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In Frankfurt gab der DAX um 2,66 Prozent auf 23.425,97 Zähler nach. Besser hielt sich der britische FTSE-100 dank Kursgewinnen einiger defensiver Schwergewichte. Er fiel um 0,70 Prozent auf 9.068,58 Einheiten.
Neue Konjunkturdaten aus den USA ließen Zweifel an der Robustheit der US-Wirtschaft aufkommen, wobei besonders das schwache Stellenwachstum die Anleger schockte. Außerhalb der Landwirtschaft kamen 73.000 Stellen hinzu, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt 104.000 neue Stellen erwartet. Darüber hinaus wurde der Beschäftigungsaufbau der Vormonate deutlich nach unten revidiert. Ferner hat sich die Stimmung in der US-Industrie unerwartet eingetrübt. Die Erwartungen an eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed im September sind nun wieder deutlich gestiegen.
Inzwischen verunsichert die erratische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump die Anleger erneut. Laut einem US-Regierungsbeamten treten die neuen US-Zölle für Importe aus dem Ausland erst am 7. August in Kraft. Bisher hatte Trump als Einführungstermin den 1. August genannt. Für die meisten Länder soll dann ein pauschaler Zollsatz von 10 Prozent gelten, für die EU-Staaten von 15 Prozent. Für einige Länder ohne Handelsabkommen hob Trump die Zollsätze an. Besonders schlimm erwischte es die Schweiz, deren Waren künftig mit 39 Prozent verzollt werden. Die Schweizer Börse blieb heute feiertagsbedingt geschlossen.
Impulse aus den USA lasteten auch auf den Pharmawerten. Nach den Vorstellungen des US-Präsidenten sollen Hersteller wie Eli Lilly, Novartis und Pfizer binnen 60 Tagen sicherstellen, dass Geringverdiener stärker von einer Bestpreisgarantie für Medikamente profitieren und neue Arzneien automatisch zum niedrigsten Preis angeboten werden.
Die Papiere europäischer Branchenvertreter konnten sich nach anfangs kräftigen Abgaben immerhin etwas erholen. Die geforderten Preissenkungen für viele Medikamente wären zwar neben den US-Zöllen eine weitere Belastung für Pharmaunternehmen, aber sie wären auch handhabbar, schrieb Florent Cespedes von dem US-Analysehaus Bernstein mit Blick auf das AstraZeneca-Papier, das 1,9 Prozent einbüßte.
Weiterhin stehen europaweit Unternehmensergebnisse im Fokus. In der laufenden Berichtssaison hinkten europäische Unternehmen beim Gewinnwachstum je Aktie den US-amerikanischen hinterher, schrieb Stratege Mislav Matejka von der US-Bank JPMorgan. Dies stütze seine frühere Einschätzung, dass die Aktien-Rally in der Eurozone wohl zum Stillstand komme.
Der französische Versicherer AXA hat trotz guter Geschäfte im ersten Halbjahr einen leichten Gewinnrückgang verbucht. Die Papiere gaben in Reaktion um 7,9 Prozent nach.
Noch schlimmer erwischte es die Titel von Saint-Gobain, die 9,3 Prozent hinabrasselten. Der französische Baustoffkonzern hat Umsatz und Gewinn auch dank Übernahmen im ersten Halbjahr gesteigert. Die eingetrübten Aussichten für die Region Nordamerika in der zweiten Jahreshälfte dürften bei den Anlegern allerdings keine Begeisterung auslösen, schrieb Analystin Glynis Johnson von der US-Investmentbank Jefferies.
Am oberen Euro-Stoxx-Ende schlossen Bayer mit plus 2,8 Prozent. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern hat wegen guter Geschäfte in der Pharma-Sparte seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben. Allerdings kündigte Bayer auch zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten in den USA an.
SAP will mit einer Übernahme sein Softwareangebot für Personalabteilungen erweitern. Der deutsche Konzern kündigte am Freitag den Kauf von SmartRecruiters an. Die US-Firma bietet KI-gestützte Programme für die Personalbeschaffung an. SAP-Titel fielen um 2,5 Prozent.