Mietrecht: Vermieter müssen ab 2023 Maklergebühren tragen

Ab 2023 gilt bei der Immobilienvermittlung über Makler das "Bestellerprinzip". Die Maklerkosten müssen daher vom Vermieter und nicht mehr vom Mieter beglichen werden. Ein Mechanismus soll die Umgehung verhindern.

Thema: Investieren in Immobilien
Mieter müssen ab 2023 keine Maklergebühren mehr zahlen und werden dadurch um rund 50 Millionen € entlastet.

Mieter müssen ab 2023 keine Maklergebühren mehr zahlen und werden dadurch um rund 50 Millionen € entlastet.

Die Bundesregierung führt ab 2023 das sogenannte Bestellerprinzip bei der Vermittlung von Immobilien über Makler ein. Das bedeutet, dass derjenige, der den Wohnungsmakler beauftragt diesen künftig auch bezahlen soll. Dabei geht um rund 50 Mio. Euro jährlich, die nun Vermieter und nicht mehr Mieter zahlen sollen. In der Regel beträgt die Provision zwei Monatsmieten.

Eingeführt wird die neue Bestimmung vor allem um einkommensschwache Familien und Studierende zu entlasten. Da jede dritte Mietwohnung nach Ende der Befristung neu vermietet wird, fallen für viele - besonders für Jüngere mit sich schneller ändernden Wohnbedürfnissen - immer wieder Maklergebühren an.

Aus Mieter-Sicht wurde bisher häufig argumentiert, dass man für etwas bezahlen müsse, was man selbst eigentlich nicht in Auftrag gegeben hat. Vermieter sehen jedoch die Mieter in der Pflicht, da sich die Leistung letztlich an sie richtet.

Der in Begutachtung befindliche Gesetzesentwurf soll nach einer sechsmonatigen Übergangsfrist angewendet werden - ab Ende 2022 oder Anfang 2023.

Deutschland als Vorbild

Die Regierung hat sich bei den Gesetzesplänen unter anderem Deutschland als Vorbild genommen. Dort wurde das Bestellerprinzip vor sieben Jahren eingeführt. Zadic sagte, sie gehe nicht davon aus, dass die Vermieter die Provision auf die Miete aufschlagen werden. Auch in Deutschland sei es zu keiner Erhöhung gekommen. Auch die Zahl der Wohnungsinserate sei in Deutschland nur vorübergehend zurückgegangen und habe sich wieder auf dem vorherigen Niveau eingependelt.

Das Bestellerprinzip war eine jahrelange Forderung von Mieterschutzorganisationen. Auch Arbeiterkammer und SPÖ drängten mehrfach darauf, Widerstand kam aus der Immobilienwirtschaft. Im Wahlkampf 2019 schwenkte die ÖVP um und trat ebenfalls für das Bestellerprinzip ein.

Das großteils von Arbeiterkammer und Gewerkschaft finanzierte Momentum Institut rechnete vor, dass vor allem junge Menschen entlastet würden. Umgerechnet auf die Mietdauer trifft die Provision die Gruppe der 15- bis 34-Jährigen mit im Schnitt 42 Euro monatlich am stärksten.

Makler fürchten ums Geschäft

Makler sehen vor allem im Bereich der Wohnungssuche Schwierigkeiten durch die neue Bestimmung. Sie sehen die Wohnungssuche dadurch grundsätzlich erschwert. Außerdem sehen sich Makler dadurch in ihrer Berufsausübung beeinträchtigt, da die Novelle ihr geschäftliches Treiben, das heißt das Lukrieren von Umsätzen, maßgeblich behindert.

So erklärt der der Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI), dass mit dem Bestellerprinzip Arbeitsplätze ruiniert und die Wohnungssuche erschwert wird und den Maklern die Geschäftsgrundlage entzogen wird.

In Österreich sind rund 5.500 Immobilienmakler mit ungefähr 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktiv. "Bei näherer Betrachtung gibt es mit dem Bestellerprinzip nur Verlierer", sagte Wirtschaftskammer-Fachverbandsobmann Georg Edlauer. Zu befürchten seien Leerstände und illegale Ablösen.

Problematik der neuen Regelung

Marlon Possard Lehrbeauftragter und Dozent an der Universität Innsbruck, sieht aufgrund der Novelle zwei große Problematiken. Einerseits die der Aufschlagung der Provision durch die Vermieter: Diese würden die Provisionen einfach auf die Mietkosten aufschlagen. "Wenn solche Provisionen sukzessive aufgeschlagen werden, dann ergibt sich nichts als eine Irritation bzw. eine Blendung. Am bisherigen Vorgehen würde sich sodann nichts ändern, sondern Provisionen könnten in diesem Zusammenhang nur durch Irreführung nicht sofort erkannt werden", erklärt Possard, der es für möglich hält, dass es vermehrt zu einer solchen Aufschlagung kommt.

Vermieter könnten zudem künftig vermehrt selbst am Wohnungsmarkt Ausschau nach Mietern halten und keine Makler mehr mit der Suche beauftragen.

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