Atonale Klänge - Streit um Künstler und Provisionen

Atonale Klänge - Streit um Künstler und Provisionen

Opernstar Annette Dasch ist wie viele andere Sänger und Dirigenten zwischen die Fronten geraten. Ihre Provisionen werden jetzt von Ermittlern durchleuchtet.

Wieder einmal erschüttert ein Skandal die Wiener Kulturszene. Zwei große Künstlervermittler streiten sich um Künstler und Provisionen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Künstleragentur wegen Betrugs.

Die Liste der Zeugen liest sich wie das Who 's who der Klassikwelt: Sopranistin Annette Dasch, der Chefdirigent der Wiener Symphoniker Philippe Jordan oder Opernsänger Norbert Ernst. Sie alle und noch viel mehr Künstler sind Leidtragende eines Megakonflikts, der zwischen zwei in Wien ansässigen Künstlervermittlungsagenturen tobt und der inzwischen auch gerichtsanhängig ist. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt gegenüber trend strafrechtliche Ermittlungen unter der Aktenzahl 45 St 351/17i unter anderem wegen schweren Betrugs.

Die Anfänge des Falls reichen bis ins Jahr 2011 zurück, als IAAC Italartist Austroconcert, einer der größten Künstlervermittler mit Sitz in Wien, mit Michael L., einem in der Szene bestens bekannten Agenten, eine Kooperation einging. Man wollte die Künstler künftig gemeinsam an die großen Opern- und Konzerthäuser vermitteln und sich die Provisionen -in der Regel rund zehn Prozent der Gage - und Kosten nach einem vereinbarten Schlüssel aufteilen.

Doch schon nach ein paar Jahren verlief die Kooperation, jedenfalls für IAAC, heute Medea Music, nicht unbedingt nach Wunsch. Die Provisionen blieben weitgehend aus und Künstler verabschiedeten sich reihenweise ohne erfindlichen Grund von der alteingesessenen Wiener Agentur. Dies geht alles aus der Sachverhaltsdarstellung hervor, die trend vorliegt und von IAAC im Herbst 2017 eingebracht wurde.

Also versuchte Elisabetta Hartl, die Eigentümerin von IAAC, dem Schwund auf den Grund zu gehen und wurde fündig. Michael L., so der Verdacht, soll gemeinsam mit ehemaligen Mitarbeitern von IAAC etliche Künstler mit Falschinformationen von IAAC weggelockt haben, um an deren Provisionen zu kommen. Für alle Beteiligten gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Künstler sollen weiters vom Kooperationspartner L. schriftlich angewiesen worden sein, von IAAC und L. gemeinsam vermittelte Leistungen nun an ein neues Unternehmen mit Namen ARSIS Artist Management zu bezahlen. Was diese im guten Glauben und in Unkenntnis, wer nun eigentlich ihr richtiger Vermittler sei, auch vielfach taten. Denn inzwischen sind auch nahezu alle Mitarbeiter von IAAC zu ARSIS gewechselt, was wiederum Gegenstand einiger Verfahren beim Arbeits- und Sozialgericht ist. Bei ARSIS war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Mittlerweile beläuft sich der Gesamtschaden für IAAC auf mehr als 500.000 Euro, weitere vermittelte Engagements werden noch durchleuchtet. Weit mehr als 100 Vermittlungsgeschäfte in der Zeit von Mitte 2015 bis Mitte 2017 könnten davon betroffen sein. Die Schwierigkeit dabei: In Künstlerkreisen ist es oftmals üblich, Verträge rein mündlich zu vereinbaren. Die Suche nach Beweisen gestaltet sich also für die Anzeiger mühsam. Und eine von diesen angeregte Sicherstellung von E-Mails bei ARSIS hat bislang noch nicht stattgefunden.

Also müssen die Ermittler verstärkt auf die Aussagen der prominenten Künstler zurückgreifen, die zum Teil, wie etwa Norbert Ernst, schon befragt wurden und in den nächsten Monaten noch befragt werden. Allerdings wird die Arbeit der Staatsanwaltschaft Wien wohl noch längere Zeit dauern, denn nach eineinhalb Jahren Ermittlungsarbeit hat nun ein neuer Staatsanwalt übernommen.


Die Geschichte ist der trend-Ausgabe 13/2019 vom 29. März 2019 entnommen.

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