Dermatosen: Wenn Stress die Haut angreift

Dermatosen: Wenn Stress die Haut angreift

Jeder hat hin und wieder mit Stress zu kämpfen. Nicht selten gipfelt die Überlastung in Hauterkrankungen. Die sollten keinesfalls unbehandelt bleiben.

Die menschliche Haut ist ein sehr komplex aufgebautes Organ mit einer Vielzahl von Aufgaben. Unter anderem schützt uns die Körperhülle vor schädlichen Umwelteinflüssen, reguliert unseren Wärmehaushalt und nimmt Sinnesreize auf. Um mit den vielen Einflüssen zurechtzukommen muss sie robust, anpassungsfähig und sensibel sein. Überreizungen können sich im Hautbild als Rötungen oder gar Ekzeme niederschlagen. Die körperliche und seelische Verfassung – die Haut wird nicht zu Unrecht auch als „Spiegelbild der Seele“ bezeichnet – ist ein bestimmender Faktor, wie gut die Haut ihre Aufgaben erfüllen kann.

Stress: Gift für die Haut

Wer beruflich wie privat mit Stress zu kämpfen hat läuft in Gefahr, entsprechende Hautreaktionen und schließlich dermatologische Erkrankungen in Kauf nehmen zu müssen. Der im Wiener Moser Milani Medical SPA (MedSpa) Ärztezentrum tätige Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Dr. Kaan Harmankaya, erläutert: „Die häufigsten Hauterkrankungen, welche durch Stress am Arbeitsplatz ausgelöst oder in ihrer Symptomatik verstärkt werden, sind Neurodermitis, das Ekzem um den Mund, Nesselsucht beziehungsweise juckende Quaddeln, Hautunreinheiten durch andauerndes Manipulieren, das Lippenleck-Ekzem sowie exzessives Schwitzen an diversen Körperstellen.“

In manchen Fällen könne es außerdem zur so genannten Trichotillomanie, dem Herauszupfen von Kopfhaar, kommen. Als stressbedingte Erkrankungen seien sie auch deshalb zu klassifizieren, weil die Symptome oft nur in Stressphasen virulent werden, während die Probleme bei längeren Urlauben oder in Perioden geringerer Stressbelastung gar nicht oder deutlich geringer zu Tage träten.

Die exakten Ursachen zu bestimmen fällt schwer. Dermatologen haben jedoch eine Zunahme der stressbedingten Erkrankungen registriert. Frauen scheinen außerdem etwas häufiger betroffen zu sein.

Belastend und stigmatisierend

Ekzeme gehen nicht nur mit Juckreiz, sondern außerdem mit starken Entzündungen einher, die oft auch für das Umfeld sichtbar werden, was wiederum den Stress erhöht, wie Dermatologe Harmankaya weiß: „Menschen, die von stressbedingten Hautproblemen betroffen sind, leiden häufig unter einem verminderten Selbstbewusstsein und ziehen sich zunehmend zurück. Dies betrifft den privaten, aber natürlich auch den beruflichen Bereich.“

Sobald unsere Haut sichtbare Irritationen aufweist, reagiert das Umfeld darauf, nicht zuletzt, da ein „normales“ Hautbild für Gesundheit steht. Vor allem am Arbeitsplatz können Dermatosen zum Problem werden, weshalb die frühzeitige Konsultation entsprechender Experten von enormer Wichtigkeit ist.

Ein aktiver und offener Zugang zu den jeweiligen Symptomen sei deshalb besonders wichtig. Harmankaya: „Die Konsultation eines erfahrenen Dermatologen oder einer erfahrenen Dermatologin ist der erste und wichtigste Schritt zu einer genauen Diagnose, was wiederum hin zur passenden Therapie führt.“ In manchen Fällen müssten Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie hinzugezogen werden, um den Patienten Verhaltensweisen zur Problembekämpfung nahezubringen.

„Auch wenn der Weg zu einer wirksamen und hilfreichen Behandlung der erkrankten Haut oftmals langwierig ist und dem Patienten viel Durchhaltevermögen abverlangt, ist es aus meiner Sicht unerlässlich, eine fachspezifische Meinung einzuholen.“, ist Harmankaya überzeugt. Auch die Mitarbeit der Betroffenen ist unabdingbar. Schließlich, erfordern chronische Erkrankungen wie Neurodermitis eine besondere Pflege der Haut, nicht zuletzt, da Stressphasen sich besonders negativ auswirken und die Erkrankung verschlimmern.

Eines gilt in Bezug auf sämtliche Hauterkrankungen gleichermaßen: Scham ist ein schlechter Ratgeber, vielmehr sollte man sich schnellstmöglich an Experten wenden, den Stress möglichst reduzieren und offen mit der Erkrankung umgehen. Unsere Haut ist zwar im Stande, einiges auszuhalten, benötigt allerdings regelmäßige Pflege und manchmal eben auch medizinische Hilfe. Ob Botox gegen übermäßiges Schwitzen oder Salben zur Bekämpfung von Ekzemen – die Therapiemöglichkeiten im dermatologischen Bereich sind mannigfaltig und für beinahe jedes Hautproblem gibt es eine adäquate Lösung gibt.

Ob Cremes um ein paar Euro oder knapp 80 Euro. Viele der gesteten Antifaltencremes erwiesen sich als wirkungslos.

Leben

Stiftung Warentest: Antifalten-Cremes wirkungslos

Leben

ELGA startet: Fragen und Antworten zur elektronischen Gesundheitsakte

Gesundheit

Sehen um zu hören: Gebärdensprachen-App am Start