Matthias Calice - Mister Fertighaus

Investor und Elkhaus-Eigentümer Matthias Calice

Bisher hat Investor Calice auf dem internationalen Parkett große Finanzdeals geschupft, nun sagt er mit Überzeugung: "Ich will als Unternehmer etwas aufbauen und kreativ tätig sein."

Elkhaus-Eigentümer Matthias Calice will sein Reich in Österreich umsatzmäßig verdoppeln. Erstmals meldet sich der in London lebende Wiener auch mit standortpolitischen Forderungen zu Wort.

Wie man den Sprung vom mäßig beleumundeten Finanzinvestor zum respektierten Unternehmer schafft, haben in den letzten Jahren einige Leitfiguren in Österreichs Wirtschaft, vorexerziert: der frühere Raubein-Sanierer und heutige KTM-Chef Stefan Pierer etwa oder der Neo-Industrielle Michael Tojner, der soeben die Batterienfirma Varta aus seiner Montana-Tech-Gruppe erfolgreich an die Börse geschickt hat.

Der in Wien aufgewachsene und seit 20 Jahren in London lebende Matthias Calice hat nach eigenem Bekunden nun ebenfalls genug von schnellen Rein- Raus-Geschäften: "Ich will als Unternehmer etwas aufbauen und kreativ tätig sein", verlautbart der Spross eines alten Grafengeschlechts mit Wurzeln in Friaul. Calice, mit Betonung auf der ersten Silbe, ist das italienische Wort für Kelch.

Spätestens vor zwei Jahren hat der Private-Equity-Fachmann, der bei Größen der Branche wie Apax und TPG Capital gearbeitet hat, seinen Wandel mit dem Einstieg bei der insolventen Grazer Fertighausfirma Hanlo eingeleitet; ein Jahr später folgte Marktführer Elk, zu dem auch die Marke Zenker gehört, mit Sitz in Niederösterreich.

Heute kommt jedes fünfte in Österreich verkaufte Fertighaus aus Calices Unternehmensgruppe, deren Fäden in der Gampen Holding S.a.r.l. mit Sitz in Luxemburg zusammenlaufen. "Fertighäuser sind Produkte, mit denen ich mich identifizieren kann", beteuert der 48-Jährige, den schon als Jugendlicher der Musterhauspark "Blaue Lagune" bei der SCS in Vösendorf fasziniert hat. Anders als bei früheren Deals, etwa dem nur ein Jahr nach dem Einstieg wieder verkauften Kärntner Maschinenbauer und Verpackungshersteller Hirsch Servo, ist er bei Elkhaus &Co. gekommen, um zu bleiben, beteuert Calice, der die Öffentlichkeit für gewöhnlich meidet.

Und mehr als das: Er will sein Unternehmensreich in Österreich binnen zwei bis drei Jahren umsatzmäßig mehr als verdoppeln.

Co-Investor

Neben den Fertighäusern ist Gampen - den Firmennamen hat Calice nach dem gleichnamigen Berg in Südtirol gewählt -bereits 2014 eine wesentliche Beteiligung eingegangen: Gemeinsam mit dem Industriellen Cornelius Grupp hat er die niederösterreichische Anlagenbaufirma FMW übernommen. Grupp hält 24 Prozent, Calice, der auch im Aufsichtsrat von Grupps Stölzle Oberglas sitzt, den großen Rest. Und dass es dem Duo gelungen ist, einen Nischenchampion mit -laut eigenen Angaben - 60 Prozent Weltmarktanteil zu formen, hat offenbar Lust auf mehr gemacht.

Insgesamt setzen Calices Firmen, in denen 1.200 Mitarbeiter beschäftigt sind, derzeit rund 200 Millionen Euro jährlich um. "Wir streben an, mit weiteren Zukäufen in den nächsten zwei bis drei Jahren auf 500 Millionen zu kommen."

Wie schon bei Elk sollen dabei "starke Marken und Unternehmen mit Entwicklungspotenzial" im Fokus stehen, sagt Calice. Das entspricht im Prinzip dem klassischen Beuteschema von Private- Equity-Firmen, nur ist es in diesem Fall mit der Aussicht verknüpft, dass es das Bemühen um nachhaltige Entwicklung unter der Aufsicht eines Langzeit-Investors gibt. Für Mittelständler in Notsituationen oder ohne Nachfolger könnte das eine interessante Chance sein.

Standortkritik

Wer bekundet, nach unsteten Jahren der Wanderschaft sich gleichsam unternehmerisch niederlassen zu wollen, muss sich auch in den öffentlichen Diskurs einbringen, um von den Einheimischen ernst genommen zu werden -das weiß Calice. Daher nimmt er im trend-Gespräch nun auch erstmals zu standortpolitischen Themen Stellung.

Was ihm die stärksten Kopfzerbrechen bereitet, sind die Lohnnebenkosten. Neben dem Hauptwerk im Waldviertler Schrems betreibt Elk etwa auch eine Niederlassung im tschechischen Plana nad Luznici. Nur eine halbe Autostunde von der Zentrale entfernt betragen die Lohnkosten "nur ein Drittel des österreichischen Niveaus", rechnet Calice vor, für den der Handlungsbedarf mehr als evident ist.

Elkhaus-Werk in Schrems. Die hohen Lohnnebenkosten in Österreich sind dem international agierenden Eigentümer ein Dorn im Auge.

Elkhaus-Werk in Schrems. Die hohen Lohnnebenkosten in Österreich sind dem international agierenden Eigentümer ein Dorn im Auge.

Mindestens so sehr ein Anliegen ist dem studierten Juristen, der auch die Elite-Managerschmiede Insead in Frankreich absolviert hat, ein Thema, bei dem sich die heimischen Sozialpartner in der jüngeren Vergangenheit partout nicht einigen konnten: Arbeitszeitflexibilisierung. Wegen der brummenden Geschäfte sucht Elk derzeit bis zu 100 neue Monteure -ein Beruf, in dem Achtstundentage und Wegzeitenregelungen seit jeher wie ein Korsett wirken.

Und Thema Nummer drei sind Investitionsanreize: "Auch bei der Besteuerung nicht entnommener Gewinne muss sich viel ändern", fordert Calice. Dass er folglich ein Fan der sich abzeichnenden türkis-blauen Regierungskonstellation sein müsste - ÖVP und FPÖ haben in ihren Wahlprogrammen eine Abschaffung beziehungsweise Halbierung der Körperschaftssteuer auf nicht entnommene Gewinne gefordert -, will "Mister Fertighaus" jedoch nicht kommentieren: Von explizit parteipolitischen Kommentaren plant er auch in Zukunft abzusehen.

Deutschland-Expansion

Vorerst steht einmal die Expansion im Vordergrund. Neben den Zukäufen sowie der Forcierung des Bauträgergeschäfts bedeutet das für die Gampen-Gruppe das Wachstum von Elk im Ausland: In Deutschland soll binnen drei Jahren der Verkauf von derzeit 160 auf 500 Stück verdreifacht werden, gibt Calice ambitionierte Ziele vor.

In seinen Jahren als Sanierungs-und Beteiligungsmanager hat der Neo-Unternehmer, in seinem Auftritt eine perfekt italienisch-österreichisch-britische Mischung, richtig große Dinger durchgezogen, etwa beim deutschen Armaturenhersteller Grohe und bei der griechischen Telekomgesellschaft TIM Hellas.

Sind ihm da biedere Einfamilienhäuser und Zellstoff-Förderanlagen nicht zu klein? Calice lächelt vornehm, wenn man ihn auf seinen Wandel anspricht, und wiederholt seine Botschaft: "Meine Tätigkeit besteht nicht aus schnellem Kaufen und Verkaufen."

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