Mediation: Konflikte einvernehmlich managen und lösen

Eine Mediation ist ein Ansatz des Konfliktmanagements, um eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Sind beide Seiten an einer späteren Zusammenarbeit interessiert, stehen die Chancen auf Einigung gut. Wie eine Mediation abläuft, worauf man sich vorbereiten sollte und wie man Mediatoren findet.

Thema: Konfliktmanagement
Ein Mediator übernimmt bei Konflikten die Rolle des Unparteiischen und achtet darauf, dass bei den Lösungsversuchen die Spielregeln eingehalten werden.

Ein Mediator übernimmt bei Konflikten die Rolle des Unparteiischen und achtet darauf, dass bei den Lösungsversuchen die Spielregeln eingehalten werden.

ARTIKEL-INHALT


Konfliktmanagement mittels Mediation

Was ist Mediation?

Mediation ist per Definition eine auf Freiwilligkeit der Parteien beruhende Tätigkeit, bei der ein fachlich ausgebildeter, neutraler Vermittler (Mediator) mit anerkannten Methoden die Kommunikation zwischen den Parteien systematisch mit dem Ziel fördert, eine von den Parteien selbst verantwortete Lösung ihres Konfliktes zu ermöglichen.

Sie ist somit ist ein Verfahren der außergerichtlichen Streitbeilegung, in dem im Falle eines Konflikts die Beteiligten gemeinsam Win-win-Lösungen erarbeiten. Damit das möglich wird, setzen die Mediatoren mit einer allparteilichen Haltung, spezifischen Techniken und Vorgehensweisen an den Interessen und Bedürfnissen der Konfliktbeteiligten an und machen die Tiefenstruktur des Konflikts besprechbar. Der Mediator trifft dabei keine Entscheidungen bezüglich der Konfliktthemen, sondern ist für die professionelle Gestaltung des Verfahrens verantwortlich. Er ist eine Art Schiedsrichter, der darauf achtet, dass die Spielregeln eingehalten werden und keine Partei übervorteilt wird.

Wie ist Mediation geregelt?

In Österreich ist die Anwendung der Mediation in verschiedenen Berufsbildern (etwa Rechtsanwälte, Psychologen) enthalten. Österreich hat ein Zivilrechts-Mediations- Gesetz (ZivMediatG), durch das Rechte und Pflichten von eingetragenen Mediatoren sowie Ausbildungsstandards geregelt werden.

Warum Mediation?

Konflikte in Unternehmen können die Arbeit ganzer Teams blockieren und sogar die betriebliche Existenz gefährden. Gerade bei großen Veränderungen, Change-Prozessen oder wenn sich die Führung ändert, kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Auch Reibereien zwischen Geschäftspartnern sind zum Teil gar nicht so einfach aus der Welt zu schaffen. Eine Mediation ist somit ein konsensualer Ansatz im Rahmen eines Konfliktmanagements.

Mediation kann helfen, Gerichtsverfahren zu vermeiden

Wenn zwischen Kontrahenten kein vernünftiges Gespräch mehr möglich ist, kann eine Mediation helfen, Konflikte außergerichtlich zu lösen. Durch eine erfolgreiche Konfliktlösung mittels Mediation sparen sich Unternehmen zum Teil sehr viel Geld. Entweder weil teure Gerichtsprozesse dadurch vermieden werden oder die Zusammenarbeit im Unternehmen hinterher wieder besser funktioniert.

Chefs häufig mit Konflikten konfrontiert

Wirtschaftsprüfer der KMPG haben errechnet, dass rund ein Viertel des Umsatzes von der Kommunikation abhängt. Eine Führungskraft verbringt laut der Studie 30 bis 50 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit direkt oder indirekt mit Konflikten.

Weitere Einsatzgebiete: Kaufverträge und Standortstreite

Mithilfe eines Mediators wird auch versucht, in Umweltfragen zu einem für alle Seiten befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Beispielsweise wenn es um die Flächennutzung geht, wie es bei der Bestimmung eines neuen Industriestandorts der Fall ist. Mittlerweile wird sogar bei Kaufverträgen im Vorhinein festgeschrieben, im Fall eines Streits eine Mediation beizuziehen. So sollen nachträgliche Auseinandersetzungen vermieden werden.

Die Kunst, sich im Guten zu trennen

Eine außergerichtliche Mediation kann auch bei persönlichen Konflikten hilfreich sein. Wenn beispielsweise bei einer Scheidung viel auf dem Spiel steht, kann ein solcher neutraler Vermittler helfen, sich im Guten zu trennen, und so die Möglichkeit eröffnen, einen für beide akzeptablen Weg zu finden. Diese Form der Streitbeilegung wird auch bei politischen Konflikten, bei Miet- und Nachbarschaftsstreitigkeiten oder auch bei Konflikten in der Schule angewandt.

Unter welcher Voraussetzung ist eine Mediation ratsam?

Diese Methode eignet sich vor allem, wenn die Konfliktparteien ein Interesse daran haben, auch in Zukunft eine gute Beziehung zueinander zu pflegen.


Wie funktioniert Mediation?

Das Gespräch leitet ein neutraler Mediator, der für den Ablauf und die Einhaltung der zuvor aufgestellten Mediationsregeln sorgt. Ein Mediator darf in einem Konflikt nicht Partei sein, weder Vertreter noch Berater, und auch nicht als Entscheidungsorgan involviert sein. Die Mediation ist im Vergleich zu einem Gerichtsverfahren vertraulich.

Eine Mediation soll helfen, ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln, und so zu einem kooperativen Verhalten der Streitparteien führen. Um die verhärteten Fronten aufzubrechen, versucht der Mediator zunächst herauszufinden, warum die Beteiligten auf ihren Positionen beharren und welche Ziele und Interessen hinter ihren starken Emotionen stecken. Aufgabe des Mediators ist es auch, ein Machtungleichgewicht auszugleichen.

Es ist jedoch nicht Aufgabe des Mediators, Vorschläge zu machen, wie der Streit beigelegt werden kann. Die Konfliktparteien sollen vielmehr versuchen, eigenverantwortlich eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung ihrer Probleme zu erarbeiten. Ziel ist es, eine Lösung zu erreichen, bei der es keine Verlierer gibt.

Merkmale eines Mediationsverfahrens

Sämtliche Konfliktparteien werden einbezogen, diese wählen einen Mediator aus, der zwischen den Parteien vermitteln soll. Die Entscheidungsbefugnis liegt daher nicht bei Dritten. Alle Beteiligten müssen dem Verhandlungsergebnis zustimmen. Ein Konsens ist daher erforderlich.

Kosten bemessen sich am Zeitaufwand

Die Kosten des Mediators bemessen sich im Gegensatz zu einem Gerichtsverfahren nicht am Streitwert, sondern am Zeitaufwand. Sie hängen somit davon ab, wie viele Sitzungen nötig sind, um sich zu einigen. Häufig erweisen sich Mediationen als wesentlich günstiger als ein Gerichtsverfahren, da damit auch keine Gerichtskosten verbunden sind.

Worauf sich die Parteien einstellen sollten

Da kein Richter die Entscheidung trifft, sollten die Konfliktparteien bereit sein, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Ohne den Willen zu einem konstruktiven Gespräch wird es nicht gehen. Schließlich sollen die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden. Man sollte sich aber selbst behaupten können und für seine Interessen einstehen. Hat man sich für ein Mediationsverfahren entschieden, ist es ratsam, vor den einzelnen Sitzungen die Argumente, die den eigenen Standpunkt stützen, noch einmal durchzugehen und sich dazu Notizen zu machen. Auch Unangenehmes sollte angesprochen werden. Wenn sich während der Mediation abzeichnen sollte, dass keine Lösung zustande kommen wird, kann die Sitzung jederzeit abgebrochen werden. Mediation findet immer auf freiwilliger Basis statt.

Welchen Zeithorizont sollte man sich für eine Mediation setzen?

Wie lange ein Mediationsverfahren dauert, hängt immer von der Art, dem Umfang und der Komplexität des Streits sowie von den Beteiligten in dem Verfahren ab.

Die Konfliktparteien haben selbst Einfluss auf die Termine und die Dauer der Sitzungen. Im Schnitt lässt sich nach Erfahrung von Experten ein Konflikt mittels Mediation rascher lösen als durch ein Gerichtsverfahren.


So läuft eine Mediation ab

1. Regeln werden aufgestellt
Das Mediationsverfahren verläuft in mehreren Phasen. Zu Beginn wird eine Mediationsvereinbarung geschlossen. Darin werden Ziel, Ablauf und Regeln der Mediation festgehalten. Es wird auch vereinbart, wie die Kosten aufgeteilt werden und welche Termine und Regeln für die Gespräche gelten.

2. Verhandlungspunkte festlegen, Standpunkte einholen
In der nächsten Phase werden relevante Themen und Verhandlungspunkte der konkreten Auseinandersetzung gesammelt. Bei der Familienmediation können beispielsweise Obsorge, Unterhalt, Kontaktrecht und Vermögensaufteilung Themen sein. Es wird herausgearbeitet, welche Übereinstimmungen es bei den Standpunkten gibt und wobei sich die Konfliktparteien uneinig sind.

3. Blickwinkel des anderen wird eingenommen
In der darauffolgenden Phase wird der Konflikt bearbeitet. Dabei wird versucht, den Konflikt aus dem Blickwinkel der jeweils anderen Partei zu betrachten. Die dem Konflikt zugrunde liegenden Interessen, Ziele und Bedürfnisse werden herausgearbeitet. Versteckte Vorwürfe werden offengelegt, und Ärger soll offen ausgesprochen werden.

4. Lösungsvorschläge werden erarbeitet
Anschließend werden mögliche Lösungsvarianten entwickelt, ohne eine Bewertung vorzunehmen. Beispielsweise können im Rahmen einer Familienmediation verschiedene Optionen für Kontaktrecht herausgearbeitet werden. Wer sieht die gemeinsamen Kinder wann und wie lange? Welche Regelung soll für Feiertage gelten? Was gilt im Krankheitsfall?

5. Bewertung der Optionen mit größtem Nutzen
Im nächsten Schritt werden die möglichen Optionen bewertet, und dann wird die gewählt, die für alle Konfliktparteien den größten Nutzen bringt und somit die Zustimmung aller erlangt. Mit dem Mediationsvertrag wird die getroffene Option auch schriftlich bekräftigt.


Mediatorin oder Mediator finden

Das Justizministerium verfügt über eine Liste eingetragener Mediatoren, der auch die fachlichen Schwerpunkte zu entnehmen sind.

In die Liste werden nur Personen aufgenommen, die mindestens 28 Jahre alt, fachlich qualifiziert und vertrauenswürdig sind. Eine entsprechende Ausbildung sowie rechtliche und psychosoziale Grundkenntnisse, der Nachweis einer Haftpflichtversicherung und laufender Fortbildungen sind ebenso erforderlich.

Weitere Anlaufstellen für Mediation:

Vorteile eines eingetragenen Mediators
Fällt die Wahl auf einen eingetragenen Mediator, ist dieser nicht verpflichtet, vor Gericht über den Inhalt einer Mediation auszusagen. Vertraulichkeit ist somit garantiert. Wird ein eingetragener Mediator gewählt, sind zudem die Verjährungsfristen während des Mediationsverfahrens gehemmt.

Stefan Bergsmann, Geschäftsführer von Horváth & Partners Österreich

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