
Im heimischen TOURISMUS stehen in den nächsten Jahren Tausende Betriebsübergaben an. Doch die Generation Z zeigt sich nicht übernahmewillig. Wie geht es jetzt mit Österreichs Hotels und Gasthäusern weiter?
Die vergangenen Jahre gab es für Josef Jöchl wenig zu lachen. Der Hotelier und Gastwirt aus Reith bei Kitzbühel erinnert sich: "Corona hat uns gezeigt, wie verletzlich wir im Tourismus eigentlich sind." In seinem Hotel Hubertus, das Jöchl in der sechsten Generation führte, blieben - wie in nahezu allen Häusern damals - die Gäste über Wochen aus. Und nach der Coronakrise wurde die Suche nach Mitarbeitern immer schwieriger.
Auch im Vertrieb war der Familienbetrieb mit 60 Zimmern nicht mehr konkurrenzfähig. Mit dem Bau von Chalets wollte Jöchl das Hotel fit für die Zukunft machen. Aber die Gemeinde verweigerte die Bewilligung. Alles in allem nicht unbedingt eine gute Ausgangssituation für den heute 53-Jährigen, den Betrieb an die nächste Generation zu übergeben.
"Ich habe meine Kinder vor ein paar Jahren gefragt, ob sie das Hotel übernehmen wollen. Aber alle vier haben verneint. Sie haben tagtäglich gesehen, wie viel Aufwand dahintersteckt", erzählt der Hotelier. Ein Verkauf kam für ihn freilich nicht in Frage, das war er allein der Familientradition schuldig. Wie also weitermachen?
Vor einer ähnlichen Situation stehen in Österreich aktuell Tausende Tourismusbetriebe. Eine Studie der KMU Forschung aus dem Jahr 2019 hat ergeben, dass bis 2029 bis zu 7.900 Betriebsübergaben im Tourismus anstehen, der Großteil davon in Familienbetrieben. Bei insgesamt 64.380 Hotels und Gaststätten (Quelle: WKO) sind das mehr als zwölf Prozent, wobei in ländlichen Gebieten mit überdurchschnittlich vielen Übergaben zu rechnen ist. Spätere Untersuchungen kamen sogar zu noch höheren Werten.
Eine Umfrage von Dezember 2022 unter mehr als 570 heimischen Tourismusbetrieben ergab, dass sogar drei Viertel der Befragten bis 2032 eine Übergabe geplant hätten.
Tourismusstaatssekretärin Susanne Kraus-Winkler (ÖVP) ortet dabei drei Hauptherausforderungen: "Es muss rechtlich, finanziell und psychologisch passen. Stimmt nur eine Komponente nicht, kann das Projekt scheitern."
Thomas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung berät einige von diesen Betrieben und er weiß: "Meist sehen die Bilanzen der Betriebe nicht besonders gut aus. Eine innerfamiliäre Übernahme scheitert oft schon daran, dass ein Kind, das bereit wäre, den Betrieb zu übernehmen, die Geschwister nicht auszahlen kann." Denn die Banken sind bei Neufinanzierungen sehr zurückhaltend.
Doch oft will sich die Generation Z diese meist zeit- und nervenaufreibende Arbeit im Betrieb ohnehin nicht mehr antun. Oder hat einfach andere Vorstellungen vom Leben, die sich aber im Familienbetrieb nur schwer verwirklichen lassen.
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