Revolution im Labor

Der Digitalisierungs-Pionier IMMOunited hat sich österreichweit auf Ideensuche in der Immobilienbranche begeben – und dabei viele lehrreiche Erfahrungen gesammelt.

Revolution im Labor

Big Data ist die Zukunft: Was zum Mantra in der Wirtschaft geworden ist, hat der Wiener Data-Mining-Experte Roland Schmid bereits vor 15 Jahren erkannt und eine Chance für ein mittlerweile einträgliches Business identifiziert. Das von ihm 2007 gegründete Unternehmen IMMOunited ist heute Marktführer in der Onlinebereitstellung von Informationen rund um Immobilientransaktionen in ganz Österreich. Angeboten werden Grundbuch-, Firmenbuch-, Gewerberegister- und Melderegisterabfrage, Transaktionsdaten, aber auch statistische Analysen des österreichischen Immobilienmarktes.

Kreative Köpfe gesucht.

Dass der nachhaltige Erfolg von IMMOunited letzten Endes auf einer zündenden Idee basiert, brachte Schmid im Sommer auf eine weitere Idee – warum nicht den Fokus erweitern und in ganz Österreich auf Ideensuche gehen? So starteten die Grundbuchexperten des Unternehmens das erste IMMOunited Innovation Lab. Im Zuge dieses Ideenwettbewerbs konnten kreative Köpfe von August bis Oktober ihre Visionen zur Zukunft der Branche einreichen. Das Innovation Lab brachte einen durchschlagenden Erfolg, erzählt Andreas Millonig, Chief Operating Officer und Prokurist des Unternehmens: „Wir haben sehr viele unterschiedliche Ideen erhalten“ (siehe Interview unten). Diese reichen von der Facilitymanagement-Lösung bis zum Gadget für Immobilien – aber eines ist allen gemeinsam: Sie belegen, dass sich die Immobilienbranche wie auch alle anderen Branchen nicht linear, sondern sprunghaft weiterentwickelt. Statt Evolution und einer Politik der kleinen Schritte basiert Wachstum auf revolutionären Ideen, so Millonig. „Auch große Schritte sind möglich: Wir selbst haben einen Industriestandard für den Markt gesetzt, den es vorher nicht gab.“ Denn etwas Innovatives ist immer etwas nie Dagewesenes: So hatte in den 80er-Jahren kaum ein Immobilienunternehmen einen Computer im Büro stehen – heute geht ohne Grundbuchauswertungen, digitale Gebäudedaten oder Visualisierungen gar nichts mehr.

Es zählt die Idee. 

Als nächstes geht es in die heiße Phase des Wettbewerbs: Sobald es die aktuellen Bestimmungen erlauben, steht eine gemeinsame Reise an, bei der die besten Visionen ausgewertet und weiterentwickelt werden – und am Ende winkt dem Sieger die Chance auf 10.000 Euro Preisgeld. Ob die beste Idee aus dem IMMOunited Innovation Lab letzten Endes auch umgesetzt wird, ist für die Initiatoren des Wettbewerbs dabei gar nicht so extrem wichtig.

Vielmehr geht es IMMOunited darum, einen Hauch von Silicon Valley in Österreich zu etablieren und ständige Innovationen zu einem Teil der heimischen Unternehmenskultur zu machen: „Unternehmen dürfen sich Innovation nicht verweigern, sonst gehen sie im Wettbewerb unter“, warnt der IMMOunited-COO. „Wir selbst fördern auch deswegen eine Kultur der ständigen Innovationen im Unternehmen.“ Denn nur wer Neues wagt und dabei ­Risiken eingeht, kann zu einem wichtigen Player werden. Auch eine sehr gute Erklärung dafür, warum Innovationen meistens von außen kommen: Während sich etablierte Unternehmen auf ihren Lorbeeren ausruhen, merken sie oft gar nicht, dass etwas komplett Neues entsteht – wie aktuell die Autoindustrie zeigt. „Daher funktionieren viele klassische Annahmen, wie eine Idee auszusehen hat, gar nicht“, ist Millonig überzeugt. So hat man beim IMMOunited Innovation Lab auf Aspekte wie Skalierbarkeit oder Monetarisierung keine Rücksicht genommen,auch das Alter der Kandidaten war kein Faktor.

Denn die meisten Start-up-Mythen sind falsch. Es ist nicht immer der First Mover, der das beste Geschäft macht, und auch der Spruch „The winner takes it all“ stimmt nicht. So hat Apple weder das Smartphone noch die Smartwatch erfunden, sondern war ein „Follower“, der nach dem klassischen Start-up-Lehrbuch eigentlich erfolglos gewesen sein müsste. „Erfolg lässt sich nicht in ein Schema pressen“, resümiert der ­Digitalisierungsexperte: Ohne Adaption und direkten Nutzen für Kunden und Anwender wird auch die beste Idee der Welt nicht zur Gelddruckmaschine.


Der Wuzler im Büro schafft keine Innovation, dafür braucht es echtes Commitment.

Andreas Millonig, IMMOunited


„Wir wollen innovativ und agil bleiben“

Andreas Millonig, COO und Prokurist IMMOunited, über die Erfahrungen beim ersten IMMOunited Innovation Lab.

TREND: Wie lief der erste Ideenwettbewerb der Immobilienbranche ab?
Andreas Millonig: Wir haben sehr viele unterschiedliche Ideen erhalten und von rund 25 Einreichungen letztendlich sieben ausgewählt. Bei der Auswahl hat die Idee gezählt: Innovation ist nicht gleich Problemlösung. Wir wollten keine Businesspläne, sondern Visionen, die sich vielleicht zunächst gar nicht wirtschaftlich sinnvoll umsetzen lassen. Uns ging es darum, zu provozieren: Wichtig ist nicht, was geht, sondern was man sich vorstellen kann. Denn Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung stehen nicht am Anfang, sondern am Ende des ­Innovationsprozesses.

Wie geht es für die ausgewählten Kandidaten weiter?
Wir werden bei einer gemeinsamen Reise die Ideen weiterentwickeln und die beste mit 10.000 Euro Preisgeld honorieren. Das heißt aber nicht unbedingt, dass wir diese Idee auch umsetzen werden.

Gab es Überraschungen bei den Einreichungen?
Ja, viele Einreichungen sind echt visionär. So soll es auch sein: Vor 20 Jahren hätte man bestimmt auch gesagt, dass es ein Unternehmen wie IMMOunited nicht braucht. Und im Jahr 1970 hat auch niemand einen Heimcomputer gebraucht.

Wie schafft es IMMOunited, eine Start-up-Kultur aufrecht zu erhalten – mit flachen Hierarchien und Raum für Neues?
Wir wollen innovativ und agil bleiben, trotz unseres starken operativen Wachstums. Denn Fakt ist: Je etablierter und größer ein Unternehmen wird, umso öfter konzentriert es sich nur auf das Tagesgeschäft. Daher wollen wir uns nicht am Erfolg ausruhen und Bestehendes ständig hinterfragen. Österreich ist nicht die USA: Hier zu Lande wird eine neue Idee zunächst einmal kritisiert. Das ist bei IMMOunited anders. Manche Ideen klingen möglicherweise anfangs abwegig. Vielleicht steckt aber doch der eine oder andere gute Aspekt darin. Dazu muss man sich aber erst eine Weile mit der Idee beschäftigen.

Warum gibt es einen Mangel an Innovationen in der heimischen Unternehmenslandschaft?
Innovation ist etwas, was Geld und Zeit kostet: Ideen zu entwickeln, ist ja eigentlich das Gegenteil von produktiver Arbeit. Damit muss man umgehen können, denn eine Unternehmenskultur, die Innovationen fördert, ist essenziell, um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben. Daher braucht es einen Fokus auf gelebte Innovation: Der sprichwörtliche Wuzler im Büro schafft keine ­Innovation, sondern verbessert das Arbeitsklima. Für echte Innovationen braucht es echtes Commitment – und zwar auf der Ebene der Geschäftsführung.

Stefan Bergsmann, Geschäftsführer von Horváth & Partners Österreich

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