Reiseveranstalter pleite: Was tun?

Reiseveranstalter pleite: Was tun?

Reiseveranstalter pleite? Es kann für die Gäste vor Ort zu Auseinandersetzungen mit dem Hotelbetreiber kommen.

Wenn eine Reiseveranstalter pleite ist, lassen Hotelbetreiber Ihre Gäste oft erst gehen, wenn Sie die bereits bezahlte Pauschalreise vor Ort noch einmal zahlen. Was tun, wenn man kurz vor Reiseantritt steht und der Reiseanbieter ist insolvent? Wie machen jene, die bereits eine Anzahlung geleistet haben, ihre Ansprüche geltend?

So eine Reise kann auch heftige Stressreaktionen auslösen. Nicht der Unwägbarkeiten der Natur oder Dieben wegen, sondern weil der Hotelier den Gast nicht wieder abreisen lässt und wie einen Gefangenen behandelt, sofern dieser ihm Bargeld ausgehändigt hat, obwohl die Reise bereits im Heimatland beglichen wurde

Von solchen Fällen berichten offenbar auch Reisende, die bei Thomas Cook eine Pauschalreise gebucht haben, seit bekannt wurde, dass der Reiseveranstalter pleite ist und Hoteliers im Urlaubsland deshalb fürchten, um ihre Zahlung umzufallen. "Zu solchen Maßnahmen ist auch in der Vergangenheit immer wieder bei Insolvenzen gekommen“, weiß der Wiener Rechtsanwalt Martin Alt, Spezialist für Reiserecht.


Lohnt sich nicht einen Aufstand zu machen und vielleicht ins Gefängnis zu wandern

Die Reise vor Ort auf Druck des Hoteliers noch einmal zahlen?
Die drängendsten Fragen stellen sich, wenn man bereits auf Reise ist. Ist man bereits im Reiseland, muss man bei einer Pleite eines Reiseveranstalters oder eines Reisebüros mit dem Worst-Case-Szenario rechnen: Der Hotelier lässt den Gast nur abreisen, wenn dieser ihm vorher die Reise bar zahlt - selbst, wenn die Reise vor Antritt bereits zur Gänze bezahlt wurde. Anwalt Alt: "Es lohnt sich deshalb aber nicht einen Aufstand zu machen." Der Gast muss schließlich damit rechnen, wenn er nicht zahlt, seinen Pass nicht mehr wieder zu sehen oder gar vielleicht ins Gefängnis zu wandern. "Gerade in Ländern wie der Türkei oder Ägypten sei das keine gute Idee.“


Lassen Sie sich eine Rechnung geben oder zahlen sie nur vor Zeugen
Wenn man sich schon vor Ort genötigt sieht dem Quartiergeber die Reise, die man bereits in Österreich beglichen hat, noch einmal zu zahlen, sollte man sich dafür eine Rechnung ausstellen lassen. „Wenn selbst das abgelehnt wird, sollte das zumindest vor Zeugen passieren“, rät Rechtsanwalt Alt. Zu Hause sollte man anschließend seine Ansprüche in Ruhe durchsetzen. Theoretisch ist natürlich der Reisende im Recht und der Quartiergeber verpflichtet seinen Gast gehen zu lassen und auch zu befördern. „Aber der Rechtsstaat ist in vielen Urlaubsländern mit jenem in Österreich oft nicht vergleichbar“, stellt Alt klar..

Die besten Tipps, wenn Sie kurz vor Reiseantritt sind
In einer heiklen Lage befinden sich auch jene, die kurz nach bekannt werden einer Insolvenz eines Reiseveranstalters, vor der Abreise stehen.
1. Gehen Sie in das Reisebüro , das ihnen die Reise des Veranstalters verkauft hat. Diese sind dazu verpflichtet, Sie bei Fragen zu Ihrer Reise zu unterstützen und Sie entsprechend zu informieren und zu beraten.
2. Reisebereitschaft signalisieren und zum Flughafen fahren. Wenn es dafür schon zu spät sein sollte oder das Reisebüro geschlossen hat, dem empfiehlt das Reisebüro Ruefa Reisende auf jeden Fall zum Flughafen zu fahren und vor Ort zu sehen, ob die Reise angetreten werden kann. Damit ist die sogenannte „Reisebereitschaft“ seitens der Kundinnen und Kunden sichergestellt. Gleiches gilt auch für Reisende, die an ihrem Urlaubsort auf die Heimreise warten.
3. Nehmen Sie Bargeld mit. Damit können Sie vor Ort etwaige Ansprüche wie die Hotelrechnung begleichen. Davon sich darauf zu verlassen, bei Bedarf Geld im Reiseland von einem Bankomat zu beheben, rät Alt ab. „Das fängt schon im Süden Europas an, wo Reisende oft nur schwer einen Geldautomaten, bei denen Ausländer Geld beheben können.“ Außerhalb Europas kann es sowieso überall problematisch sein, Geld von einem Bankomat zu beheben. Euros werden mittlerweile praktisch überall gerne genommen.

Geringes Risiko Reise doppelt zu bezahlen
Das Risiko am Ende doppelt zu bezahlen und das zu viel bezahlte Geld an den Unterkunftgeber nie wieder zu sehen, stuft Alt aber als gering ein. „Die Chance das Geld wieder zu bekommen, ist sehr hoch“, beruhigt der Reisespezialist. Das ist eine typische Leistung für eine Versicherung.


Risiko: Zu hohe Anzahlung bezahlt

Problematisch kann es jedoch werden, wenn die Anzahlung, die Reisende geleistet haben, höher als notwendig war. Welche Grenzen es dafür gibt, steht in den Reisebedingungen, oft auch im Prospekt und sich im Reisebüro oder meist auch auf der Homepage des Anbieters herausfinden. Im Schnitt wird eine Anzahlung von 20 Prozent verlangt. Der Rest ist kurz vor Reiseantritt zu begleichen.
Kaum Schwierigkeiten zu seinem Recht zu kommen
Wer weder vom Hotelier erpresst wird noch zu viel bezahlt hat, hat es in den meisten Fällen einfach seine Rechte bei einer Insolvenz eines Reiseveranstalters oder Reisebüros durchzusetzen. „Es gibt erfahrungsgemäß kaum Komplikationen“, so Reiserechtsprofi Alt.

So werden Ansprüche geltend gemacht
Ist wie im Fall Thomas Cook der Reiseveranstalter insolvent, wendet man sich am besten an den sogenannten Abwickler der Versicherer, den jeder Reiseveranstalter für solche Fälle gesetzlich abschließen muss. Informationen über den dafür zuständigen Abwickler darüber finden sich in den Reiseunterlagen, auf der Homepage des Veranstalters.

Was ein Abwickler leisten muss
Ein solcher Abwickler muss rund um die Uhr erreichbar sein und laut Gesetz über die erforderliche personelle, technische und infrastrukturelle Ausstattung zur Schadensabwicklung verfügt. an Der Abwickler ist verpflichtet im Auftrag des Versicherers oder Garanten die Abwicklung der Ansprüche der Reisenden zu übernehmen und gegebenenfalls die für die Rückreise der Reisenden erforderlichen Maßnahmen zu treffen.
Die Europäische Reiseversicherung steht beispielsweise ihren Partnern als Abwickler zur Verfügung und ist für rund 500 Reiseveranstalter in dieser Funktion tätig.

Insolvenzversicherung greift nur bei Pauschalreise
Damit die Insolvenzabsicherung greift, muss es sich um eine Pauschalreisen oder sogenannte verbundenen Reiseleistung handeln. Dazu müssen zwei verschiedene Leistungen zu einem Preis gebucht worden sein – meistens ist das Flug und Hotel. Wer sich eine Reise selbst zusammengestellt, schaut finanziell durch die Finger.

Entscheidend ist auch, die Ansprüche binnen acht Wochen ab Eintritt der Insolvenz anzumelden. Im Fall Thomas Cook ist das die AWP P&C S.A. (Allianz Travel) in Wien.

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