Online-Casinos: Spieler können ihre Verluste zurückfordern

Spielschulden, die auf Plattformen illegaler Online-Casinos gemacht wurden, können zivilrechtlich zurückgefordert werden. Oliver Peschel, Partneranwalt der D.A.S. Rechtsschutz AG, erklärt, welche Anbieter legal sind und welche Spieler Verluste der letzten 30 Jahre zurückfordern können.

Thema: Rechtstipps
Online-Casinos: Spieler können ihre Verluste zurückfordern

Kein Glück im Spiel? Kein Problem. Wer in einem nicht konzessionierten Online-Casino Spielschulden macht kann den Verlust zivilrechtlich zurückfordern.

42 Prozent der Österreicher zwischen 14 und 65 Jahren haben von Juli 2009 bis Februar 2011 an Glücksspielen teilgenommen. Dies wurde in der ersten Studie zur Prävention von Spielsucht festgestellt. Besonders im ersten Jahr der Pandemie hatten Online-Glücksspiele Hochsaison. Bloße Gelegenheitsspiele können sich schnell zur Sucht entwickeln. Im Gegensatz zu anderen Verhaltenssüchten erkennt die Weltgesundheitsorganisation das pathologische, zwanghafte Glücksspiel als psychische Erkrankung an.


„Spielschulden, die durch Verträge mit illegalen Online-Casinos entstanden sind, sind unwirksam“

Laut Innenministerium haben illegale Online-Casinos im Jahr 2019 in Österreich rund 308 Millionen Euro Spieleinnahmen erwirtschaftet. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. „Was viele aber nicht wissen, Spielschulden aus Glücksspielverträgen, die mit illegalen Online-Casinos abgeschlossen wurden, sind unwirksam. Entstandene Verluste können zivilrechtlich rückgefordert werden“, erklärt Oliver Peschel, Wiener Partneranwalt der D.A.S. Rechtsschutzversicherung.

Glücksspiel nur mit Konzession erlaubt

Ein Glücksspiel ist ein Spiel, bei dem Gewinn und Verlust ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall abhängen. Als solche werden etwa Roulette, sämtliche Pokerarten, Blackjack oder virtuelle Walzenspiele qualifiziert. Im Gegensatz zu Sportwetten unterliegen Glücksspiele dem Glücksspielgesetz und damit dem Glücksspielmonopol. Anbieter, die in Österreich über keine Konzession verfügen, dürfen somit ihre Glücksspiele hierzulande nicht legal anbieten. Peschel: „Eine Konzession für Online-Glücksspiel hat in Österreich derzeit nur der Betreiber von win2day.at.“

Lizenz aus anderem EU-Land ist ungültig

In zwei Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs vom 20. Mai 2021 (3 Ob 72/21s) und vom 7. Juni 2021 (5 Ob 30/21d) wurde erneut bestätigt, dass das österreichische System der Konzessionen – auch nach europarechtlichen Vorgaben – legal und damit unionsrechtlich konform ist. Illegale Online-Casinos können sich nicht darauf stützen, dass eine etwaige EU-Lizenz aus einem anderen Mitgliedsstaat auch in Österreich gültig ist und daher der Betrieb des Online-Casinos legal sei.

Jeder, der seine Spielschulden zurückfordert, bekommt recht

Dies wurde auch vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bestätigt: Denn dieser hat in einer Entscheidung (EuGH 18.5.2021, C-920/19 Fluctus/Fluentum) den Argumenten der Casinos widersprochen: Spielern, die ihre Spielschulden gerichtlich zurückfordern, wird von den Gerichten daher in sämtlichen Fällen recht gegeben, und Online-Casinos werden zur Rückzahlung verpflichtet.

Alle Höchstgerichte folgen dem Urteil des Obersten Gerichtshofs. Der Verfassungsgerichtshof bestätigt seit 2016 wiederholt, dass das österreichische Glücksspielmonopol mit nur einer Lizenz für win2day verfassungs- und unionsrechtskonform ist. Auch der Verwaltungsgerichtshof hat erst im März 2021 wieder festgehalten, dass das Glücksspielmonopol rechtmäßig ist (Ra 2019/17/0103).

Verluste der letzten 30 Jahre können eingeklagt werden

Spielverluste können damit von allen Online-Casinos zurückgefordert werden, die in Österreich keine Lizenz für Glücksspiele haben. Es können Verluste der letzten 30 Jahre eingeklagt werden. Egal, ob die Verluste bei Slots, Poker, Roulette, Blackjack oder sonstigen Glücksspielen erlitten wurden – eine Klage ist möglich.


Weitere Informationen zu dem Thema erhalten Sie von:

Rechtsanwalt
Dr. Oliver Peschel
Rotenturmstraße 27/6
1010 Wien
Tel. +43 1 3919600
E-Mail: office <AT> peschel.at
www.peschel.at


Weitere Rechtsinformationen und alles rund um Ihre rechtliche Absicherung finden Sie unter www.das.at

Info-Hotline: 0800 386 300
Mail: kundenservice <AT> das.at
Facebook | YouTube | Xing | LinkedIn I Podcast


Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:
Seit 1956 ist die D.A.S. Rechtsschutz AG mit Spezialisierung auf Rechtsschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen in Österreich tätig. Als unabhängiger Rechtsdienstleister bietet sie umfassenden Versicherungsschutz, fachliche Betreuung durch hochqualifizierte juristische Mitarbeiter und RechtsService-Leistungen wie die D.A.S. Direkthilfe® und D.A.S. Rechtsberatung an. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Die rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen Kunden in ganz Österreich zur Verfügung. In den vergangenen Jahren hat die D.A.S. Österreich ihre starke Marktposition als Rechtsschutzspezialist gefestigt und wird bereits seit 2009 jährlich mit einem stabilen A-Rating durch Standard & Poor’s bewertet. Das Versicherungsunternehmen ist seit Juli 2018 Netzwerkpartner der Leitbetriebe Austria und absolvierte 2020 erfolgreich eine Re-Zertifizierung. Im selben Jahr ist die D.A.S. auch mit dem Silbernen Siegel als „Best Recruiter“ ausgezeichnet worden.
Seit 1928 steht die internationale D.A.S. für Kompetenz und Leistungsstärke im Rechtsschutz. Heute agieren D.A.S. Gesellschaften in mehr als 10 Ländern weltweit. Sie sind die Spezialisten für Rechtsschutz der ERGO Group AG. Die D.A.S. Rechtsschutz AG agiert seit 2014 als Muttergesellschaft der D.A.S. Tschechien.

Haftungsauschluss:
Antworten auf Fragen und bereitgestellte Texte haben lediglich Informationscharakter. Sie wurden von den Rechtsexperten der D.A.S. bzw. durch deren Partneranwälte gründlich recherchiert. Trotzdem übernehmen trend.at und die D.A.S. Rechtsschutz AG keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.

[THEMA]: Rechtsschutz - die D.A.S.-Experten geben Rat

Lockdown in ganz Österreich: Die Regeln und Bestimmungen

Bis voraussichtlich 13. Dezember ist ganz Österreich im mittlerweile …

Immobilienverkauf: Wann Makler für zu billig verkaufte Objekte haften

Ob ein Objekt unter dem Marktwert verkauft wurde oder nicht, zählt zu den …

Pflichtteilsrecht: was seit der Reform neu ist

Durch die Erbrechtsreform hat sich beim Pflichtteil einiges geändert. …