Anleger wollen grüne Investments – und die Wirtschaft liefert

Geld verdienen und gleichzeitig die Welt ein bisschen besser machen: Immer mehr Anleger wollen diese „doppelte Dividende“. In den Chefetagen ist diese Botschaft angekommen. Immer mehr Unternehmen stellen die Weichen Richtung nachhaltiges Wirtschaften.

Gut für die Welt, gut fürs Gewissen, gut für die Börse: ESG-Investments

Gut für die Welt, gut fürs Gewissen, gut für die Börse: ESG-Investments

Wer hätte das nicht gerne: Eine „doppelte Dividende“ bei seiner Geldanlage. Schaut man sich die Bilanz der österreichischen Investmentfonds an, dann gibt es sie tatsächlich: Fonds, die gezielt in Aktien nachhaltig wirtschaftender Unternehmen investierten, legten vergangenes Jahr um 20,1 Prozent dazu. Und diese Fonds erzielten die doppelte Dividende, nämlich einen Gewinn für den Anleger und für den Klimaschutz. Damit erzielten sie eine noch bessere Performance als Japan-Fonds, die mit einem Plus von 13,3 Prozent das internationale Ranking anführen.

Die Anleger haben das längst erkannt. Laut Zahlen des Verbandes Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) ging mehr als der Hälfte der sechs Milliarden Euro, die Privatanleger und institutionelle Investoren 2020 neu in Fonds angelegt haben, in Nachhaltigkeits-Fonds mit dem Österreichischen Umweltzeichen. In Summe sind damit fast 17,4 Milliarden Euro so veranlagt, dass sie die Welt ein bisschen besser machen. Das zeigt: Grün hilft nicht nur der Umwelt, es auch pusht den Aktienkurs.

Verdoppeltes Angebot

Gefördert haben diese Entwicklung auch die Investmentgesellschaften. Sie bieten mittlerweile 96 Fonds an, die das Österreichische Umweltzeichen tragen dürfen. Vor drei Jahren gab es gerade 43 solcher Fonds, also nicht einmal die Hälfte.

Entwicklung nachhaltiger Investmentfonds in Österreich

Entwicklung nachhaltiger Investmentfonds in Österreich

Dass nachhaltiges Wirtschaften und die Orientierung an den ESG-Zielen der UN (steht für Environment, Social und Governance) das Gebot der Stunde ist, hat sich längst auch in den Chefetagen herumgesprochen. „ESG ist bei den Investoren angekommen und kein Nice-to-have mehr“, betont auch Thomas Arnoldner, CEO der börsenotierten A1 Telekom Austria Group, „ESG wird nicht mehr als Orchideenthema betrachtet, sondern muss zu einem integrativen Teil der Strategie eines erfolgreichen Unternehmens werden.“

CO2-Neutralität als großes Ziel

Das sind keine leeren Worte. Bereits seit 2014 betreibt die Telekom Austria sein heimisches Netz zu 100 Prozent CO2-neutral. Und das soll erst der Anfang sein: „Eines unserer Ziele ist, dass die gesamte A1 Telekom Austria Gruppe inklusive der Osteuropa-Töchter bis 2030 CO2-neutral ist“, betont Arnoldner. Ein ambitioniertes Ziel, da grüne Energie in vielen Ost-Ländern nur begrenzt zur Verfügung steht. Wie es erreicht werden kann, demonstriert das Unternehmen in Kroatien. Dort erzeugt eine Mobilfunkstation mittels Photovoltaik und eigenem Windrad den benötigten Strom selber. Auch für den Mobilfunk in den Nockbergen wurde eine Photovoltaik-Anlage mit zehn PV-Modulen montiert, die mehr als 3.000 kWh Strom erzeugt. Das Besondere daran: Die Anlage finanzierte sich weitgehend durch die Erlöse aus dem Recycling alter Handys – auch hier also eine doppelte Rendite.

Thomas Arnoldner, CEO A1 Telekom Austria Group

Thomas Arnoldner, CEO A1 Telekom Austria Group: „ESG ist bei den Investoren angekommen und kein Nice-to-have mehr.“

Den Telekom-Verantwortlichen ist allerdings auch klar, dass alleine durch solche Maßnahmen die angestrebte CO2-Reduktion nicht erreicht werden kann. Deshalb erwirbt das Unternehmen auch Zertifikate, in dem sie weltweit Klimaschutzprojekte unterstützt. Die nachhaltige Entwicklung des Alpenraumes, ein Wasserkraft-Projekt im Kongo und eine großflächige Aufforstung in Uruguay sind nur einige davon.

Die Telekom Austria ist längst kein Einzelfall mehr. „Wir investieren laufend in unsere Standorte, um den Verbrauch wertvoller Ressourcen wie Wasser und Energie zu optimieren, Abfall zu reduzieren und den CO2-Fußabdruck zu minimieren“, sagt Klaus Schörghofer, Chef des heimischen Bier-Marktführers Brau Union. Aus Marktbefragungen weiß er, welchen hohen Stellenwert die Verwendung regionaler Rohstoffe für den Konsumenten hat. Und als Tochter des börsenotierten niederländischen Bier-Giganten Heineken hat er auch die Investoren im Auge.

Klaus Schörghofer, Vorstandsvorsitzender Brau Union

Klaus Schörghofer, Vorstandschef Brau Union: "Ressourcen wie Wasser und Energie optimieren, Abfall reduzieren, CO2-Fußabdruck minimieren.“

Als internationaler Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit hat das Unternehmen die Brauerei in Göss so umgestaltet, dass dort Bier komplett nachhaltig produziert wird. Wie das funktioniert? Die Brauerei arbeitet vollkommen energieautark. Strom wird mittels Wasserkraft und einer eigenen Solarthermie-Anlage erzeugt, für Fernwärme wird die Biomasse aus dem benachbarten Sägewerk genutzt. Das beim Brau-Prozess anfallende Gärgas kann für die biologische Kläranlage verwendet werden.

Geld als Hebel für Gutes

„Oft länger gut“ – unter diesem Motto hat der Lebensmittelhersteller Danone der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Durch eine bessere Abstimmung mit dem Handel konnte die übliche Über-Produktion bereits reduziert werden, durch eine verbesserte Produktion und optimierter Logistik-Abläufe die Haltbarkeit von Actimel und Co. um vier bis fünf Tage verlängert werden. Mit der Initiative „Wings for help“ stellt Danone zudem im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen Nahrung für Kinder und Schwangere zur Verfügung. Die Bank Austria und Danone gehören auch zu den Partnern der Klimaaktiv-Kampagne. Deren Ziel ist es, die österreichischen Klimaziele zu erreichen. Mit dabei sind unter anderem auch Rewe, Vöslauer, McDonald’s und Greiner Packaging.

Und wie geht es bei den Investments weiter? Der VÖIG hat dazu klare Vorstellungen: Eine im Regierungsprogramm vorgesehene KESt-Befreiung nachhaltiger Finanzprodukte könnte die Finanzierung der Ökologisierung der Wirtschaft nachhaltig vorantreiben. Im Sinne einer „doppelten Dividende“ würde neben den positiven Auswirkungen auf Klima und Umwelt auch die private Eigenvorsorge gestärkt.

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