Schneechaos: Was ein Allradantrieb wirklich bringt

Bei Schneechaos und Glatteis können Autos mit Allrad-Antrieb angeblich alles besser. Ist das wirklich so? Schafft es ein Allradler aus einem stark eingeschneiten Parkplatz mühelos heraus? Wie gut greift der Antrieb von vier Rädern bei Schnee und Matsch und wie leicht lässt sich ein 4x4-Antrieb auf Eis zum Stehen zu bringen?

Schneechaos: Was ein Allradantrieb wirklich bringt
Schneechaos: Was ein Allradantrieb wirklich bringt

Schneefahrbahn und Allradantrieb - eine pefekte Symbiose?

Bei einem Auto mit einem Vierrad-Antrieb ist es wie mit einer Versicherung. Man braucht sie nur selten, aber es beruhigt sie zu haben. Doch leistet der um doch ein paar tausend Euro teurere Antrieb tatsächlich, dass was er bei Matsch, Schnee oder Glatteis verspricht? Schließlich leisten Autos, die nur von einer Achse gezogen werden, das Jahr über doch recht gute Dienste. Diese Fähigkeit zeigt sich besonders bei Schnee. Vier angetriebene Räder bringen schließlich doppelt so viel Kraft auf die Straße als ein 2WD-Auto. Je mehr angetriebene Räder umso besser ist die Traktion. Zudem wird ein Auto mit Allradantrieb sowohl gezogen als auch geschoben.

Wie stark der Unterschied ist, merkt man besonders im Vergleich zu einem Front- oder gar Heckantrieb. Vor allem letzterer scheitert meist schon an kleinen Mengen Schnee, die es zu überwinden gilt. Generell wird, wer derzeit vor hat sein stark eingeschneites Auto aus einer Parklücke zu manövrieren, mit einem konventionellen 2-Rad-Antrieb Mühe haben ohne fremde Hilfe herauszukommen. „Beim Ein- und Ausparken von Autos, die unter Schneemassen feststecken, zeigt der Allrad seine Wirkung “, weiß der langjährige Arbö-Testautofahrer Andreas Dick.

Auch auf nicht geräumten Straßen mühelos unterwegs

Auch für all jene, die in der Früh aus dem Haus müssen, bevor der erste Schneepflug gefahren ist, zeigt sich der Allrad von seiner nützlichen Seite. Natürlich kann man sich auch mit einem Vierrad-Antrieb im Schnee festfahren. Das Freikommen ist aber wesentlich einfacher.

Auch Steigungen verlieren mit einem Allrad ihren Schrecken. Wer verschneite Bergstraßen benutzt, wird seinen 2WD-Antrieb wahrscheinlich spätestens dann verfluchen, wenn er beim Hinauffahren anhalten muss. „Dann kommt man nicht mehr oder nur sehr schwer vom Fleck“, so ARBÖ-Experte Dick. Mit einem herkömmlichen Antrieb kann es sogar schon bei einer leichten Steigung oder einem abschüssigen Weg Probleme geben.

Meist erspart man sich Ketten aufzulegen

Auch das mühselige Anlegen von Ketten bleibt einem mit einem Allradfahrzeug meist erspart. Bei Fahrten auf einer Alpenstraße wird man häufig am Straßenrand mit dem Hinweisschild "Kettenpflicht" ermahnt, doch in vielen Fällen prangt gleich noch ein weiteres mit der Aufschrift „Ausgenommen Allrad mit Winterreifen“ darunter.
Wer keines der vorgeschriebenen Kriterien erfüllt und trotzdem versucht den Berg mit seinem 2WD-Auto hinaufzukommen, muss mit einer saftigen Strafe rechnen.

Mehr Grip auf glatten Straßen

Selbst bei Eis, auf dem grundsätzlich jedes Auto, wesentlich schwerer zum Rollen zu bringen ist, ist der Allrad im Vorteil. Die Chance, dass eines der angetriebenen Räder doch noch auf eine halbwegs griffe Stelle trifft, ist doppelt so groß wie bei Front- oder Hecktrieblern. Denn ein Allrad fährt auch auf glatter Straße viel ruhiger. Trotzdem sind gerade auf Eis auch diesen Modellen Grenzen gesetzt.

Wer viel mit Anhänger fährt, sollte nicht nur bei winterlichen Fahrverhältnissen unbedingt ein Fahrzeug mit Vierrad-Antrieb wählen. Die erste nasse Wiese mit einem Campingwagen zeigt einem oft ziemlich deutlich, dass die Entscheidung richtig war sich ein solches Modell zuzulegen.

Gute Winterreifen sind trotzdem nicht überflüssig

Doch selbst ein Allrad-System hilft nur wenig, wenn das Auto mit schlechten Winterreifen oder gar mit Sommerreifen ausgestattet ist. „Sonst kommt man mit dem Auto zwar den Berg hinauf, ist aber beim Bergabfahren kaum zu bremsen“, erklärt Dick.

Allrad-Antrieb hat auch Nachteile

Wohl der größte Nachteil: Der Antrieb kostet mehr. Bei Premiummodellen sind es beispielsweise im Schnitt rund 4.000 Euro mehr. Auch der Spritverbauch ist höher. Im Schnitt muss man mit zehn bis zwanzig Prozent höheren Tankkosten rechnen. Denn der Antriebsstrang braucht mit seiner zusätzlichen Technik mehr Gewicht und nagt deshalb an der Leistung.

Vorsicht ist zudem bei Hybridfahrzeugen mit Allradantrieb geboten. Denn der Elektroantrieb wirkt anders als die bei einem Verbrennungsmotor. Sobald die Batterie ausreichend geladen ist oder die Geschwindigkeit zu hoch ist, greift die 4x4-Technik in aller Regel nicht mehr.

Aber auch im normalen Straßenbetrieb bietet der Allradantrieb Vorteile: Allein das Anfahren gelingt besser und müheloser als beispielsweise bei so manchem Fronttriebler. Schließlich verteilt sich die Leistung auch dann auf vier Räder. Das schont Mechanik und Reifen und sorgt zudem für kraftvolles Vorwärtskommen. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Allrad. Am einfachsten ist die mechanisch zuschaltbare zweite Achse – eine Lösung, die im Zeitalter der Elektronifizierung allerdings im Aussterben begriffen ist und meist nur noch in großen Pick-Ups eingebaut wird. In Tests von Autozeitschriften schneiden diese, wie etwa der Ford Ranger Pick-Up, jedoch meist am besten ab.

Fazit: Allrad-Antrieb ist zwar in der Anschaffung als auch im Betrieb teurer, ist aber bei Eis, Schnee und jenseits asphaltierter Straßen, dem Zweiradantrieb überlegen, schont schon so die Nerven.

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