
von
Die Kapitalgarantie der Betrieblichen Vorsorgekassen stellt im Wesentlichen sicher, dass sich die einbezahlten Beträge für die Berechtigten de facto nicht verringern und am Ende der Laufzeit ausbezahlt werden. Das System biete zwar Sicherheit für Anlegerinnen und Anleger, hemme aber langfristig die Anlageperformance der Kassen. "Das kostet viel und frisst Erträge auf. Für die Pensionskassenberechtigten ist das negativ. Die würden vielleicht auch mehr Risiko eingehen wollen", sagte Beckermann im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien.
Der Kleinanlegervertreter argumentierte auch damit, dass die Performance der Kassen in vielen anderen Ländern besser als in Österreich sei. Geht es nach ihm, sollte die Regierung bei ihrer angedachten Novelle sicherstellen, dass die "Kassen freier agieren können" und ein Wechsel zwischen den Kassen möglich wird. "Es braucht zwischen diesen einen vernünftigen Wettbewerb. Derjenige, der einzahlt, muss sehen, was mit diesem Geld passiert und ob es sich lohnt, die Kasse zu wechseln", meinte Beckermann. Mit dem Generalpensionskassenvertrag würden alle Beschäftigten Zugang zum System der betrieblichen Altersvorsorge bekommen. Derzeit gibt es diese Option nur, wenn der Arbeitgeber sie freiwillig anbietet.
Die Industriestrategie der Regierung bezeichnete Beckermann als "ambitionierten Wunschzettel", dem der "Treibstoff" fehle. Vor allem mangle es an Geldern von den Kapitalmärkten. "Das soll nicht heißen, dass wir die Strategie schlecht finden. Wir brauchen aber mehr Risikokapital, um diese Pläne zu verwirklichen. Und wir müssen uns überlegen, wie wir das Kapital nach Österreich bekommen, denn wir haben es de facto nicht." Wichtig sei auch, dass die Pläne im Energiebereich "nicht mit Aktionärsgeld bezahlt werden", so Beckermann. Auch sollte der Staat keine bereits realisierten Unternehmensgewinne abschöpfen. Diese würden von Akteuren am internationalen Kapitalmarkt als "staatlicher Raub" empfunden und seien nur in absoluten Ausnahmesituationen wie vor wenigen Jahren in der Energiekrise zu rechtfertigen.
Generell sieht der IVA-Vorstand die Entwicklung des heimischen Kapitalmarkts positiv, was sich zuletzt vor allem im Allzeithoch des ATX manifestiert habe. Explizites Lob gab es von Beckermann dabei für die Staatsholding ÖBAG, die Anteile an wichtigen Unternehmen wie OMV, Verbund und Telekom hält. Als Mitaktionär dieser Konzerne nehme der IVA die ÖBAG als "unaufgeregt" und von "politischer Einflussnahme befreit" wahr. Außerdem habe man unlängst "super Performancezahlen bei den ÖBAG-Unternehmen gesehen".
Eine wichtige Neuerung ortet Beckermann in der Women-on-Boards-Richtlinie der EU, die demnächst umgesetzt werden soll. Sie sieht vor, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen künftig bei mindestens 40 Prozent liegen muss. Aktuell betrage die Quote im Schnitt 30 Prozent, bei manchen liege sie allerdings noch deutlich darunter. "Es gibt peinlicherweise Unternehmen, die haben noch keine Frau im Aufsichtsrat. Die kommen jetzt in Wähldruck."
Ungemütlich könnte es für viele Börsennotierte bei anstehenden Hauptversammlungen indes aufgrund ihrer Vergütungsberichterstattung werden. Hier erwartet Beckermann Druck seitens internationaler Stimmrechtsberater, da österreichische Berichtsstandards internationalen Erwartungen zu lange hinterhergehinkt seien. Was fehle, seien klare, nachvollziehbare Begründungen von Managergehältern- und Boni, etwa die Erreichung konkreter Ziele und Kennzahlen.