RBI baut Gewinn 2025 um 48 Prozent auf 1,44 Mrd. Euro aus

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Die Bank hat 2025 einen Gewinnsprung gemacht
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Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat ihren Gewinn ohne das Russland-Geschäft im Vorjahr um 48 Prozent auf 1,44 Mrd. Euro gesteigert. Geholfen haben deutlich niedrigere Vorsorgen für Fremdwährungskredite in Polen. Zudem stiegen die Erträge dank eines stärkeren Kreditwachstums an, wie die Bank am Freitag mitteilte. In Russland schrieb die Bank dagegen einen Verlust nach Steuern von 86 Mio. Euro.

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Konzernchef Johann Strobl bezeichnete das Ergebnis als "sehr gut" und hob die operativen Steigerungen hervor. Das Kreditwachstum legte im Jahresvergleich um 6 Prozent zu. Zum Jahresende stand das Kundenkreditvolumen bei 101,2 Mrd. Euro. Vor allem im vierten Quartal habe sich das Kreditgeschäft in allen Ländern des Konzerns beschleunigt. Das stützte auch die Erträge der Bank: Der Zinsüberschuss erhöhte sich um 1 Prozent auf 4,18 Mrd. Euro, der Provisionsüberschuss kam um 9 Prozent höher bei 2,0 Mrd. Euro zu liegen.

Auch die Qualität des Kreditportfolios sei gut, so die Bank. Die Quote notleidender Kredite lag bei 1,7 Prozent (2024: 2,1 Prozent). Auch die Risikokosten der Bank sind im Vorjahr spürbar gesunken und lagen Ende 2025 bei 192 Mio. Euro, nach 287 Mio. Euro im Jahr davor.

Die Harte Kernkapitalquote ohne Russland belief sich auf 15,5 Prozent (2024: 15,1 Prozent). Die Zahl sieht ein Worst-Case-Szenario vor, bei dem die Bank die Russlandtochter zur Gänze abschreiben muss und das gesamte Eigenkapital verliert. Ohne den Abzug aufgrund des Worst-Case steht die Kapitalquote bei 17,9 Prozent.

Gestiegen sind aber nicht nur die Einnahmen, sondern auch die Kosten. Die Verwaltungsaufwendungen legten um 4,4 Prozent auf 3,46 Mrd. Euro zu. Ein wesentlicher Posten seien Lohnerhöhungen über den Inflationsraten gewesen, sagte Strobl. Vor allem in einigen CEE-Märkten der RBI sei die Arbeitsmarktsituation sehr günstig für Arbeitnehmer. Wenn die Arbeitslosigkeit gering ist, sitzen die Arbeitnehmer bei Lohnverhandlungen meist am längeren Ast.

Ein weiterer Kostenpunkt sind die Bankensteuern, die die RBI in unterschiedlichen Ländern entrichten muss. Für heuer dürften weitere 100 Mio. Euro an Ausgaben dazukommen, davon wohl alleine 50 Mio. Euro in der Ukraine, erwartet die Bank.

Die RBI hat sich im Zuge der steigenden Kostenbelastung Ausgabenziele gesetzt, sagte Strobl. Einen Stellenabbau am Standort in Wien gebe es aber nicht, betonte der Chef. Im Dezember hatte es Medienberichte über vermehrte Anmeldungen beim Arbeitsmarktservice (AMS) gegeben. Strobl sagte, die RBI habe niemanden gekündigt, 70 Dienstverhältnisse seien im Einvernehmen aufgelöst worden. Das sei bei einem Jahr und rund 1.500 Mitarbeitern in Wien "natürliche Fluktuation".

In Russland wird das Geschäft indessen weiter abgebaut. Seit Kriegsbeginn sei das Kreditvolumen um 60 Prozent gesunken, die Kundeneinlagen seien seit Februar 2022 um 40 Prozent gesunken. Die Bank zahlt schon seit längerem keine Zinsen mehr an Einlagekunden aus. Unterm Strich schrieb die Bank in Russland einen Verlust von 86 Mio. Euro. Geschuldet ist das Minus vor allem russischen Gerichtsstreitigkeiten zwischen Strabag und Rasperia Trading Limited.

Nachdem bereits ein Urteil im Frühling die Russland-Tochter zur Zahlung eines Schadenersatzes an den russischen Strabag-Aktionär Rasperia von rund 2 Mrd. Euro verpflichtet hatte, kam im vierten Quartal eine zusätzliche Rückstellung in Höhe von 339 Mio. Euro hinzu. Die Bank musste den Betrag zurücklegen, nachdem ein russisches Gericht die Strabag-Hauptaktionäre zu einer Zahlung von 339 Mio. Euro verpflichtet hatte. Die Raiffeisen Russland (AO Raiffeisenbank) ist nur in den Fall involviert, da sie in einem Verwandtschaftsverhältnis zum Strabag-Aktionär Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien steht.

Neben Russland ist auch Polen ein ewiges Sorgenkind der RBI. Im Geschäftsjahr 2025 sorgte der Markt wegen deutlich gesunkener Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten aber für einen positiven Effekt in der Bilanz. Grund ist, dass die Gerichtsfälle nun nach und nach abgearbeitet werden und die Vorsorgen damit abgebaut werden. In viele Fällen werden auch Vergleiche erzielt, alleine im vierten Quartal waren es 620.

In dem seit Jahren laufenden Streit geht es um Tausende Polen, die noch vor der Finanzkrise wegen damals niedriger Zinsen in der Schweiz Kreditverträge in Franken abgeschlossen hatten, um ihr Haus zu finanzieren. Der polnische Zloty verlor jedoch in der Folgezeit gegenüber dem Franken massiv an Wert, was die Häuselbauer stark belastete. Viele Kreditnehmer klagten daraufhin gegen ihre Banken, um aus den teuren Krediten herauszukommen.

Zum Ende 2025 gab es noch Rückstellungen für aushaftende Schweizer-Franken-Kredite in Höhe von 1,26 Mrd. Euro, 2024 waren es noch 1,6 Mrd. Euro gewesen. Euro-Hypothekarkredite sind noch im Wert von 356 Mio. Euro aushaftend (2024: 395 Mio. Euro).

Im Zuge der Ergebnisse will der Vorstand der Hauptversammlung am 9. April 2026 eine Dividende von 1,60 Euro je Aktie vorschlagen. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die RBI (ohne das Russland-Geschäft) zudem mit einem Zinsüberschuss von 4,4 Mrd. Euro und einem Provisionsüberschuss von 2,1 Mrd. Euro. Das Kreditwachstum wird mit 7 Prozent beziffert. Die harte Kernkapitalquote soll über 15 Prozent bleiben.

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