Drohnen: Neue EU-Regeln für Private und Unternehmen

Drohnen: Neue EU-Regeln für Private und Unternehmen

Christian Struwe vom Drohnenspezialisten DJI, sprach über die Auswirkungen der neuen europäischen Drohnenverordnung, welche Veränderungen diese mit sich bringt und was diese für kommerzielle Drohnennutzer in Europa bedeuten wird.

trend: Herr Struwe, die Europäische Kommission hat kürzlich die Vorschriften zum Betrieb von Drohnen verabschiedet. Wie beurteilen Sie als Marktführer für die unbemannte Luftfahrt in Europa dazu?
Struwe:
Der Verabschiedung ist ein dreijähriger Entscheidungsfindungsprozess vorausgegangen, an dem wir und andere Unternehmen der Drohnenindustrie eine Schlüsselrolle gespielt haben. Der Markt wird nun harmonisiert, was einen noch stärkeren Markt für die Drohnenindustrie in Europa ermöglichen und fördern wird. Piloten können nun ihre Drohnen mit ins Ausland nehmen, ohne sich um abweichende Regelungen Sorgen machen zu müssen. Kommerziellen Betreibern stehen so neue Märkte zur Verfügung in denen sie ihr Geschäft zu den gleichen Bedingungen wie in ihrem Heimatland ausbauen können. Dieses Drohnen-Regelwerk öffnet die Tür zu mehr Flugsicherheit, mehr Compliance und Verständnis bei Drohnenbetreibern.

trend: Die Verordnung ist seit 11. Juni 2019 in Kraft. Wird es unmittelbare Auswirkungen geben?
Struwe: 2019 wird es nur sehr begrenzt Auswirkungen geben, da die meisten Änderungen aufgrund von Übergangszeiten erst 2020 und in den darauffolgenden Jahren stattfinden werden.

trend: Können die Staaten selbst zusätzlich noch eigene Regeln aufstellen?
Struwe: Die nationalen Behörden sind befugt, die Einzelheiten festzulegen, wie einen bestimmten Luftraum, in dem Drohnen nicht fliegen dürfen, oder welche Organisationen befugt sind, Drohnenpiloten auszubilden und zu zertifizieren, und was genau diese Ausbildung umfassen soll.

trend: Inwiefern unterscheidet sie sich von den derzeitigen nationalen Vorschriften?
Struwe: Im Grunde wird es keine großen Veränderungen geben. Neu ist, dass die Vorschriften sowohl Luftfahrt- (Luft-Luft- und Luft-Bodenrisiko) als auch Sicherheits-, Datenschutz- und Umweltaspekte abdecken. Es ist laut der neuen Verordnung nicht die Art bzw. der Zweck des Einsatzes ausschlaggebend, sondern nur das zu erwartende Risiko. Berufs- und Freizeitpiloten genießen die gleichen Rechte und Pflichten. Sie können in den Kategorien Open, Specific und Certified operieren, wenn sie die Kriterien erfüllen.

trend: Welche Risiko-Einteilungen gibt es laut der neuen Verordnung?
Struwe: Beispiele für die in der neuen Verordnung geregelten Risiken sind Flug über oder in der Nähe von Personen, Flüge in der Nähe von Flughäfen, Gewicht der Drohne, Lärmbelastung und das Recht auf Privatsphäre.

trend: Wann werden Flüge als Open, Specific oder Certified kategorisiert und welche Vorschriften gelten jeweils?
Struwe: Operationen mit geringem Risiko werden in der Kategorie "Open" zusammengefasst: für diese sind keine vorherigen Genehmigungen erforderlich. Die Kategorie "Specific" gilt für Einsätze, bei denen ein mittleres Risiko angenommen wird und die vor dem Einsatz von einer zuständigen Behörde genehmigt werden müssen. Bei diesen Einsätzen müssen entweder Standardszenarios erfüllt werden oder es erfolgt eine individuelle Risikobewertung nach der sogenannten SORA-Methode, in der dargelegt wird, wie die Mission sicher durchgeführt werden kann. Die Kategorie "Certified" umfasst Einsätze mit hohem Risiko: Das bedeutet, dass Sie eine zertifizierte Drohne, einen lizenzierten Piloten und ein von einer zuständigen Behörde zugelassenes Unternehmen benötigen.

trend: Viele kommerzielle Aktivitäten dürften in die Kategorie "Specific" fallen. Wie hoch wird der Aufwand für die Erteilung der Betriebsgenehmigung sein?
Struwe: Es werden Standardszenarien erstellt werden, die die meisten Einsätze abdecken sollten. Der Betreiber muss erklären oder nachweisen, dass es sich um ein Standardszenario handelt. Wenn nicht, ist eine vollständige SORA-Bewertung erforderlich. Im Standardszenario werden die Maßnahmen zur Risikominderung und die technischen Anforderungen beschrieben werden. Derzeit befinden sich diese Szenarien jedoch noch in der Entwicklung. Wir erwarten zwei Gruppen von STS bis Ende 2019. Dadurch sollte jedoch Rechtssicherheit geschaffen werden.

trend: Nennen Sie Beispiele eines Standardszenarios?
Struwe: Standardszenarios könnten etwa die Luftbildkartierung über einem besiedelten Gebiet oder die Inspektion der linearen Infrastruktur in der Nähe von städtischen Gebieten ebenso wie die Nutzung von Drohnen durch Rettungsdienste sein.

trend: Was passiert mit den bisherigen Ausnahmen und Verordnungen?
Struwe: Bis Juli 2020 können Piloten noch nach den geltenden nationalen Vorschriften arbeiten. Sie können weiterhin eine Genehmigung oder Freistellung auf Basis dieser Vorschriften beantragen. Ab Juli 2020 können Sie bereits erhaltene Genehmigungen und Ausnahmen noch bis Juli 2022 nutzen. Nach Juli 2022 gelten nur noch die EU-Vorschriften.

trend: Bisher erhielten staatliche Einsätze wie vom Militär, Zoll, Polizei, Feuerwehr eine Befreiung. Erwarten Sie, dass dies beibehalten wird?
Struwe: Ja, diese Anforderung an Einsätze für die öffentliche Sicherheit ist bereits in der Opinion der Europäischen Agentur für Flugsicherheit enthalten. Wir gehen davon aus, dass staatliche Stellen.

trend:
Wird der kommerzielle Einsatz durch die Verordnung erleichtert werden?

Struwe: Die einheitliche maximale Höhe von 120 Meter wird den Einsatz erleichtern und ist etwas höher als das, was einige Länder derzeit erlauben. Automatisierte und autonome Flüge werden leichter möglich sein, und da das Hauptrisiko mit Blick auf Menschen und nicht auf Gebäude definiert wird, werden Einsätze in städtischen Gebieten einfacher möglich sein.

trend: Was würden Sie als die größte Herausforderung auf dem Weg zum Jahr 2022 und was wird der größte Nutzen für die kommerzielle Drohnengemeinschaft sein?
Struwe:
Die größte Herausforderung besteht darin, dafür zu sorgen, dass die europäischen Staaten die Verordnung in gleicher Weise umsetzen. Bisher gab es in der EU kaum koordinierte Drohnenvorschriften. Einige Staaten haben das sogar genutzt, um eine nationale Industrie aufzubauen. Um einen funktionierenden Markt zu erreichen, müssen solche Einzelgänge überwunden werden. Wenn wir das schaffen, dann halte ich die Vorteile der neuen Verordnung für hoch. Es besteht eine gute Aussicht auf eine echte kommerzielle Verbreitung von Drohnen.


Über DJI
DJI ist laut eigenen Angaben Marktführer bei zivilen unbemannten Luftfahrzeuge und Luftbildtechnologie und wurde im Jahr 2006 für ferngesteuerte Helikopter gegründet. Mit eigener Forschung und Entwicklung, hat das Unternehmen den Anspruch, Produkte in Premiumqualität anzubieten. Das Unternehmen ist in mehr als 100 Ländern tätig. Für die Anwendung in der Film-, Werbe- oder Bauindustrie, bei Inspektionen, im Hobbybereich, im Bereich der Brandbekämpfung oder etwa der Landwirtschaft.

Grillpartys & Co: Wann rechtlich die rote Linie überschritten ist

Rechtstipps

Grillpartys & Co: Wann rechtlich die rote Linie überschritten ist

Rechtstipps

Produktrückruf: Welches Recht für Konsumenten und Firmen gilt

"Slowenen haben bei jeder Ausschreibung Wettbewerbsvorteile"

Recht

"Slowenen haben bei jeder Ausschreibung Wettbewerbsvorteile"

Recht

So hart könnte ein neues Urteil über persönliche Daten Firmen treffen