Stimmung in Industrie gegen Ende 2025 verbessert

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IV-Generalsekretär Christoph Neumayer
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Die Stimmung in Österreichs Industrie hat sich gegen Ende 2025 verbessert. Der Konjunkturbarometer der Industriellen Vereinigung (IV) für das vierte Quartal zeigt eine leichte Erholung und lag auf dem Level vom Beginn der Rezession. Nach drei Jahren einer zunächst schrumpfenden und dann stagnierenden Wirtschaftsleistung werde die heimische Industrie "jetzt vielleicht in eine leichte Erholung geraten", sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer am Dienstag in Wien.

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Neumayer zeigte sich nach langer Zeit wieder einmal positiv gestimmt: "Das ist selten bei uns der Fall." Allerdings verwies er darauf, dass laut dem Risikobild 2026 des Bundesheeres einer der hohen Risikofaktoren die Deindustrialisierung Europas sei. Die europäische und österreichische Industrie stehe weiter unter Druck. Diese sei abhängig von regelbasierender Zusammenarbeit und von offenen Märkten - die Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate sei aber eine entgegenläufige, so Neumayer. "Wir müssen daher handeln und unsere Hausaufgaben machen."

Wichtig war aus seiner Sicht, dass die Industriestrategie auf den Weg gebracht wurde. Es gebe Signale in Richtung Kostenstruktur, etwa was den Industriestrompreis betreffe oder die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Neumayer bekräftigte den Ruf nach weiteren Entbürokratisierungen. Die europäischen Themen der Zukunft (Stichwort: Lohntransparenzrichtlinie) müssten so umgesetzt werden, dass sie "verträglich sind" und nicht "Goldplating" betreibt.

"Wir müssen daran arbeiten den Binnenmarkt zu vertiefen", so der IV-Generalsekretär. "Wir brauchen eine offene, nachhaltige Handelspolitik." Positiv sei, dass die Weltwirtschaft weiter wachse und dass die Europäische Union Freihandelsabkommen verhandle.

Neumayer appellierte für eine vorläufige Anwendung des Mercosur-Abkommens. "Mehr als positiv" sei der Abschluss des Freihandelsabkommens mit Indien. Potenzial sieht Neumayer auch in Südostasien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Australien.

"Das alles ist entscheidend für die Entwicklung Österreichs als Exportnation", so Neumayer. Es brauche einen Mindset-Wechsel in der Politik. "Wenn wir nicht verstehen, dass die alten Zeiten zu Ende sind, und dass eine neue Ära angebrochen ist, und dass wir auf die adäquat reagieren müssen, werden wir das Erfolgsmodell Österreich nicht weiterschreiben können."

"Die längste Rezession der jüngeren österreichischen Wirtschaftsgeschichte ist zu Ende", sagte IV-Chefökonom Christian Helmenstein. Allerdings verwies er auf eine sehr schwache Erholungsbewegung. Es brauche "standortfreundliche Reformschritte".

Getragen wird die leichte Aufwärtsbewegung der Industrie von einem steigenden Absatz in der Pharmazeutik, bei elektrischen Ausrüstungen, von der Nahrungs-/Futtermittelindustrie ebenso wie der Getränkeindustrie. An erster Stelle bei der Produktionsausweitung stehe jedoch der Absatz "sonstiger Waren", zu denen Wertsachen wie Gold und Münzmetalle zählen, so der IV-Chefökonom. Unter starkem Druck stünden hingegen weiter die Mineralölverarbeitung, Energieversorgung, Bekleidungsherstellung, Papier- und Pappeerzeugung sowie Metallbearbeitung und -verarbeitung.

Bei den Auslandsaufträgen deutet sich allerdings an, dass sich eine Erholung schwierig gestalten könnte, da wir es mit einem extrem volatilen Zollregime und einem stärkeren Euro gegenüber dem US-Dollar zu tun haben. Dies laste zusätzlich auf der preislichen Wettbewerbsfähigkeit, so Helmenstein. "Wir befürchten, mit einer Verzögerung von sechs Monaten werden wir das in Form von Bremsspuren beim Auftragseingang aus dem außereuropäischen Ausland sehen."

In der Industrie herrscht eine hohe Lohn/Stückkosten-Belastung. Daher gebe es keine positiven Signale am industriellen Arbeitsmarkt. Der Stellenabbau schreite immer noch voran, eingestellt werde tendenziell auch weniger.

An der IV-Konjunkturumfrage nahmen 376 Unternehmen teil. Sie wurden gefragt, ob sie die Geschäftslage und -aussicht positiv, neutral oder negativ bewerten. Die Kennzahl ergibt sich aus dem Saldo von positiven und negativen Antworten.

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