
Essay. Österreichs genialen KMU-Unternehmern wird das Härteste abverlangt: Verwandlung an allen Ecken und Enden.
Wer blind ist, kann nicht sehen. Wer nicht kämpft, hat schon gesehen.
Der Satz „Mögest du in interessanten Zeiten leben“ ist fernöstlicher Herkunft. In Europa kennt man ihn seit 1948 aus den Memoiren von Hugh Knatchbull-Hugessen, einem britischen Botschafter in China. Seither haben sich westliche Denker mit seiner Auslegung beschäftigt. Für weltweite Verbreitung sorgte auch eine Rede von Robert F. Kennedy, die er 1966 in Kapstadt hielt: „Ob wir es mögen oder nicht – wir leben in interessanten Zeiten“.
Kennedy war nicht naiv und hatte begriffen, dass der Satz kein Glückskeks für Freunde, sondern ein Fluch ist, der sich aus zwei chinesischen Quellen speist: „Besser ein Hund in Friedenszeiten als ein Mensch in Zeiten des Aufruhrs“ und „Zu einem ungünstigen Zeitpunkt geboren zu sein, bringt ewige Sorgen und Kummer“. Also eigentlich immer, wenn es nach dem großen, missmutigen Philosophen Friedrich Hegel ginge: „Die Weltgeschichte ist nicht der Boden des Glücks. Die Perioden des Glücks sind leere Blätter in ihr.“
Wir, das einfache Volk der Wirtschaftsredakteure, und unsere verehrten Freunde, die Unternehmer, sehen das nicht so. Wir sind anders gepolt. Sonst hätten wir einen anderen Job gesucht. Einen, der weniger Schwung und Wagemut braucht. Der Begriff Risiko ist uns wohlvertraut. Er ist uns meistens lieb und manchmal teuer, ein fairer Kontrapunkt zum Auspendeln unser schönen Möglichkeiten, als Unternehmer überproportional viel Geld zu verdienen und als Arbeitgeber von braven Bürgern geschätzt zu werden.
Wer sich die Müh antun und noch mehr als die täglich 14 Stunden arbeiten will, die als Normalmaß der mühsamen Anfangsjahre eines Unternehmers gelten, kann sich zusätzlich um einen höheren Rang in der so genannten High Society bemühen. Das ist den Unternehmern in meinem Freundeskreis allerdings völlig fremd. Sie halten es für abartig, als Mäzene auf peinlichen Charity-Partys aufzutreten, deren wohltätige Erlöse gerade mal den Kaviar decken, den sie aufs Wohl der Armen futtern.
Wer mitreden will, muss wissen, was wichtig ist.
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