Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Viel Absicht, wenig Ambition

Alle reden davon, aber nur wenige machen auch ernst: Nur knapp die Hälfte der Top 100 Unternehmen Österreichs haben für sich konkrete Klimaschutzziele definiert – und wenn, sind sie nicht besonders ambitioniert. Das ist das enttäuschende Fazit einer Studie von Boston Consulting.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Viel Absicht, wenig Ambition

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zeigt ein enttäuschendes Ergebnis: Nur die Hälfte der hundert größten österreichischen Unternehmen hat umfassende und konkrete Klimaschutzziele definiert. „Ich war vom Ergebnis schockiert“, findet Studienautorin Sabine Stock deutliche Worte, „denn ohne die Unternehmen können wir die Klimaziele in Österreich nicht erreichen.“

Für die Studie „Wege zum Klimapfad: Wo Österreichs Unternehmen in Bezug auf Klimaschutz stehen“ haben Stock und Mitautor Roland Haslehner die Klimaschutzpläne der Top-100-Player der heimischen Wirtschaft analysiert. Zu lesen gab es viel Allgemeines über Absichten und mögliche Maßnahmen, aber wenig Konkretes. Nur bei der Hälfte der Unternehmen waren konkrete Ziele und ein konkreter Zeitplan zur CO2-Reduktion zu finden, alle anderen blieben vage. Aber selbst diejenigen, die sich auf Ziffern und Zeiten festlegten, ließen wenig Ambition erkennen. Gerade einmal acht der hundert Unternehmen haben sich auf ein konkretes Jahr festgelegt, ab wann sie Netto-Null-Emissionen erreichen wollen.


Ich war vom Ergebnis schockiert.

Studienautorin Sabine Stock findet deutliche Worte zum schwachen Engagement vieler Unternehmen beim Erreichen der Klimaziele.

„Die meisten anderen Unternehmen unterstützen mit den selbstgesteckten Zielen den 1,5-Grad-Pfad nicht “, so Stock. Entweder sollen die Emissionen zwar reduziert, aber nicht vollständig neutralisiert werde. Oder Klimaneutralität soll durch den Kauf von CO2-Zertifikaten erreicht werden. Besser als nichts, aber: „Dieser Mechanismus verhindert im schlimmsten Fall notwendige Investitionen in die Entwicklung von CO2-neutralen Produkten oder Technologien“, kritisiert Sabine Stock, „aber nur wenn Emissionen vermieden oder in Kohlenstoffsenken effektiv abgebaut werden, gelangen tatsächlich weniger Treibhausgase in die Atmosphäre und wir kommen beim Klimaschutz voran.“

Was folgt aus der Analyse? BCG hat dazu vier Schritte definiert:

  1. In einem ersten Schritt sollten die Betriebe detaillierte Klimaschutzziele definieren, empfiehlt Berater Haslehner.
  2. In Schritt zwei g eht es dann um eine Präzisierung der Ziele. Eine klare Reduktion muss dabei erste Priorität haben, nur was absolut nicht vermeidbar ist, sollte kompensiert werden.
  3. Im nächsten Schritt geht es um eine Überprüfung durch eine externe Organisation wie zum Beispiel die “Science-Based-Targets"- Initiative. Ziel ist, die eigenen Ziele und Ambitionen einer objektiven Bewertung zu unterziehen, was auch gegenüber externen Stakeholdern von Bedeutung ist.
  4. Abschließend sollte ein Monitoring aufgesetzt werden, das es ermöglicht, die Fortschritte zu verfolgen – oder rechtzeitig gegenzusteuern, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Fazit von BCG Senior Partner Haslehner: „Der Weg in die Netto-Null-Zukunft ist eine Herausforderung, aber auch eine große Wachstumschance in neuen Produktbereichen, gerade für innovative Firmen, wie wir sie in Österreich haben.”

Einen zusätzlichen Hebel für ein schnelleres Erreichen der Klimaziele haben Anleger in der Hand: Zum Beispiel durch Investments in Fonds, die gezielt jene Unternehmen auswählen, die sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit engagieren. Das schafft direkt und indirekt auch Anreize für Unternehmen, die aktuell beim Klimaschutz noch nicht genug tun, sich zu verbessern.

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