
Eine neue Studie zeigt Wege in den Aufsichtsrat
©iSTockEine neue Studie zeigt, dass professionelle Netzwerke, einschlägige Branchenerfahrung und Finanzexpertise derzeit die wichtigsten Schlüssel für das erste Mandat sind.
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Für viele Führungskräfte klingt ein Aufsichtsratsmandat als interessanter nächster Karriereschritt, verspricht er doch Prestige, Einfluss und strategische Verantwortung. Doch während das Job-Ziel groß ist, bleibt der Weg dorthin vielfach unklar. Es dominieren Mythen, Unsicherheiten und der Glaube, der Ruf käme irgendwann „von selbst“. Das aber ist ein Irrglaube.
In einer breit angelegten Studie von WU Wien, dem österreichischen Ableger des Aufsichtsrätinnen-Netzwerks Women Corporate Directors und der Executive-Search-Firma Alto Partners haben erstmals mehr als 150 Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräte aus Österreich und aus Deutschland anonym verraten, wie sie an ihr erstes Mandat gekommen sind, auf welche Kompetenzen es ankam und wie sie vergütet werden. Damit geben sie Einblick in einen kaum bekannten Prozess und liefern wertvolle Hinweise für Anwärter und Anwärterinnen.
Die Forscher greifen für ihre trend exklusiv vorliegende Analyse auf einen beachtlichen Erfahrungsschatz zurück: Rund 20 Prozent der Befragten hatten in der Vergangenheit mehr als vier Mandate in Kontrollgremien inne, darunter Einzelne mehr als 20. „Ein besonderes Merkmal der Studie ist die weibliche Perspektive: Rund zwei Drittel der Teilnehmenden sind Frauen“, sagt Rita Jakusch, Aufsichtsrätin und Co-Gründerin von WCD Austria.
Finanzmanager gefragt
Soll der Karriereschritt gelingen, zählt aus Sicht der Aufsichtsrätinnen und -räte vor allem eins: hochkarätige Beziehungen im Job, also ein professionelles Netzwerk. Die meisten Befragten wurden nominiert, weil sie Entscheidungsträger bereits auf Grund einer beruflichen Zusammenarbeit kannten oder ihnen empfohlen wurden. Darüber hinaus spielten Rekrutierungen über Headhunter eine wichtige Rolle. Weniger relevant hingegen waren private Netzwerke wie Freunde oder Familie. Wenn das Schlagwort „Netzwerk“ fällt, klinge das schnell nach Klüngelei. Die Studie zeichne jedoch ein differenzierteres Bild, sagt Ewald Aschauer, Professor an der WU Wien und Aufsichtsrat (B&C Industrieholding, Egger Holzwerkstoffe): „Entscheidend ist nicht das private Netzwerk, sondern das Zusammenspiel von zwei Faktoren. Zum einen die beruflichen Touchpoints – jene Gelegenheiten, bei denen man als potenzieller Kandidat Vertrauen aufb aut. Zum anderen die relevante Branchenexpertise. Nur wer beides vorweisen kann, wird für den Aufsichtsrat ernsthaft berücksichtigt.“
Darüber hinaus wichtig: die vorherige operative Funktion. Rekrutiert wurden vor allem Personen, die im Vorstand oder in einer Geschäftsführung tätig waren. Auch aus der Beratung kamen einige der befragten Aufsichtsräte.
Was die erforderlichen Vorkenntnisse und Kompetenzen betrifft, sind vor allem klassische Themen wie Finanzen und Corporate Governance gefragt. „In Österreich ist es zwar bereits üblich, dass Aufsichtsratsmitglieder Weiterbildungen zu KI oder Cybersecurity wahrnehmen, es werden aber meistens noch keine Aufsichtsratsmitglieder nur deswegen aufgenommen, weil sie einen Background in einem der Themen vorweisen können“, sagt Julia Zdrahal-Urbanek, Chefin von Alto Partners in Wien und Aufsichtsrätin bei einer Vorarlberger Beteiligungsholding.
Unterschiede in der Vergütung
Bei der Vergütung zeigt sich, dass Aufsichtsratsmitglieder in Österreich und Deutschland fast ausschließlich ein jährliches Fixum und zusätzliche Zahlungen für den Ausschussvorsitz erhalten. Rund fünf Prozent beziehen darüber hinaus Beratungshonorare für weitere Leistungen. Variable Vergütungselemente stellen laut den Befragten die absolute Ausnahme dar.
Bei der Höhe gibt es hierzulande noch Aufholbedarf. „Grundsätzlich sollte die Vergütung des gesamten Kontrollgremiums etwa der eines Vorstandsmitglieds entsprechen. In Österreich liegt sie jedoch nur bei rund 30 Prozent davon. Das zeigt, dass noch Spielraum für Anpassungen besteht“, sagt Aschauer. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Kontroll-Aufwand in den vergangenen Jahren gestiegen ist, was sich in einer höheren Sitzungsanzahl und mehr Ausschüssen niederschlägt.
Während rund 30 Prozent der Befragten weniger als 10.000 Euro verdienen, kommen rund 15 Prozent auf über 100.000 Euro. „In einer detaillierten Analyse konnten wir zeigen, dass die Zufriedenheit mit der eigenen Vergütung stark davon abhängt, ob sie als international angemessen wahrgenommen wird“, ergänzt Alexander Hofer, Co-Autor der Erhebung.
Wie bekommt man das erste Mandat?


Quelle: WU Wien 2025, Anmerkung: Mehrfachnennung möglich
Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 19. 12. 2025 erschienen.
