Künstliche Intelligenz: Übernehmen Roboter die Chefetagen?

Künstliche Intelligenz: Übernehmen Roboter die Chefetagen?

Ein Roboter als Chef? Barbara Stöttinger von der WU Executive Academy ist skeptisch: "Beim Beziehungsaufbau ist die menschliche Komponente nicht ersetzbar."

Ein Roboter im Chefsessel? Noch ist das Fiktion, aber Künstliche Intelligenz verändert auch die Anforderungen an Führungskräfte. Selbst wenn deren Jobs noch nicht unmittelbar vom Robo-CEO gefährdet scheinen.

In 30 Jahren", so Jack Ma, Gründer der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba, "wird wahrscheinlich ein Roboter als weltbester CEO auf dem Cover des 'Time Magazine' sein." Roboter, argumentiert der selbst zur aktuellen Management-Weltelite zählende Ma, seien schneller und rationaler in ihren Entscheidungen, würden sich dabei nicht in Emotionen verzetteln und etwa von Zorn oder Ärger auf Konkurrenten leiten lassen. Die Basis dafür ist das technologische Megathema künstliche Intelligenz (KI) in Verbindung mit Big Data.

"Schon in den 1980ern war erstmals ein Hype ausgebrochen, die Prognosen waren damals reichlich überzogen", erinnert sich Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, der Business School der Wiener Wirtschaftsuniversität. "Nun ist es aber so weit", so Stöttinger weiter, "basierend auf enormen Datenmengen und gesteigerter Rechenleistung dringt KI in alle Lebensbereiche vor und verändert die Wirtschaft, wie wir sie kennen." So stößt das Niveau der Spracherkennung durch KI in neue Dimensionen vor, Algorithmen steuern bereits auf breiter Front und ohne menschliches Zutun Online-Marketingaktivitäten. In der Finanzbranche sollen Robo-Advisors Anlegern bessere Renditen liefern als menschliche Portfolio-Manager, und der Versicherungskonzern Zurich denkt daran, die Schadensabwicklung Maschinen zu überlassen, weil sie Entscheidungen, an denen Schadensreferenten aus Fleisch und Blut eine Stunde lang sitzen, binnen weniger Sekunden treffen können.

Bessere Routine-Entscheidungen

Die Überlegenheit von auf Algorithmen basierenden Entscheidungsmaschinen bei wiederkehrenden Routineentscheidungen ist relativ unumstritten. Doch gilt das auch für klassische Führungsaufgaben?

Im japanischen Technologiekonzern Hitachi wurde tatsächlich schon ein System entwickelt, das den Mitarbeitern ihre Arbeitsaufgaben zuweist - ihr Vorgesetzter ist ein Robo-Boss. Doch ob der mit etwas Management Education - in diesem Fall wohl in Form von ein paar Systemupdates - Aufstiegschancen in die Chefetage hat und eines Tages als Robo-CEO ein Board-Meeting leiten kann, wird von Expertin Stöttinger zumindest stark bezweifelt: "KI ist für Führungskräfte eine große Hilfe in der Entscheidungsunterstützung, denn es können viel größere Datenmengen verarbeitet werden als bisher im Berichtswesen, in ERP-oder Managementinformationssystemen." Jedoch: "Das ist kein qualitativer Sprung."

Menschliche Führung

Aus ihrer Sicht ist daher der genuin menschliche Beitrag zum Thema Leadership unverzichtbar. "Visionen vorgeben, Mitarbeiter motivieren, Beziehungen aufbauen - das sehe ich alles nicht in der KI", sagt die WU-Expertin. Auch wenn diese beim Erkennen von Mustern in großen Datenmengen unschlagbar ist, würde ein echter Leader die Letztentscheidung nicht an eine Maschine abtreten. "Bei großen Entscheidungen geht es ja oft genau darum, bestimmte eingefahrene Muster zu durchbrechen", so Stöttinger. Solche Weggabelungen oder Disruptionen zu erkennen, erfordert geradezu menschliche Kreativität und Intuition.

"Künstliche Intelligenz ermöglicht Effizienzsteigerung und das Vordringen in neue Geschäftsfelder. Allerdings braucht es eine umfassende Strategie, wie das in die täglich Arbeit der Mitarbeiter integriert wird und welche Vorteile es konkret bringt", fasst Stöttinger zusammen. Führungskräfte werden also nicht zwangsläufig durch Roboter ersetzt. Was sie aber unbedingt brauchen, um ihre Jobs zu behalten, sind Wissen und Gespür für die neuen Technologien und ihre Einsatzfelder sowie die Chancen, die sich mit ihnen eröffnen. Genau auf die Vermittlung solcher Kompetenzen zielen neue Kurzprogramme der WU Executive Academy als Managementschmiede ab. Roboter haben sich dafür übrigens - noch - nicht angemeldet.


WU-Ausbildungsprogramme

  • PIONEERS OF THE 21ST CENTURY Das Leadership-Programm umfasst insgesamt zwölf Ausbildungstage an drei Terminen (einzeln buchbar) mit insgesamt fünf Modulen. Manager sollen sich mit diesem Input zu echten Leadern entwickeln, die sich und andere mutig führen, als Persönlichkeiten inspirieren und so ihr Umfeld in die Herausforderungen der digitalen Ära führen.
  • DATA SCIENCE Der Kurzlehrgang "Data Science" ist ein englischsprachiges Programm, das an zwölf Tagen, verteilt auf drei Module, bereichsübergreifenden Einsatz von Big Data zeigt. Data Scientists sollen interdisziplinäre Generalisten werden, die Datengewinnung, -analyse und -auswertung beherrschen, vor allem aber die richtigen unternehmerischen Fragen an Big Data stellen.

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Oliver Judex, stellvertretender Chefredakteur trend

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Die Bestie (Künstliche) Intelligenz