Porträt: trend erzählt erstmals die wahre Geschichte von Georg und Dimitri Pappas

Das medienscheue Geschwisterpaar Catharina und Alexander Pappas führt ein milliardenschweres Mercedes-Handelsimperium, das mit Glanz und Glamour groß wurde. trend erzählt erstmals die wahre Geschichte von Georg und Dimitri Pappas, zwei mittellosen, grundverschiedenen Brüdern aus Györ, die in Salzburg zu Milliardären wurden. Und wie der 43-jährige Alexander Pappas den Konzern jetzt radikal umbaut. Exklusiv: das erste Interview mit Catharina Pappas.

„Wenn mich einer fragt und ich sage, es geht mir ausgezeichnet, spüre ich die Eifersucht. Der denkt sich: Reich ist er, dick ist er und auch noch gesund. Daher sag ich jedem: Ich komme gerade vom Röntgenarzt, und es sieht nicht gut aus. Dann spüre ich schadenfrohe Erleichterung. Reich ist er, denkt man sich dann, dick ist er, aber wenigstens Krebs hat er.“
Dimitri Pappas

Neuerdings sieht Gabi Hirsch, die Chefsekretärin, ihren Boss regelmäßig wegfliegen. Schuld ist keineswegs eine Zehnerpackung Red Bull, sondern die neue Firmenzentrale der Pappas-Gruppe direkt neben dem Salzburger Flughafen. Wenn Alexander Pappas im firmeneigenen Jet, einer neunsitzigen Cessna, zum Beispiel nach Stuttgart fliegt, zum Mercedes-Vatikan, der jetzt DaimlerChrysler AG heißt, ist Gabi Hirsch mit einem Blick durchs Fenster im Bilde und kann sich einen Cappuccino holen, wenn nicht Catharina Pappas, die ihr Büro ebenfalls hier hat, gerade einen Personalakt braucht.

Alexander Pappas ist jetzt 43, seit acht Jahren leitet er mit zunehmendem Selbstbewusstsein die Firma seines Vaters, die jetzt ihm und Schwester Catharina gehört, auch wenn der 78-jährige Vater Georg Pappas noch häufig über die Schultern schaut. Das Büro von Frau Hirsch liegt in der Mitte, die der Pappas-Geschwister liegen einander gegenüber – und sie sind so verschieden wie ihre Benützer. Bei Alexander Pappas sieht es ein wenig nach Mercedes S-Klasse aus: kühles Design, eine Spur moderne Kunst. Bei Catharina Pappas findet man Holz und gemütliche Sofas wie von Laura Ashley, ihr Hund Rin Tin Tin macht dort gerne ein Nickerchen.

Beide Pappas-Sprösslinge sind von klein auf das Autogeschäft gewöhnt. Catharina Pappas soll im Volksschulalter, wenn ihr die langweiligen Konferenzen des Vaters zu viel wurden, einfach zugebissen haben. Alexander Pappas durfte schon als Gymnasiast mit dem Vater zur Großwildjagd nach Afrika, musste aber dafür auch als Ferialpraktikant malochen. Der junge Pappas gibt den Firmenchef nach außen, freundlich, aber reserviert, Catharina Pappas kümmert sich um Finanzen, Personal und Immobilien und strahlt große Wärme aus. „Vor Alexander haben die Leute Respekt“, sagt die Pappas-Direktorin und graue, aber liebenswürdige Eminenz Regina Bayer-Volkmann, die die Familie Pappas seit 43 Jahren beruflich begleitet. „Bei Catharina haben die Mitarbeiter das Gefühl, sie sind was wert!“

Alles riecht neu in der Chefetage, so wie es eben riecht zwei Wochen nach dem Einzug. Der junge Pappas hat alle vier Salzburger Standorte der Firma dichtgemacht und in einem Stadtteil, der tatsächlich Himmelreich heißt, einen neuen bauen lassen. Es ist das wahrscheinlich schönste Autohaus Österreichs geworden, das so ausschaut, wie eben dreißig Millionen Euro ausschauen, wenn man sie einem guten Architekten in die Hand gibt und sagt: Geh, mach was Gscheites draus.

Mit etwas Glück werden die Geschwister Pappas, beide noch unverheiratet und kinderlos, ihr wachsendes Unternehmen, das inzwischen 2500 Beschäftigte und 37 Standorte zählt, die nächsten zwei, drei Jahrzehnte von diesen Räumen aus führen. Der Name Pappas stand einmal für rauschende Feste der Salzburger Society, die Mutter, der Onkel waren jahrelang Stammgäste in den Adabei-Kolumnen. Die junge Pappas-Generation ist das, was man medienscheu nennt. Die Geschwister, die vielleicht in der Kindheit an einer Überdosis Glamour litten, meiden die Öffentlichkeit, wo sie können.

Die Pappas-Gruppe verkauft jährlich Autos für 1,2 Milliarden Euro, das waren, zur Erinnerung, einmal 17 Milliarden Schilling. Eine Menge – und doch reicht es nicht für Platz eins im heimischen Autohändlerolymp. Das liegt am zentnerschweren Branchengorilla, der ebenfalls in Salzburg beheimateten Porsche-Holding. Die ist bekanntlich der größte Autohändler Europas, vielleicht sogar der Welt, mit 8,5 Milliarden Euro Jahresumsatz. Das ist halt auch mit einem guten Stern nicht einholbar. So smart kann man gar nicht sein.

Alexander Pappas lächelt zufrieden. Er hat die Firma in den letzten Jahren ziemlich unbemerkt runderneuert. Die neue Firmenzentrale ist sein Baby und auch die endgültige und schmerzvolle Scheidung von der Baubranche. Vor wenigen Wochen zog die Familie Pappas einen endgültigen Schlussstrich unter die wechselhafte Geschichte ihrer Unternehmensbeteiligungen. Der Verkauf des Baukonzerns Alpine Mayreder, den Vater Georg 1965 gegründet hatte, an dem die Familie zuletzt 66 Prozent hielt und der wegen eines Bestechungsskandals beim Bau des Fußballstadions in München in die Schlagzeilen geraten war, bringt demnächst eine Buchung aufs Konto, die nicht wirklich viele Österreicher aus eigener Erfahrung kennen: nach trend-Information über vierhundert Millionen Euro cash. „Keine Sorge“, sagt Alexander Pappas und rührt seinen Kaffee, „wir werden darauf gut Acht geben.“ Das glauben wir gerne. Aber vielleicht sollten wir die erstaunliche Geschichte des steilen Aufstiegs der Familie Pappas von Anfang an erzählen.

Zwei Jungs auf dem Motorrad. „Carpe Diem“, nütze den Tag, steht heute am Anfang der Salzburger Getreidegasse über einem trendigen Lokal. Im Carpe Diem, Hausnummer 50, kann man zum Beispiel Beef Tartar mit Beluga-Kaviar und Wachtelei bestellen, und man bekommt eine Eistüte mit rohem Faschierten drauf, das dann Fingerfood heißt. Dietrich Mateschitz hat hier mit dem Starkoch Jörg Wörther ein schickes Restaurant mit einem breiten Schanigarten, der aussieht wie direkt aus dem Interio-Katalog, eröffnet. Das darf in der Getreidegasse sonst keiner, aber für Betuchte galten in Salzburg schon immer besondere Spielregeln.

Genau hier begann am 5. August 1951 ein gewisser Georg Pappas seine Anstellung als Verkäufer im damaligen Mercedes Zentralbüro für Westösterreich. Im Schaufenster standen drei Mercedes-Wagen, die für die meisten Zeitgenossen damals so unerreichbar waren wie eine Flugreise. Im Schauraum lehnte jahrelang ein schwarzes Motorrad. Die Legende sagt, mit diesem Motorrad seien im Jahr 1945 zwei griechische Brüder namens Pappas aus dem ungarischen Györ geflohen, weit weg von den Russen, nach Salzburg, wo gerade die Amerikaner einzogen. Der damals 24-jährige Dimitri sei gefahren, sein kleiner 16-jähriger Bruder Georg hinten drauf, auf Hitlers Autobahn in die Mozartstadt, praktisch ohne Mittel, um schon geringfügige drei Jahrzehnte später zu Schilling-Milliardären zu werden. Aber die Wirklichkeit ist nie ganz so wie die Kinofassung.

Tatsächlich waren es drei Brüder und eine Schwester Eleonore. Viktor Pappas, ein Halbbruder, lebt heute in Nizza. Sein Sohn Georg, familienintern nur „Gogo“ genannt, ist an mehreren Pappas-Firmen beteiligt und leitet die Nutzfahrzeugsparte des Familienunternehmens in Wiener Neudorf.

Die Pappas sind auch nicht waschechte Griechen, obschon sie über Doppelstaatsbürgerschaften verfügen. Aber obwohl Dimitri Pappas 42 Jahre lang griechischer Honorarkonsul war und Catharina Pappas dieselbe Funktion seit 2001 innehat, kann keiner in der Familie Griechisch.

Das bringt uns zur Familiengeschichte, die ein wenig ungewöhnlich ist. Der Urgroßvater von Alexander und Catharina Pappas kam nach einem schweren Erdbeben von der griechischen Insel Zakynthos nach Wien und heiratete dort eine Russin aus Odessa. Der Vater der Firmengründer Dimitri und Georg Zacharias Pappas wiederum hatte in Wien studiert und sich im ungarischen Györ als Arzt niedergelassen, weil er so versessen auf Pferde war.

Die Pappas-Brüder, in Hegyeshalom geboren und in Wien-Mariahilf zur Schule gegangen, schlugen sich nach dem Krieg mit Schleichhandel und Bauernschläue durch. Dimitri galt in der Schule als Straßenraufer mit dem Spitznamen „der Rote“. Georg Pappas hatte schon mit zehn Jahren seinen Vater verloren, sein Bruder Dimitri wurde so zum Vaterersatz. In Salzburg kamen die beiden mit amerikanischen Besatzungssoldaten ins Geschäft, erledigten Zollformalitäten, handelten mit Weihnachtsutensilien und verhökerten schließlich unter der Hand amerikanische Gebrauchtwagen. Bald betrieben die „Chevrolet-Brothers“ einen schwunghaften Handel mit US-Autos. Dann passierte, so die Firmenlegende, ein merkwürdiger Unfall.

Ein glücklicher Unfall. Georg Pappas wurde auf seinem Motorrad von einem Lastwagen angefahren, just vor der St.Gilgener Villa des damaligen Mercedes-Generalvertreters Günter Wiesenthal. Ein wirklich erstaunlicher Zufall. Eine Generalvertretung war in einer Zeit, in der die Nachfrage größer als das Angebot war, wie eine Lizenz zum Gelddrucken, und Wiesenthal galt als der Star am heimischen Mercedes-Himmel. Er hatte schon 1927 die erste Mercedes-Benz-Vertretung in Prag gegründet und wurde später neben seiner österreichischen Firma Exportchef des Daimler-Konzerns und Chef des Mercedes-Vertriebs in den USA und Kanada.

Vor seiner Villa in St. Gilgen also lag nun der 23-jährige Georg Pappas, und ihm wurde geholfen. Frau Wiesenthal, eine Ungarin, versorgte den jungen Mann, der genauso gut auf Ungarisch wie auf Deutsch parlieren konnte, und Günter Wiesenthal fand ebenfalls Gefallen an dem hungrigen jungen Autohändler, der alsbald von seinen aggressiven Autoverkaufsmethoden erzählte. Wiesenthal war beeindruckt und gab Pappas eine Anstellung mit kleiner Gewinnbeteiligung in seinem kleinen Geschäft in der Salzburger Getreidegasse. So kam Georg Pappas zu dem Automobil mit dem Stern.

Eine starke, resolute Frau namens Erna Tripolt, verwandt mit einem heutigen Wiesenthal-Vorstand, brachte Georg Pappas dann das Einmaleins des legalen Autoverkaufens bei. „Die beiden fuhren in der Nacht mit dem Zug nach Stuttgart, und sie kamen später mit zwei Mercedes zurück. Dimitri, obwohl gar nicht bei Mercedes beschäftigt, vertrat seinen Bruder derweil im Schauraum“, erinnert sich Regina Bayer-Volkmann.

Die Pappas-Brüder entwickelten bald eine in vielen Unternehmen erfolgreiche Arbeitsteilung: Einer fungierte als Frontmann, der andere rechnete im Hintergrund. Georg Zacharias Pappas, ein Vollblutkaufmann und Technikfan, der aber mit der Salzburger Society nichts am Hut hatte, Dimitri Pappas, ein begnadeter Netzwerker, ein Mann mit einer Nase für wichtige Leute in Salzburg, der nebenbei als schlecht bezahlter Korrespondent einer Athener Tageszeitung in der Festspielstadt Salzburg jobbte.

Wie wird man Milliardär? Der Aufstieg des Pappas-Clans zu einem der größten und reichsten Familienunternehmen Österreichs basiert auf drei Fundamenten:

• erstklassige Verträge mit Mercedes,

• die Hochkonjunktur der sechziger und siebziger Jahre

• und nützliche Kontakte zu einflussreichen, betuchten Abnehmern.

Bei allem half das Glück mit, aber auch die Bereitschaft, es zu ergreifen. Carpe diem.

Als die griechische Königin Friederike Mitte der fünfziger Jahre auf dem Cumberland-Besitz im Salzkammergut Urlaub machte, holte man – ein Glücksfall – den „griechischen Zeitungskorrespondenten“ Dimitri Pappas als Betreuer. Die Freundschaft mit dem griechischen Königshaus, die sich daraus entwickelte, öffnete dem korpulenten Habenichts Dimitri Pappas aus Hegyeshalom bald Tür und Tor zur europäischen Prominenz, die sich in Salzburg zu den Festspielen ein Stelldichein gab und, so viel war klar, Mercedes-Automobile brauchte.

Und was die Verträge betraf, half ein Unglücksfall.

1960 starb Günter Wiesenthal an Krebs. Es wurde die entscheidende Chance für die Brüder Pappas. Angeblich fand Wiesenthal die Pappas-Brüder so tüchtig, dass er ihnen vorsorglich und testamentarisch die Generalvertretung für Salzburg überließ. Wahrscheinlicher ist, dass die deutschen Benz-Manager skeptisch waren, ob die Wiesenthal-Witwe Hilde den Job alleine schaffen würde. Susanne Sulke-Wiesenthal, die vor zwei Jahren verstorbene Tochter Hilde Wiesenthals, berichtete: „Ich war schon in der Geschäftsleitung, und trotzdem setzte man mich bei meinem ersten Essen mit dem Vorstand in Deutschland an den Tisch der Sekretärinnen.“

Die Pappas-Brüder hatten jedenfalls ihren Generalvertretungsvertrag in der Tasche und kauften alsbald einen Mercedes-Händler nach dem anderen. Dabei halfen Zufälle. Die Tochter des oberösterreichischen Mercedes-Großhändlers Hans Zelenka starb bei einem Verkehrsunfall, der Mann verkaufte. In der Steiermark fiel die Firma Wittwar und in Tirol die Retter AG in den Pappas-Schoß. Schließlich blieben in ganz Westösterreich nur mehr zwei kleinere Mercedes-Händler übrig. Nach jeder Übernahme ließ der Kaufmann Georg Pappas neu bauen – nach der Devise: Aus einem Hinterhof kann man ein Premium-Produkt nicht verkaufen.

Möglich war eine solche Expansion nur mit Rückendeckung der Stuttgarter Mercedes AG. Was für ein Glücksfall, dass der damalige Mercedes-Benz-Vorsitzende Joachim Zahn, dessen Witwe heute in München lebt, ein fanatischer Festspielgeher und begeisterter Jäger war. Die Pappas-Brüder luden den Mercedes-Boss Jahr für Jahr zu den Festspielen und auf ihre Jagd am Hochkönig ein und verschafften Zahn sogar die Ehrenbürgerschaft von St. Gilgen, wo die Zahns auch eine Villa erwarben. Merke: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft und verbessern die Verträge.

Die Geschäfte konnten freilich nur brummen, weil die Gesamtwirtschaft damals Wachstumsraten aufwies wie China heute. Unter Autohändlern kursierte in den sechziger und siebziger Jahren der Witz: Was ist das: 100 Mercedes und ein VW? Antwort: eine Bauernversammlung und der Tierarzt.

Die Pappas-Brüder schienen das Glück gepachtet zu haben, und so gründete Georg Pappas zusätzlich zu seinem Mercedes-Import-, Großhandels- und Retail-Unternehmen 1965 eine kleine Baufirma. „Aus einem gewissen Übermut und aus Selbstbestätigung“, wie er konstatierte. Pappas hatte von der amerikanischen Armee in München für ein Spottgeld gebrauchte Baumaschinen bekommen und suchte einen Verwendungszweck. Als Geschäftsführer setzte er ab 1968 den damals 24-jährigen Dietmar Aluta-Oltyan ein. Der machte daraus den zweitgrößten österreichischen Baukonzern, Alpine Mayreder, mit 9000 Beschäftigten. Ein tiefes Zerwürfnis zwischen den beiden Herren führte zum Verkauf des Baukonzerns in diesen Tagen (siehe Interview mit Dietmar Aluta-Oltyan auf Seite 97).

Rauschende Feste. Dimitri Pappas, zeit seines Lebens ein schwergewichtiger Mann, der sich immer wieder vergeblich radikalen Diäten verschrieb – mal nahm er 17, mal 30 Kilo ab und bald wieder zu –, ein extrovertierter Typ, der nie heiratete, kinderlos blieb und, wie Ex-Adabei Roman Schliesser meint, „letzten Endes ein einsamer Mensch war“, liebte die joviale Gastgeberrolle.

In den sechziger Jahren galt das sogar für die rund zwei Dutzend Mitarbeiter, die zu jener Zeit in der Firmenzentrale am Salzburger Bürgerspitalplatz werkten. Dimitri Pappas, firmenintern „der General“ genannt, lud täglich um zehn zur Leberkäsjause. „Wenn er aufstand“, erinnert sich Pappas-Managerin Bayer-Volkmann, „war die Pause vorbei. Eines Tages blieben wir fünf Minuten länger als Pappas. Am nächsten Morgen fanden wir einen Zettel, auf dem uns mitgeteilt wurde, dass es von nun an mit der Viertelstundenpause vorbei sei. Wer das nicht einhalte, werde gekündigt. Dass wir nicht nur wegen ihm zusammensaßen, hatte ihn gekränkt.“

Die siebziger und achtziger Jahre waren in Salzburg die große Zeit der Pappas-Empfänge. Gastgeber Dimitri Pappas lud zur Festspielzeit zu rauschenden Festen, und die Prominenz folgte artig: von Karajan bis Flick, von Pavarotti bis zum griechischen Reeder-Milliardär Stavros Niarchos, vom spanischen König Juan Carlos bis zu Curd Jürgens. „Er war ein großartiger Gastgeber“, erinnert sich Ex-„Krone“-Journalist Schliesser. „Aber er hatte immer eine wahnsinnige Angst, dass etwas schiefgeht. Darum war es auch gut, dass er immer Heidi Pappas als seine First Lady dabeihatte.“

Georg Pappas hatte im selben Jahr, als er seine Mercedes-Vertretung bekam, das Model Heidemarie Pfister geheiratet, die schöne Tochter eines Kartonagenfabrikbesitzers. Der Ehe entsprangen die Kinder Alexander und Catharina, doch man ging unterschiedliche Wege und lebt heute getrennt. Auf allen Pappas-Festen traten stets Dimitri und Heidi Pappas auf, Georg Pappas fehlte stets.

„Wir haben alles gemeinsam“, bemerkte Dimitri Pappas über das besonders enge Verhältnis zu seinem Bruder, „nur die Anzüge und die Frauen nicht.“ Tatsächlich führten die beiden Brüder sogar nur ein gemeinsames Bankkonto.

1993 endete die Zeit der großen Feste ziemlich abrupt. Dimitri Pappas gab sich verstimmt, weil der neue Festspielintendant Gérard Mortier hinausposaunte, er möchte diese Profiteure der Festspiele, die in Wahrheit überhaupt nichts von Kunst und Kultur verstünden, in seinem Haus nicht mehr sehen. Der wahre Grund für den Rückzug des allseits beliebten Mercedes-Griechen in Salzburg dürfte aber wohl gewesen sein, dass die teuren Empfänge nicht mehr unter dem Titel „Geschäftsanbahnung“ steuerlich abschreibfähig waren. Zudem wurden die Usancen rauer. Die Zeit, wo man auf der Jagd von Direktor zu Direktor eine Mercedes-Flotte bestellte, war vorbei. Überall wurde jetzt genauer gerechnet, die Controller kamen in den Unternehmen an die Macht.

1999 starb Dimitri Pappas. Bruder Georg Pappas lebt heute auf seinem wunderschönen Bauernhof am Hüttstattgut, einer Berganhöhe mit Blick auf Salzburg und auf die neue Firmenzentrale. Die Pappas-Holding hat der Firmengründer inzwischen seinen Kindern überschrieben. Catharina und Alexander Pappas halten je knapp unter 50 Prozent der Anteile. Das Zünglein an der Waage spielt die Pappas Privatstiftung. Deren Vorstandsvorsitzender, der Salzburger Anwalt und Pappas-Freund Peter Raits, soll im Fall des Falles ausgleichend eingreifen können (siehe Interview mit Catharina Pappas auf Seite 88).

Das Geheimnis des Mercedes-Verkäufers. In der weitläufigen Verkaufshalle der neuen Firmenzentrale der Pappas-Gruppe, da, wo die blitzenden Neuwagen stehen, die Traumautos wie der Mercedes SLR für 450.000 Euro und die kleineren Wagen, die sich die Leute dann tatsächlich kaufen, schüttelt der Verkäufer Josef Eder gerade einem möglichen Mercedes-Aspiranten die Hand. 80 Autos pro Jahr sind nicht schlecht für einen Verkäufer, Eder hat im Vorjahr aber 144 Mercedes-Wagen verkauft. Rekord. Zwar keinen einzigen Maybach, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Eigentlich müssten Konsumentenschützer Josef Eder mit einem Warnhinweis versehen: Achtung, Händeschütteln mit diesem Mann führt sehr wahrscheinlich zum Kauf eines Neuwagens.

Seit 36 Jahren verkauft Eder Autos, seit 13 Jahren bei Pappas, und das Geschäft wird nicht leichter. Der heimische Automarkt ist ein beinharter Verdrängungswettbewerb, er wächst nicht mehr, man kann nur bei den Kunden der Konkurrenz punkten. Und dazu noch das Ungemach mit dem Internet: Die Kunden werden immer schlauer.

Kein Stein auf dem anderen. Drüben in der neuen Cafeteria trinkt Alexander Pappas mit zwei Verkäufern einen Kaffee. Auch wenn Pappas der größte private Mercedes-Einzelhändler der Welt ist und in alten Schillingen mehrfacher Milliardär wäre, ist Autoverkaufen auch für den Boss ein Knochenjob, vor allem dann, wenn man ein Unternehmen von Grund auf umkrempelt, wie es Pappas in den letzten Jahren gemacht hat.

• Der neue Chef zog mit dem Segen des Vaters und seiner Schwester das größte Investitionsprogramm in der Geschichte seines Unternehmens durch. In fünf Jahren wurden mehr als einhundert Millionen Euro verbaut. Am Stammsitz in Salzburg entstand sowohl ein neues Nutzfahrzeugzentrum in Eugendorf als auch das modernste Autohaus Österreichs im Pkw-Bereich. Dafür wurden vier Pkw-Standorte in Salzburg dichtgemacht. Der neue Megastore mit einem 3000 Quadratmeter großen Schauraum ist zugleich ein Angriff auf den süddeutschen Raum. Das Wunschmotto für potenzielle Mercedes-Käufer in Bayern: Warum nach München fahren, wenn man auch in Salzburg kaufen kann.

• Zugleich erwarb Pappas einen Händler in Südbayern und erhält so auch eine zusätzliche Werkstätteninfrastruktur. Wachstum ist trotz eines stagnierenden Gesamtmarktes angesagt. „Wir wollen heuer in Salzburg um zehn Prozent wachsen, österreichweit etwas weniger“, postuliert Pappas. Etliche weitere Standorte wie etwa in Hall in Tirol, in Kirchbichl, in Linz und in Regau wurden ausgebaut. Auch in Ungarn wurde kräftig investiert. Neben mehreren kleineren Projekten entsteht gerade in Budapest ein dritter Standort. Und im Nutzfahrzeugbereich, den Cousin Georg König leitet, Sohn des Halbbruders von Georg Pappas, wurde das Vertriebsnetz im Osten Österreichs stark ausgebaut. In Wiener Neudorf steht jetzt eines der größten Nutzfahrzeugzentren Europas.

• Verband man zu Karajans Zeiten den Namen Pappas noch ausschließlich mit einer Marke, so hat sich das geändert. Vorsichtig fährt Pappas einen Mehrmarkenkurs. In Ungarn ist die dortige Pappas Auto Mayraroszág Kft. im September auch Kia-Händler geworden. In Österreich werden von der Pappas-Gruppe inzwischen sechs Marken vertrieben, neben Mercedes-Benz und Smart – rund eintausend kleine Flitzer werden hierzulande von dem Stadtauto abgesetzt – hat Pappas auch Mitsubishi, Chrysler, Jeep und Dodge im Portfolio. „Wir haben uns in jeder Nische positioniert, und immer mit dem Premium-Produkt“, lächelt Pappas.

• Den schwierigsten Umbau begann Pappas vor drei Jahren. Seit 1952 wurden Mercedes-Automobile in Österreich nach einem regionalen Prinzip vertrieben, um dem lokalen Markt möglichst nahe zu sein. Mit einem Kraftakt hat Alexander Pappas 2003 sein Unternehmen komplett umstrukturiert und das Spartenprinzip eingeführt. Regionale Landeskaiser wurden so entmachtet und durch Spartenleiter ersetzt, die in der Salzburger Firmenzentrale sitzen. Die gesamte Organisation musste sich an neue Strukturen und Hierarchien gewöhnen. All das in einer Zeit, wo die Kundschaft mit dem eigenen Produkt erstmals massive Unzufriedenheit zeigte.

„Die Qualitätsprobleme, die 2001 und 2002 besonders in der E-Klasse auftraten, waren eine große Herausforderung“, sagt Günter Graf, Spartenleiter für den Bereich Kundendienst. Von den 2500 Pappas-Mitarbeitern arbeiten 1600 unter seinen Fittichen, denn das wirkliche Geld wird nicht im Neuwagengeschäft, sondern im so genannten After-Sales-Bereich verdient, in der Werkstatt also. „Es gibt im Autogeschäft eine Grundregel, die lautet: Das erste Fahrzeug wird über den Vertrieb verkauft, die weiteren über den Service“, meint Graf.

Mit einem Mal aber bekam die Marke Mercedes, die viele Kunden für die beste der Welt hielten, das Image eines höchst reparatur- und störanfälligen Wagens, so wie einst Jaguar vor der Sanierung. Auch wenn die Qualität wieder gestiegen ist, steuern Pappas und auch die Wiesenthal-Gruppe nun mit einem Paukenschlag dagegen. Während BMW oder VW nur zwei Jahre Garantie beim Kauf eines Neuwagens anbieten, gibt es seit Anfang September eine 4-Jahres-Garantie für Mercedes-Neuwagen, und zwar nur in Österreich. „Das war eine österreichische Antwort auf die Probleme, in Deutschland gibt es weiter nur zwei Jahre Garantie“, weiß Graf. „Der Hersteller hat damit keine Freude.“

4000 C-Klasse-Wagen, bitte. Oben im fünften Stock bereitet Gabi Hirsch wieder einmal den Abflug ihres Chefs vor. Alexander Pappas ist auf dem Weg nach Stuttgart in die DaimlerChrysler-Zentrale. Alexander Pappas hat schon klare Vorstellungen, was er dort erreichen will. „Bei der Mercedes C-Klasse wollen wir für das nächste Jahr eine Zielvorgabe von 4000 Stück. Wir müssen aber auch über Service-Grade verhandeln, die man erreichen soll, ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Dieses Geschäft ist sehr komplex geworden.“

Von Karl Riffert

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente