreisen sind kostenlose Stornierungen bei ungewöhnlichen Umständen möglich
"Bei Pauschalreisen ist eine kostenlose Stornierung möglich, wenn am Reiseziel oder in dessen unmittelbaren Umgebung unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände auftreten. Diese Umstände müssen die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen“, so der Vorsitzende des Vorstandes der D.A.S. Rechtsschutz AG.

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