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OeNB-Chefvolkswirt Wolf Heinrich Reuter rechnete drei mögliche Szenarien für das Jahr 2026 vor. Gehen die Preise für Öl und Gas im Jahresverlauf wieder auf das Vorkrisenniveau zurück, dürfte das österreichische Wachstum um 0,25 Prozentpunkte geringer ausfallen und die Inflation um 0,5 Prozentpunkte steigen. Verharren die Energiepreise jedoch bis Jahresende auf hohem Niveau, erwartet die OeNB ein um 0,5 Prozentpunkte niedrigeres Wachstum sowie einen Anstieg der Inflationsrate um einen Prozentpunkt. Ein rasches Ende des Konflikts hätte hingegen kaum negative Auswirkungen auf die Wirtschaft. Eine detaillierte Konjunkturprognose wird die OeNB am 24. März vorlegen.
Zur aktuellen Diskussion über politische Gegenmaßnahmen zeigte sich Kocher sowohl bei Steuersenkungen auf Treibstoffe als auch bei einem Preisdeckel skeptisch. "Man kann sich nicht von der weltweiten Entwicklung abkoppeln", betonte der OeNB-Gouverneur. Er stellte klar: "Jede Maßnahme, die man trifft, egal, ob es ein Preisdeckel ist oder ob man bei der Steuer was macht, erfordert entweder auf der einen Seite eine Subventionierung, irgendwo Geld aus dem Budget, oder eine Rationierung, weniger Verbrauch, was gar nicht so einfach ist". Eine reine Steuersenkung würde zudem Vielverbraucher bevorzugen. Kocher mahnte zur Besonnenheit: "Nicht überhastet zu reagieren, ist, glaube ich, richtig im Moment."
Als weiteren, mittelfristig relevanten Risikofaktor nannte der Gouverneur die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion. Es drohten Engpässe bei der Verfügbarkeit von Düngemitteln, da ein Gutteil davon aus der Konfliktregion stamme und derzeit über die blockierte Straße von Hormuz nach Europa gebracht werde, erklärte Kocher.
Trotz der angespannten Lage sieht Kocher keine Gefahr eines breiten wirtschaftlichen Einbruchs. "Ich sehe im Moment für Österreich und für die Europäische Union, für die Eurozone, keine Rezession", erklärte der Gouverneur.
Angesprochen auf im Ausland festgehaltene Geldtransporte erklärte Kocher, dass der Bargeldaustausch zwischen Ländern ein "üblicher Vorgang" sei. Hinsichtlich möglicher Untersuchungen verwies er auf die zuständige Behörde: "Alles, was Geldwäsche betrifft, betrifft die Finanzmarktaufsichtsbehörde, die zuständig ist".
Mit Blick auf die anstehende Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche betonte Kocher, dass sich das Umfeld für die Geldpolitik verändert habe. Die EZB sei aber "vorbereitet darauf, rasch und auch klar zu reagieren". Es sei entscheidend, die Zinsentwicklung so zu gestalten, dass sich die Inflation nicht verfestigt.